Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893213
Begriff; 
Natur 
constitutive 
der Renaissance. 
Elemente 
Anhänge Recht, so zeriielen alle die grossen Pläne, welche den Geist dieses 
genialen und unsäglich energischen Herrschers erfüllten; es entiiel ihm der 
Ruhm, die mächtigste Kunstbewegung der christlichen Geschichte für immer 
mit den Interessen des Pontificates und dem eigenen Namen in Verbindung 
zu setzen. 
Iulius II gab dem Cardinal von Corneto seine Antwort in den Decken- nimm n. 
und Wandgemälden der Sixtinischen Kapelle und der Stanzen, vor allem der 
Camera della Segnatura. Es bleibt unserer Darstellung seines Pontificates Die Camera. 
vorbehalten, den detaillirten Nachweis zu liefern, wie in der Sistina die Iuxta- seglfäizra_ 
position der Sibyllen neben den Propheten des Alten Bundes die Weltweisheit 
und das religiöse Ahnen der Antike als Vorhalle zum Christenthum zu ihrem 
Rechte bringt, und wie die vier grossen Compositionen der Camera della 
Segnatura das Hindringen der Menschenseele in ihren einzelnen Facultäten, 
das Streben der gesammten Menschheit zur Gottheit in der Richtung des 
ästhetischen Empfindens und künstlerischen Vermögens (Parnass), der philo- 
sophischen und überhaupt profanwissenschaftlichen Forschung (Schule von 
Athen), der staatlichen und kirchlichen Ordnung (Ertheilung der Rechte), 
endlich des theologischen WVissens darstellen. Es kann, an diesem Orte und 
bei der Natur dieses Pontifex, nicht einen Augenblick zweifelhaft sein, dass 
wir es hier nicht mit dem subjectiven Einfall zweier Künstler, sondern mit 
dem wohldurchdachten und klar formulirten Programm des Papstes zu thun 
haben. Iulius hat sich hier in echt kirchlichem Sinne von jeder extremen 
Auffassung entfernt gehalten. Er knüpft an an jene vermittelnde Richtung, 
welche in Florenz von Marsilio Ficino und Pico della Mirandola eingeschlagen 
worden war und welche durch Marsilids treueste Schüler Giovanni und 
Giuliano de' Medici, die späteren Päpste Leo X und Clemens VII, nach Rom 
verpflanzt und am päpstlichen Hofe vertreten war. Gerade Pico hatte sich 
ernstlich und eigentlich neben Marsilio allein bemüht, der einseitigen Be- 
wunderung für das classische Alterthum gegenüber die Werthschätzung der 
gesammten wissenschaftlichen Entwicklung, auch der Scholastik und der 
Forschung der nordischen Völker zu betonen 1. Er hat seine Gesammtauffassung 
in dem Aussprüche zusammengefasst: fhilosophia veritatem guaerit, theologia 
invenit, roligio possidet2; ganz übereinstimmend mit dem, was Marsilio Ficino 
über die ,Akademie der edlen Geister' sagt: die Camera della Segnatura und 
insbesondere die Schule von Athen und die Disputa sind nichts Anderes als 
die künstlerische Illustration dieser Ideen. 
Waren diese Compositionen die grösste Leistung der christlichen Kunst, 
so stellt das Programm, welches sie veranschaulichen, zugleich eine der 
grössten Thaten des römischen Papstthums dar. Die Aufnahme der 
echten Renaissance in den kirchlichen Gedankenkreis be- 
deutete eine Erweiterung der beschränkten mittelalterlichen 
Idee zur Allgemeinheit, eine Ueberführung zur vollen und 
echten Katholicität, ähnlich jenem grossen Schritt, den das 
paulinische Heidenchristenthum that, indem es die Gemeinde 
aus der Beschränktheit des judenchristlichen Standpunktes 
' Plcl Oratio de hominis dignitate (Opp. 
und Epist. ad Hermol. Barbar. in ANGELO 
POLIZIANI Epist. libr. IX).  Vgl. BURGKHARDT 
Die Cultur der Renaissance in Italien I4 225. 
2 PICI Epist. p. 243.  
Aeusserungen Picds bei 
System des Johannes Pico 
S. 14 f. 
 Vgl. verwandte 
DREYDORFF Das 
(Marburg 1858)
        

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