Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1898603
DAS 
KUNsTGEWERBE. 
bedacht ifk als die unfrige, ihre Idee mit C0nfequen7. durchzuführen, noch vorbei 
halten, das nationale W0hnhaus zur genügenden DarPcellung zu bringen. Der 
GegenPcand verdient es f1cher1ich und jPc intereffant genug, dass nun auch Arch:j.s 
0l0gen und gelehrte Architekten Ach ihm zuwenden, wie die CoIHimku11de ihre 
trefflichen Bearbeiter gefunden hat. DiefeS erkennen zu laffen, reicht die Vers 
tretung des nationalen WVohnl1aufes auf unferer We1tausPcel1ung eben hin. 
Der 0rientI  VVenn wir nur an ihn denken, f0 erheben sich in unferer 
Seele farbenprächtige Bilder und die ,,wunderbare Märchenwelt Neigt auf in ihrer 
PrachtU. lxVer die Türkei und ihre weiten Nebens und IsIinterländer aber heute 
sieht, wird schwerlich ohne ein gut Stück Täuschung zurückkehren, und wer sich 
betrachtet, was uns der Orient und feine Freunde auf der WVeltausstellung aufs 
gebaut haben, der wird das kaum mit den Bildern feiner Phantasie in Eins 
klang bringen. 
Es ist auch im Orient ein grosser Abstand zwifchen dem Einst und Jetzt: 
auch er ist in feiner Kunst gesunken und gefallen. Ja, die alte orienta1ifche 
Kunst, f1e ist allerdings wie ein Wunder der Wüste entstiegen, wie ein Gebilde 
aus dem Nichts, schnell, eigenthiimlich, in Farben und Sonnenlicht getaucht. 
Bis die arabifche Kunst ihren Gefchichtsschreiber gefunden hat, bleibt ihre Ents 
stehung und Geschichte noch immer etwas Räthselhaftes. Was brachten denn 
diefe WVüstenföhne an Kunst mit sich, als sie ihre steinige und sandige Heimat 
verliesSenP WVas konnten die Beduinen davon haben als ein bischen Schmuck 
der Waffen und ein paar bunte Streifen an Burnus und ZeltdeckenE Da stehen 
f1e noch heute in der türkifchen Abtheilung auf der Ausstellung, wie sie damals 
waren vor mehr denn zwolfhundert Jahren am Tage der Hegira. Der Drufe vom 
Libanon, der Araber von Bagdad find ihr leibhaftiges Ebenbild, prächtige Ers 
fcheinungen ohne Frage, fehr malerisch, aber sicherlich keine Künstler. 
Freilich fanden die Araber, als sie auszogen aus ihrer Wüste und sich eine 
XVelt, eine reiche Welt eroberten, überall die Kunst vor, Zwar eine Kunst im 
Verfall, aber doch eine Menge Kunstarbeiter, die ohne Frage ihre Lehrer wurden, 
Lehrer in der Technik wie in den Kunstformen. Nichtsdestoweniger warfen sie 
diese letzteren rasch und entschieden wieder ab. Kaum sind zweihundert Jahre 
verflossen  eine Epoche, in der sie kaum Zeit gehabt hatten, ihre Eroberungen 
zu vollenden oder zu befestigen  da ist schon ein völlig neuer Kunststil so 
gut wie fertig, in Charakter, Form, 0rnament gleich grundverschieden von der 
römischen, hellenistischen oder byzantinischen Kunst, von allem, was die Araber an 
Kunst in dem eroberten Lande vorgefunden hatten. Dieser neue Kunststil 
lässt uns nun allerdings seine Wunder sehen, wenn wir den .Berichten ihrer 
Dichter und Schriftsteller, wenn wir den schilderungen der Kreuzfahrer glauben, 
wenn wir dem Eindruck, den diese neue XVelt auf den Europäer machte, dem 
Einfluss, den f1e auf feine Kunst, auf die ästhetische Gestaltung seines Lebens 
ausübte, vertrauen wollen. Das Wenige, was uns von dieser früheren arabifchen, 
gewöhnlich fazarenisch genannten Kunst erhalten ist, widerfpricht dem in keiner 
U 
II 
, II 
s.Hl 

        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.