Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1899320
 
II  
DAS 
sKUNSTGEWERBE. 
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Bedeutung und die Wiederaufnahme alter ächter Technik war nur die f. g. Helicons 
vafe, eine Arbeit von MorelsLadeuil.  In gleicher Weife,wieElkington die 
Silberarbeiten, vertrat Han c ocks den Golds und Juwelenfchn1uck. .Darunter gab 
es in griechifchem oder ägyptifchem Stil h6chit gelungene Leistungen, daneben 
hielten sich andere Gegenftände in der allerfchlimmstevn modernen Art, die wir 
schon anderswo, als den Manchettenstil bezeichnet haben. Am meisten zog der 
Diamantenfchmuck von Hanco cks die Augen auf f1ch, zumal der ganze reiche 
Schmuck der Gräfin Dudley, der, aus Hancocks7 Werkstätte hervorgegangen, 
sich dabei befand. Aber die Formen, in denen diefe blitzenden Steine zur Vers 
wendung gekommen waren, hätten in den meisten Fällen edler und auch wirks 
ungsvoller fein können. 
Beffer als die Golds und Silberarbeiten liefsen diejenigen in unedlen Metallen, 
in Bronze, Meffing undEifen, den EinHufs der beabf1chtigten Reform erkennen. Von 
diefen waren,die am meiften charakteristifchen Gegenstände, das Beleuchtungss 
geräth, Kirchengeräth und anderes in Meffing allerdings fehr schwach durch einige 
Birminghamer Fabriken vertreten; die Hauptfabrikanten fehlten. Indeffen das, 
was vorhanden war, gab mit feinen vorzugsweife mittelalterlichen Formen und 
feiner theilweife polychromirten Verzierung wenigstens einen Begriff von der Art, 
wenn man auch die Bedeutung dieser Arbeiten, die mit der modernen englifchen 
Gothik in enger Beziehung stehen, daraus nicht zu erfehen vermochte. Die übris 
gen Bronzen, insbefondere die Beleuchtungsgegenftände, in der grösseren Zahl 
vcrgoldet, hielten, sich mehr an die Formen der Renaiffance, allerdings ohne Ents 
fchiedenheit und auch ohne bef0ndere Schönheit. Die figürlichen Bronzen find 
in England noch nicht vertreten. Auch die geschmiedeten Eifenarbeiten, foweit sie 
lcLinstlerifcher Natur find, wenden sich mit Entfchiedenheit dem Mittelalter zu, und 
es gab4unter den ausgeftellten Gegenständen ganz vortreffliche Leistungen,von denen 
ein grofses,A reich mit Bandern, stäben, Ranken, und Laub gefchmüclctes Thor mirs 
fammt feinen durchbrochenensPfoften von Barnard, Bish0p Z: Barnards zu 
Norwich wohl als die erste englifche, vielleicht die erste auf ders ganzen Ausstels 
lung zu nennen ist. Auch hier zeigt sich der Einfluss der modernen G0thik, die 
in England wohl augenblicklich festeren Boden hat als auf dem Continicnt und 
dort mit mehr Energie und Entfchloffenheit als irgend ein anderer Stil von den 
tüchtigsten Architekten erhalten wird. 
Läfst die englifch.e Kunstinduftrie sin ihrer Gefammtheit die bestimmte, Rich.I 
tung vermiffen, welche wir nach der Dauer und der anfänglichen Energie der 
Reformbeftrebungen dort zu erwarten hatten, fo tritt fie in 0esterreich, deffen 
ähnliche Bestrebungen von weit jüngerem Datum find, unverkennbar hervor. Es 
ist noch nicht ein Jahrzehnt, dafs diefelben mit der Begründung des österreis 
chifchenZMufeums Halt und Mittelpunkt gewannen, und für diefen Zeitraum haben 
f1e, allerdings begünstigt durch eine äusserst bewegte Bauperi0des und unterftützt 
durch bedeutende Architekten, welche gleich den alten Meistern Paff1on und Tas 
lent gleichzeitig der Kleinkunft als der nothwendigen Ergänzung ihrer grofsen 
architektonischen Gedanken zuwendeten, bereits reichliche Früchte getragen. 
Diefen Beweis hat wohl die Ausstellung geliefert. 
Allerdings war die 6fterreichifche Ausstellung fehr gemifchter Art. Es kam
        

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