Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893149
Buch. 
Einundzwanzigstes 
an Paul II rächen; Brandolini und Campanus dichteten ihre Epigramme und 
Elegien. Neben den Poeten erschienen die Historiker: Volaterranus und 
Sigismondo de'Conti, Filippo de Lignamine, Matteo Palmieri schrieben geist- 
liche und weltliche Zeitgeschichten. Die eigentliche Philologie vertraten Giovanni 
Filippo de Lignamine, Martino Filetico, vor allem der Grieche Johannes 
Argyropulos, der, aus Constantinopel herübergekommen, anfangs den Medici 
gedient hatte und der, von Sixtus für Rom gewonnen, hier Angelo Poliziano 
und unsern grossen deutschen Johann Reuchlin zu seinen Schülern oder Freunden 
zählte. Sixtus warf seine Blicke noch weiter hinaus und suchte selbst den 
berühmten Itegiomontanus zu gewinnen (1475), der ihm bei der Kalenderreform 
zur Seite stehen sollte, aber auf der lteise starb (1476). Noch bezeichnender 
für die Freiheit seiner Auffassung ist sein freilich vergebliches Bemühen ge- 
wesen, auch Marsilio Ficino nach Rom zu ziehen. Ja selbst die römische 
Akademie durfte wieder aufleben, so dass wol verständlich ist, wenn Filelfo, 
den man 1474 wol aus Furcht vor seiner scharfen Feder an die römische 
Universität berufen hatte, von der hier herrschenden mnglaublichen Freihcit' 
entzückt war und die Humanisten überhaupt wieder ein volles Mass von 
Anmasslichkeit an den Tag legten. Wodurch aber Sixtus IV vor allem auf 
den Fortschritt der Wissenschaft einwirkte, war die mit Consequenz und 
Hochherzigkeit von ihm durchgeführte Neuorganisation der vaticanischen 
Bibliothek und die Zugänglichmachung derselben für den öffentlichen Gebrauch. 
Im Jahre 1475 zählte die Vaticana 770 griechische, 1757 lateinische Hand- 
schriften, im Ganzen 2527, die sich bis 1484 um tausend Bände vermehrten. 
Freilich trat hier eine stärkere Betonung der theologischen Litteratur ein. 
So günstige Tage hatte die humanistische Bewegung unter dem unruhigen 
Pontiücate Innocenz' VIII (1484-1492) nicht, obgleich auch in seinem Dienste 
mehrere ihrer Vertreter Platz fanden, so namentlich der vortreffliche Hellenist 
Giovanni Lorenzi, der 1485 auch Bibliothekar der Vaticana Ward. Die Bibliothek 
konnte dieser Papst bei seiner stetigen Finanznoth nicht mehren, aber er 
gestattete freigebig ihre Benutzung, und der Auftrag, den er Polizian gab, 
die historischen Werke der Griechen ins Lateinische zu übertragen (1484), 
zeugt jedenfalls für sein inneres Interesse an der classischen Litteratur. 
Seinem Nachfolger Alexander VI (1492-1508) wird ein Solches nicht nach- 
gerühmt. Aber die Borgiaas, Cesare sowol wie vorab Lucrezia, standen der 
Renaissance zu nahe, und es gab namentlich Letztere in Ferrara zu glänzende 
Beweise ihrer Theilnahme für die Bestrebungen der Zeit, als dass man an- 
nehmen dürfte, dies verhängnissvolle Geschlecht, welches in seiner sittlichen 
Haltung die schlechteste Seite der neuen Bewegung so grauenhaft verkörperte, 
habe bei seiner hohen Veranlagung an den Studien, welche die Zeitgenossen 
erfüllten und entzückten, nicht innern Antheil genommen. 
Das war also, in kurzen Zügen, die Stellungnahme des Papstthums zum 
Humanismus in der zweiten Hälfte des Quattrocento. Inzwischen war in 
Florenz der erste Versuch gemacht worden, denselben in ein bestimmtes 
principielles Verhältniss zum Christenthum zu bringen. Der Florentiner Platonis- 
mus, den wir oben bereits geschildert haben (S. 17), hat zuerst einen innern, 
inhaltlichen und historischen Connex zwischen den höchsten Hervorbringungen 
des antiken Geistes und der antiken Cultur einer-, dem christlichen Dogma 
anderseits aufzuweisen gesucht. Jener vermittelnde Standpunkt, der trotz 
mancher Irrthümer die innere Verwandtschaft des Platonismus mit dem Christen- 
thum lehrte, war wesentlich durch Bessarion begründet worden. Marsilids
        

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