Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893134
Begriff, 
Natur 
constitutive 
Elemente 
Renaissance. 
Dass der Widerstreit dieser beiden Richtungen manche Seele perplex und 
zwischen den Gegensätzen hin- und herschwankend machte, war zu erwarten. 
Beispiele solch getheilter Seelenstimmung sind Girolamo Agliotti 
(1412-1480), der Traversariis Einfluss sein Empor-kommen verdankte und 
1441 sein Buch ,De monachis condiendis' schrieb; ebenso Fra Albertino da 
Sarteano, ebenfalls in den Florentiner Kreisen der Bruni, Poggio, Traversari 
angeregt, welcher 1422 Schüler Guarinds in Verona wurde und 1450 in Mailand 
starb. In den Briefen und Schriften dieser Männer wechselt die Liebe zu der 
classischen Litteratur mit dem Schrecken vor dem Einfluss der heidnischen Schrift- 
steller ab: ein Bild der getheilten Stimmung, mit der die kirchlichen Kreise 
überhaupt um die Mitte des Jahrhunderts der Bewegung gegenüberstanden. 
Auch die Pontificate der Zeit zeigen dies Schwanken. Der Hof Nikolaus V 
zeigt den Enthusiasmus für die humanistischen Studien auf seinem Höhepunkt. 
Niemand nahm Anstoss daran, dass die kirchlichen Aufgaben ganz in den 
Hintergrund traten und der Papst weit mehr an Bücher und Bauten als an 
Theologie und Ascese dachte. Die Dinge gediehen so weit, dass man sich in 
Rom selbst um christliche Lehrer nach aussen Wenden musste Cguod ran" 
ibi grammatici sunt, qui non gentilitatis quam religionis plus habenf, sagt Giac. 
Piccolomini Ep. 292). Das Pontiiicat Calixts III änderte daran wenig, denn 
wenn der Papst über die Bücherliebhaberei seines Vorgängers sich lustig 
machte, so hatte der Begründer der Borgizfschen Dynastie" dem zunehmen- 
den Paganismus gegenüber kein moralisches oder religiöses Gegengewicht zu 
bieten. Enea Silvio fühlte sich als Papst und Schriftsteller zu gross und 
souverän, um dem kleinen Geschmeiss der Grammatiker besondere Aufmerksam- 
keit zu schenken: aber er bewahrte sich das innere Verhältniss zur Renaissance, 
deren echtester Sohn er wie kein Zweiter war. Eine Reaction trat unter 
Paul II ein, den sowol nach der kirchlichen wie nach der politischen Seite 
das Treiben der Akademie in Unruhe versetzte. Schon 1455 hatte Barbo die 
Widmung der ,Oratio contra poetast entgegengenommen, welche der Bischof 
von Verona, Ermolao Barbaro, der Ueberschätzung der antiken Litteratur 
entgegengesetzt hatte; 1468 untersagte der Papst den Gebrauch der alten 
Dichter in den Schulen1, wobei man aber wol nur an die lasciven Poeten 
zu denken haben wird. Denn dass Paul lI keineswegs, wie uns Platina 
glauben machen. möchte, ein roher Barbar gewesen, sondern dem classischen 
Alterthum seine Sympathie und Aufmerksamkeit zuwandte, das geht ebenso 
aus seinen umfassenden Veranstaltungen für die Erhaltung der alten Denk- 
mäler als aus der reichen Antiken- und Kunstsammlung hervor, welche er 
bereits als Cardinal in seinem Palast aufstellte 2. Immerhin athmeten_ die 
Humanisten auf, als Paul II aus dem Zeitlichen geschieden war, und wenn 
die Schrift des Sigismondo de'Conti ,Ad Sixtum IV pro secretariis' 3 die Be- 
sorgniss auszudrücken scheint, als ob der neue Papst den Studien derselben ab- 
geneigt sein könne, so sah Sixtus IV doch bald einen ganzen Kreis hervor- 
ragender Humanisten um sich geschart: Pomponio Leto konnte ungestört seinen 
antiquarischen Grillen nachgehen, Platina sich mit seiner Geschichte der Päpste 
' Vgl. die Depesche des Laurentius de Pen- 
saure vom 16. März 1468 bei Pnswon a. a. O. 
II 305, Anm. 3. 
2 Es ist das Verdienst von MÜNTZ 1. c. 
II 4, 9 s. 181 s., Precurseurs de 1a Re- 
naissance c. 159 s., und PASTOR a. a. O. II 
313 f., Pauls II Gesinnung und Thätigkeit 
auf diesem Punkte zuerst wieder ins rechte 
Licht gesetzt zu haben. 
9 PASTOR a. a. O. I1 569, Anm. 2. Auch 
für das Folgende sind Pastors Nachweise 
dankbar benutzt worden.
        

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