Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893257
Zweiundzwanzigstes 
Buch. 
Die 
italienische 
Frührenaissance. 
Der 
Pr0l0g 
der 
Renaissance. 
FRAGT man, wo die ersten Wurzeln der Renaissancebewegung liegen, so 
kann die Antwort nur lauten: nicht zunächst bei den ausübenden Künstlern, 
nicht in der schönen Litteratur, sondern bei den Juristen und Staatsmännern Anfjkigirgn. 
der stauüschen Zeit. Die um die Mitte des 12. Jahrhunderts schon blühende 
Rechtsschule von Bologna hat mit ihrer Wiederbelebung des römischen Rechts und n. 
den ersten grossen Schritt gethan, um die Augen der Zeit Wieder auf die Antike 
zurückzulenken; der zweite geschah mit der Wiederaufnahme der römischen 
Staatsidee durch Friedrich I, welcher 1158 auf den roncalisclien Gefilden bei 
   _ Piacenza sein neues Gesetzbuch verkündigte. Einen 
 jgx unmittelbaren Einiiuss auf die bildende Kunst kann 
 litt-Käfig: man dem Vorgehen des Kaisers Friedrichl noch 
  nicht nachweisen; wol aber hat die Regierungs- 
  zeit seines Enkels einen solchen aufzuweisen. In 
F"!  ihm, Friedrich II, lebte der altrömische Kaiser- 
Fig. l. Augustalis Friedrichs II.     
gedanke wieder am machtigsten auf, und es kann 
nicht verwundern, wenn er zunächst in seinen in Messina und Briiidisi geprägten 
Goldmünzen (den sogen. Augustalen) auf die Münzen der Kaiser (speciell der 
constantinisclien Familie) znrückgriif, sich in der Tracht und mit den Insignien 
des Imperators auf ihnen abbilden und sich auf dem Revers den auf den 
Consecrationsmünzen des 2. Jahrhunderts auftretenden Adler beigesellen liess 
(Fig. 1) 1. So steigt mit ihm Virgil's ,I0vis alesß dem wir bei Dante (,l'-uccel 
rli Giozief, Purg. XXXII 112 u. a.) und auch bei dem falschen Cyrillus begeg- 
nen, wieder als Insigne des Kaisers auf: es ist die erste sieghafte An- 
kündigung der Wiedergeburt der Antike. Auch in den antikisirenden Details 
und Tempelfronten der von Friedrich II ausgegangenen Kirchenbauten (in 
Foggia, Castel del Monte, Catania, an seinem eigenen Grabmal in Palermo) 
wird man mit Schlosser eine Anknüpfung an die röinische Vorzeit erkennen 
dürfen. Durchschlagend aber ist der Anschluss an die Antike an dem 1557 Die SQUIP- 
zerstörten, von dem Kaiser am Volturno in Capua errichteten Brückenthore,  
in welchem römische Hermen und andere Sculpturen eingelassen waren und 
1 Vgl. hierzu und zu dem Folgenden beson- 
ders jetzt WINKELMANN Goldmünzen Friedr. ll 
(Mitth. d. Inst. f. österr. Geschichtsforscllung 
XV 9).  J. v. SGHLOSSER Die ältesten Me- 
daillen u. d. Antike (Wien 1897) S. 38.  
Ausserdem Scmmrz Denkmäler des Mitte]- 
alters in Unteritalien I 207; II 167.  SALA- 
ZARO I 55.  C. v. FABRICZY Kaiser Fried- 
richs II Brückenthor in Capua (Zeitschr. f. 
bild. Kunst XIV 150 f. 180. 214. 236). 
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