Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1899160
DAS 
KUNST GEWERBE. 
IV 
Herend zu rechnen, die es auf Wiederbelebung des alten P0rze11ans abgefehen 
hat und in der Wiedergabe der verschiedenen Arten, von Meifsen, Wien, sevres, 
Berlin, China und Japan von keiner andern Fabrik des Continents erreicht wird. 
Es ist begreiflich, dafs diefes Ziel nur mit unendlicher Mühe, Geduld und f1nns 
endcm Denken. in langer Zeit Zu gewinnen war, und um fo mehr, wenn man bei 
denkt, auf welchem Boden die Fabrik, fern von allen kiinlIlerifchen Hülfsmitteln, 
f1ch beHndet. So mag das Refu1tat, wie es die eminente Ausfke1lung dieser Fabrik 
erkennen liefs, mit Recht unfere Bewunderung erregen. In ihrer eigenthiimlichen 
Richtung hat die Fabrik gegenwärtig eine Technik, eine Sicherheit des Vers 
fahrens, eine Accurateffe derArbeit erreicht, die um f0 anerkennenswerther find, 
weil Material und Feuer gerade bei dem harten P0rze11an diefen Eigenfchaften 
hinderlich find; Die Fabrik hat uns auf jeder AusPcellung mit kleinen Räths 
feln iiberrafcht, mit d0ppelwandigen, oben durchbrochenen Gefäfsen, mit Deckeln 
in beweglichem Charnier und ähnlichen Kunftfkiicken; diesmal ift eine gewaltige 
durchbr0chen gearbeitete Vase auf grofSem vierfeitigen P0Pcament, deffen Wände 
trotz der Wirkung des grofsen Feuers fcharf und grade wie gesägt erfcheinen, und 
mit beweglichen glaf1rten Ketten un1hängt sind, der Triumph ihrer Technik. Uns 
garn f0llte unferes Erachtens mehr aus der Fabrik machen; bei der unvers 
gleichlichen Gefchicklichlceit, welche He erreicht hat, könnte sie dem Lande als 
Nati0na1anfkalt die gleichen Dienfte1eifien und die Stellung einnehmen, wie f1eeinll: 
ihrer Zeit Meifsen und Wien inne hatten. 
Gruppe: 
England, 
Frankreich, 
0este1 
reich, 
Deutschland. 
Die internationale Frage des Geschmacks wird in den vier grossen IndusIries 
ländern Frankreich, England, 0eskerreich und Deutfchland ausgekämpft und ents 
fchieden werden müssen. Das letzte dieser Länder scheint, feiner AusPcellung nach 
zu schliefsen, allerdings fern vom Ziele Zu fein, aber die grofse Bewegung der 
Kunstindustrie ist nicht eine Sache von heute auf morgen. Frankreich hat einen 
Vorsprung von zwei Jahrhunderten, der nicht in einem Lusirum eingeholt sein 
kann. Die Frage, um die es sich hier handelt, ist eine Frage der Lehre und der 
Arbeit, eine Frage der Cultur, und Wissenschaft und Cultur arbeiten langfam. 
Die Herrfchaft Frankreichs im Geschmack datirt seit der Mitte des f1ebzehns 
ten Jahrhunderts. Es ist merkwürdig, dafs sie beginnt mit feiner kriegerischen 
Gloire, die doch auch erst seit Richelieu oder vielmehr feit Ludwig XIV. gerechs 
net werden kann, und heute mit ihrem Untergang mindestens in Frage gestellt 
ist. Der franzofische Geschmack begleitet somit vollständig die Zeiten des Vers 
falls in der Kunst. seine Weltbedeutung beginnt mit dem Aufenthalt des grossen 
Manierisien Bernini in Frankreich und der Gründung der französischen Kunsiins 
dusirie durch colbert, und durchlebt ununterbrochen in nie angefochtener Herrs 
schaft die Periode der französischen Bar0ckzeit, des Rococo, den Geschmack 
Louis XVI. und selbst die Revolution und dass Empire mit ihrer vermeintlichen 
Antike, um im neunzehnten Jahrhundert mit dem Rococo von vorn zu beginnen 
und im zweiten Empire bei der stilart Louis XVl. stehen zu bleiben. Kein Wuns 
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