Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893172
Begriff, 
Natur 
Elemente 
constitutive 
Renaissance. 
hart fort, ,sah daher den Frieden unter den Menschen herrschen, die Guten 
Willens waren. Man kann sich nicht vorstellen, dass ein Galilei durch einen 
Pius II oder Leo X belästigt oder entehrt worden wäre. Savonarola allein 
hatte den Einfall, Bilder zu verbrennen. Freilich hatten die Sitten an Rein- 
heit und Milde verloren, aber die Kirche war auch nicht von Heiligen be- 
völkert, und die Scandale des römischen Hofes erregten das Kopfschütteln der 
ganzen Christenheit. Gewiss, die Kirche und Italien haben diese Licenz der 
Sitten und die Gleichgiltigkeit für Zucht und Disciplin grausam gebüsst. Aber 
immerhin blieb nach der Plünderung Roms, der Reformation und der Knechtung 
der Halbinsel zu ewiger Genugthuung die Erinnerung an eine grosse Civili- 
sation zurück, welche das Werk des ungestörten Zusammenwirkens der Kirche 
und einer edlen, von der Freiheit entzückten, vor keiner Kühnheit des Geistes 
zurückbebenden Rasse war. Vielleicht ist dies Beispiel die grösste Wohlthat, 
welche die Renaissance der Welt geschenkt hat." 
Im wesentlichen sind es dieselben Anschauungen, welche Müntz vor- 
trä-gt und die er durch seine umfangreichen und hochbedeutenden Forschungen 
über die Kunst am Hefe der Päpste zu stützen unternommen hat 2. Ihnen 
ist neben Alberdingk Thijm 3 vor allem Jules Helbig entgegengetreten. 
Helbig gibt zu, dass die Kirche und das Papstthum die Stilfrage hinsichtlich 
des Kirchenbaues vollkommen offen gelassen haben. Aber er behauptet, die 
Renaissance, welche seiner Ansicht nach nur eine Invasion der Antike war, 
sei weder keusch noch christlich gewesen. Ihr "Ideal war so antichristlich 
als möglich. Ihre Moral ging darin auf, die Vorurteile der gewöhnlichen Sittlich- 
keit mit Füssen zu treten. Ihre Heroen und Heroinnen, wie sie uns die 
Medaillen der Zeit darstellen, sind nichts als die Gloriiication des Lasters. 
Wenn Müntz behauptet, die Action des Papstthums habe die Renaissance von 
dem Abgrund zurückgerissen, in den sie zu stürzen im Begriffe stand, indem 
es sie gezwungen habe, sich zum Interpreten des religiösen Gedankens zu 
machen; das Papstthum habe die Bewegung im Oontact mit den Tiefen der 
Volksseele (avec les couches profundes de la sociätä) gehalten: so bezweifelt 
Helbig, dass dies Verhaltniss ein reciprokes war: die Renaissance sei immer 
darauf ausgegangen, diesem Einfluss der Kirche zu entgehen und sich von 
der Berührung mit jenen Tiefen der Gesellschaft fern zu halten. Auch sei 
die Sympathie der Päpste gar nicht so allgemein und unbedingt gewesen, 
wie vorgegeben werde. Nikolaus V habe doch auch neben Alberti den 
frommen Giovanni da Fiesole in seine Dienste gezogen, Pius II habe gegen 
Ende seiner Regierung eine wirkliche Aversion gegen die Renaissance an Tag 
gelegt (E9) und seine Bibliothek mit den Werken der Vater gefüllt. Die 
Renaissance habe zur Zeit ihrer Entstehung, wie heute, keine glühenderen Be- 
wunderer als die Feinde der Kirche gehabt: sie empfinden wol, dass die 
Productionen dieser Kunst mit ihnen für den Triumph der Sinnlichkeit, den 
Helbig. 
l GEBHART Les Origines de 1a Renais- 
sance en Italie (Par. 1879) p. 417-421. 
9 MÜNTZ Histoire de Part pendant 1a Re- 
naissance, besonders I.  Ders., Les arts 
ä 1a Cour des Papes pendant le XVÜ et le 
XVIC siäcle, recueil de documents inädits 
des archives et des bibliothöques romaines. 
Iß partie: Martin V  Pie II, 1417-1464. 
He Partie: Paul II, 1464-1471. IIIQ partie: 
Sixte IV  Läon X, 1471-1521. (Biblio- 
thäque des Ecoles frangaises düäthänes et 
de Rome, Fass. IV. IX. XXVIII.)  Ders., 
Les arts ä 1a Cour des Papes Innocent VIII, 
Alexandra VI, Pie III, 1484M-15O3. Paris 
1898. 
3 ALBERDINGK THIJM De zogenaamde Re- 
naissance in Italiä. Alexander VI  J ulius II 
(aus ,Dietsche Warandd). Gent 1890.
        

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