Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1899400
 
DAs 
KUNsT GEWERBE. 
Zehnten Jahrhunderts zu, während die FranZ0fen die des f1ebzehnten zum Musiker 
nehmen. Unter Hansen7s Einf1ufs zeigen die Wiener Br0nzen auch viel Hing 
neigung zu griechifchcn Motiven. Die Fabrik von Ler1 8c Söhne facht die eins 
facheren f. g. GalanteriegcgenPcände zu veredeln. Es iPc das ein anerkennenss 
werthes Streben, da grade diefe Gegenfiände in den letzten Zwanzig Jahren unter 
den verkehrteften Ideen litten und froh um fch6ne Form und hübfche Erfcheis 
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nung gar nicht mehr ktin1merten. 
Mit diesen Galanteriegegensiänden stehen die Arbeiten in Leder in enger 
Beziehung. Wenn es sich um Prachteinbände handelte, so spielten Br0nze und 
Email und Steine eine grössere Rolle dabei als das Leder. Zum Theil ist das 
noch heute der Fall, wenn auch in gemassigterer Weise. Die zahlreichen Prachts 
arbeiten, die wir bei Rosenberg, Klein, Rodeck, Groner und anderen auf 
der Ausstellung sahen, machen wenigstens vom Email einen weitgehenden Ges 
brauch, setzen es aber flacher in das Leder ein als früher. Statt Email sah man 
auch wieder Einsätze von gemaltem Porzellan ohne Umrahmung in schwarzem 
Leder, was eine harte Verbindung macht. Weit besser und feiner ist der 
Essect, wenn sarbiges Leder mosaikartig nach der Zeichnung und nach dem 
Muster des Ze1lenschmelzes behandelt wird. Die Ausste1lung zeigte mit und 
ohne Metallc1oisons höchst reizende Arbeiten in diesem Genre. Damit nähern 
wir uns den einfachen Ledereinbänden mit zierlichen Arabesken in Golddruclc 
nach dem Muster der alten GrolliersEinbände, wie sie heute von Franzosen und 
Engländern vortrefflich imitirt werden. Auch die österreichische AussIellung 
zeigte gelungene Arbeiten von WVunder Z: Kölbl und von Franz Kritz. 
Endlich müssen wir bei der österreichischen KunstinduPcrie noch einer Neue. 
rung gedenken, die bedeutungsvoll ist, nämlich die VViederaufnahme des Schmiedes 
eisens. Zuerst für die Kirche angewendet, sind auch die meisten Arbeiten Cnach 
Schmidt und FerstelJ in gothischem stile gehalten. Da aber auch die civile 
BaukunPc von solchen Ge1ändern, Gittern und Thorbeschlägen Gebrauch macht, 
so hatte die Ausstellung bereits eine ganze Reihe derartiger Gegenstände im Stil 
der Renaissance aufzuweisen. Von den Wiener schlossern, die daran betheiligt 
waren, nennen wir Biro, Milde, Rosmanit, Kirchmayr.  Wie hier, so 
herrscht der gothische Stil auch in der ganzen übrigen kirchlichen Kunst, soweit 
sie wirklich Bedeutung hat, sowohl in den Geweben und Stickereien, z. B. bei 
Giani in Wien und Uffenheimer in Innspruck, wie bei den reichen emails 
lirten Go1dschmiedearbeiten von Brix 8z Anders, welche vorzugsweise Gefässe 
und Geräthe nach Zeichnungen von Schmidt und Lippert ausgestellt hatten. 
Wer die Ausftellung Deutschlands mit einiger Gründ1ichkeit musterte, der 
konnte trotz der Verworrenheit des Eindrucks nicht übersehen, dass sich auf vers 
schiedenen Gebieten wenigstens die Anfänge derselben Bewegung und derselben 
Richtung zeigten, die wir in der österreichischen Kunstindustrie bereits mit Ents 
schiedenheit ausgesprochen fanden. Wir haben das bei der Besprechung des 
deutschen Mobiliars schon mit Nachdruck anzuerkennen gehabt. Diese Eigens 
schast wäre aber noch deutlicher hervorgetreten, wenn nicht das Arrangement, 
die Aufstellung in der deutschen Abtheilung so durchaus ungiinPcig und unvors 
theilhaft gewesen wären.  
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