Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893119
Begriff, 
Natur 
constitutive 
Elemente 
Renaissance. 
geheimen Archivs von S. Angelo ernannt, der Freund des Erasmus und des 
Raffael, werth, von Diesem gemalt zu werden. Weiter Giacopo Sadoleto 
(1477-1547), unter Leo X und Clemens VII apostolischer Secretär für die 
lateinischen Briefe, 1517 Bischof von Carpentras, 1536 Cardinal; eine der 
reinsten und edelsten Gestalten der Zeit, Ciceronianer ohne die Affectation 
so vieler Anderer, und der eleganteste lateinische Schriftsteller der Epoche, 
wenn man seinen Freund Pietro Bembo (1470-1547) ausnimint, den ilnn 
Leo X zum Collegen im Secretariat gab und dem Paul III gleichfalls den 
rothen Hut schenkte (1539). Paul III (Alessandro Farnese, 1534-1549) 
war der letzte der eigentlichen Renaissance-Päpste, und wenn mit seinem 
Pontificate eine ganze grosse und glänzende Welt dahinstarb, um niemals 
Wiederzukehren, so hatte die erste und bessere Hälfte seiner Regierung in 
den um seinen Thron geschaarten Gelehrten und Kirchenfürsten, den Cortese, 
Contarini, Giberto, Poole, Sadolet, Fregoso, Cervini u. A, die 
letzten von den hohen Gedanken der guten Renaissance erfüllten Träger 
dieser Epoche gesehen. 
Der Humanismus zählte im 15. Jahrhundert auch unter den höchsten Humanisten 
Würdenträgern der Kirche seine Vertreter und Freunde. Unter den Cardinälen, nifialiirsclä_ 
welche die Zeit Eugens IV zierten, seien nur Bessarion, Giuliano Inns- 
de'Cesarini, Gerardo Landriani, Nikolaus von Cues genannt. 
Mit Tommaso Parentucelli ward einer der leidenschaftlichsten Bücher- 
freunde, welche die Welt je gesehen hat, selber Papst (Nikolaus V, 
1447-1455), zugleich der glänzendste und einflussreichste Bauherr seiner 
Zeit, von dem ein Dichter behauptete, alle Päpste hätten seit tausend Jahren 
nicht so viel an Kirchen, Palästen, Burgen in Rom ausgeführt wie er. Er 
gab der Stadt fast eine neue Physiognomie und begründete den heutigen 
Vatican; was er alles mit den ihn umgebenden Architekten, Bildhauern und 
Künstlern aller Art träumte, um seiner Residenz die höchste Macht künst- 
lerischer Herrlichkeit zuzuführen, das auszuführen hatte ein halbes Jahr- 
hundert nicht ausgereicht; nach achtjahrigem Pontilicat musste er, nach dem 
Ausdruck Enea Silvio's, das Begonnene, das, ausgeführt, ihn den Imperatoren 
des Alterthunis gleich gestellt hatte, zumeist als Trümmer zurücklassen. Der 
Humanismus sah bald darauf einen zweiten aus der Reihe der Seinigen auf 
den Stuhl Petri erhoben: Enea Silvio Piccolomini (Pius II), Alles in 
Allem genommen doch die echteste Incarnation dessen, was man die Renaissance 
des Quattrocento nennen darf. Er war der eigentliche Apostel des Humanis- 
mus in Deutschland, wo er einst den Herzog Sigmund von Tirol vor der 
Scholastik gewarnt und ihm (Brief vom 5. December 1443) gerathen hatte, 
wenn er über Religion und das Ziel seiner Seele nachdenken wolle, möge er 
die guten lateinischen Stilisten, Hieronymus, Augustinus, Ambrosius, Lactantius, 
lesen: man denkt dabei an die Privatbibliothek Nikolausf V, welche nur aus 
antiken Profanschriftstellern bestand 1. 
So nahe wie Parentucelli und Piccolomini, die selber Humanisten waren 
vom Scheitel bis zur Zehe, stand keiner der folgenden Päpste zu dem Humanis- 
mus; wenigstens war keiner mehr wie sie, man möchte sagen, ausübender 
Lehrer und Künstler in der Rhetorik und Stilistik der lateinischen Sprache, die 
in dieser Epoche wirklich wieder eine lebende wurde. Denn lebend ist eine 
Sprache, wenn sie grosse, frische und freie Gedanken in eine würdige, angemessene 
ist publicirt von AMATI Archivio stor. 
Katalog 
111 1 (1866), 
P- 207 sg,
        

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