Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893129
Buch. 
Einundzwanzigstes 
Form zu giessen weiss. Aber in Sixtus IV erstand diesen Bestrebungen ein neuer 
Macen; Iulius II fasste sie, wie wir sehen werden, in dem grossartigsten 
aller Programme zusammen; Leo X schwelgte in dem Gonusse, den ihm die 
alten Dramatiker schenkten. Alles das ändert sich mit der Zeit Caraäas 
Nicht bloss die paganistischen und sensualistischen Auswüchse der humanisti- 
schen Bewegung treten zurück, sondern auch das innere Verhältniss des 
Papstthums und der Kirche zu derselben wird völlig Inodificirt, und was 
zurückbleibt, ist wesentlich nur die Form: die lateinische Sprache als formale 
Grundlage dessen, was wir heute den Gymnasialunterricht heissen, wie in 
der bildenden Kunst die antiken Ordnungen und Bauformen, während der 
Geist Brunellescds und Bramante's geschwunden War. 
InnercsVer- Dieses inn er e Vcrhältniss der kirchlichen Kreise zu der humanistischen 
 Bewegung ist durch die Stellung, welche ihre Vertreter am päpstlichen Hofe 
Kreise zum und in andern kirchlichen Beamtensphären fanden, wohl stark illustrirt, aber 
Hfäfsis" keineswegs erschöpft. Es ist der Mühe werth, darauf mit einigen Worten 
zurückzukommen. 
Der erste Vorstoss gegen die neue Richtung war gegen S alutato's Per- 
son und Schriften gerichtet. Das Lehrgedicht ,De fato et fortuna' gab Anlass 
zu dem ersten Angriff auf den berühmten Staatskanzler (gest. 1406), welche 
von dem Dominicaner Giovanni di Domenico ausging. Seine ,Lucula noctis' 
wandte sich nicht bloss gegen einzelne bedenkliche Stellen jenes Gedichtes, 
sondern überhaupt gegen die ,heidnischen Wissenschafteni Heftiger noch 
war der Ausfall des Oamaldulensers Giovanni di San Miniato, welcher 
den Reiz der classischen Litteratur als gotteslästerliche und götzendienerische 
Verführung denuncirte und dem Salutato in seiner letzten Schrift antwortete. 
Die Polemik nahm dann eine Wendung an, die sachlich nichts nutzen konnte. 
Die Humanisten griffen das Mönchthum als die eigentliche Zwingburg der 
ihren Bestrebungen feindlichen Elemente an und gaben die freilich vielfach 
der Zuchtlosigkeit und Ignoranz verfallenen Frati dem Gelächter und der Ver- 
achtung ihrer Zeitgenossen preis. Dies unrühmliche Spiel linden wir in den 
Streitschriften des Lionardo Bruni (,Contra hypocritas), des Filelf o, des 
Poggio, ohne dass man indessen den Ansätzen einer ehrlich gemeinten 
wissenschaftlichen Auseinandersetzung über die von den Mönchen vertretene 
scholastische Methode und deren Gegensatz zu der neuen Wissenschaft be- 
gegnete. Ernster waren schon die Angriffe, welche Valla gegen die sittliche 
Grundlage des Mönchslebens und gegen den Cölibat richtete, während der be- 
rühmte Grammatiker und Erzieher Guarino von Verona (d. Ae., seit 1429 
in Ferrara, wo er 1460 starb) sich noch als Achtzigjahriger von dem Francis- 
caner Giovanni da Prato befehdet sah, weil er den Studenten Terenz und 
Virgil selbst in der Fastenzeit erklärte. Der Frate wollte Lesen, Besitzen, Kauf 
und Verkauf der Classiker überhaupt verboten wissen. Bald zeigte sich unter 
den Mönchen selbst eine tiefgehende Spaltung, indem die Einen für den Ordens- 
geistlichen nur ,heilige UnwissenheiU passend fanden; Andere, wie der be- 
rühmte Oamaldulensergeneral Traversari, seine Ordensgenossen Guido 
und Orlandini, der lateranensische Regularkanoniker Timoteo Maffei, 
die classische Litteratur geradezu in den Dienst der Religion zu stellen suchten. 
Man muss es den Predigermönchen von S. Maria Novella und den Francis- 
canern von S. Croce nachrühmen, dass sie sich dieser Strömung, Welche 
ganz Florenz erfüllte, anschlossen. Wollte doch selbst der hl. Bernardino 
von Siena schon, dass man sich die Rhetorik der Alten zu Nutzen mache.
        

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