Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893049
Buch. 
Einundzwanzigstesf 
alten kaiserlichen Roma herzustellen bestrebt war. Sein 1446 dem Papst 
überreichtes Werk führt den Titel ,R0ma instauratai Ihr folgte später seine 
,Italia illustrata' 1. Dieser Versuch, den Trümmern das Leben wiederzugeben, 
kann wie ein Programm der ganzen Arbeit der Humanisten und der Renais- 
sancisten angesehen werden. 
Als Ciriaco d'Ancona in Aegypten zeichnete, Inschriften und Münzen 
sammelte, antwortete er einem Priester, der ihn um sein Thun befragte: ,es 
sei seine Kunst, zuweilen Todte aus dem Grabe zu erwecken". Im Grunde 
war das das Geschäft des gesammten Humanismus. Nie ist der Versuch der 
Wiederbelebung an einem grösseren und majestätischeren Todten, als diese 
Antike es war, unternommen worden; und doch ist dabei ein lrrthum unter- 
laufen. Heinrich Wölfflin hat sehr wahr gesagt: die Renaissance  in der 
landläufigen Bedeutung des Wortes  habe erst in dem Moment die Antike 
erkannt, als sie aufhörte ,Renaissance' zu sein und der Barock an die Thüre 
klopfte. Das 15. Jahrhundert, betont er, stand zur Antike etwa in dem Ver- 
haltnisse wie das 14. Jahrhundert zur Natur. Die Trecentisten meinten, 
Giotto habe in der Nachbildung der Natur Unerhörtes geleistet: je mehr sich 
das Sehvermögen ausbildete, desto rascher verschwand diese Einbildung 2. 
Die Menschen des 15. Jahrhunderts glaubten in ihren Bauten einfach das 
Alterthum zu reproduciren, und erst später öffneten sich die Augen soweit, 
dass man den Unterschied bemerkte. Was Wölfflin hier zunächst von der 
Architektur sagt, gilt aber in gewisser Beziehung von dem Gesammtbilde, 
welches sich das Quattrocento von der Antike und seiner Kunst machte; erst 
das 19. Jahrhundert hat den eigentlichen Kern der Antike herausgeschalt und 
den eigentlichen Höhepunkt des antiken Kunstlebens wie die gesammte Ent- 
wicklung desselben dargelegt. Die Renaissance kannte und bewunderte nur 
einen Ausschnitt, und zwar nicht den besteng; in seiner Nachbildung und 
Wiederbelebung lag ein Stück ihres Ruhmes und ihrer Grösse, aber nicht 
das Wesentliche ihres Seins. 
VII. 
verhältniss Das Verhältniss der Kirche zur Renaissance, in dem Vorher- 
der Kirche       
zur Renam gehenden schon manchfach beruhrt, wird seine eingehendere Darlegung 1n 
5mm. unserer Schilderung der Hoch- und Spätrenaissance zu finden haben. Hier 
soll zunächst nur eine allgemeine Orientirung über die Fragen gegeben werden, 
welche sich anlässlich dieses Verhältnisses erheben, und es soll der Versuch 
gemacht werden, den Weg zu einer Wirklich historisch-kritischen Beurteilung 
dieses Gegenstandes aufzuweisen. 
Denn dass die bisherige Litteratur über denselben und die Art, wie man 
,Kirche und Renaissance, Papstthuni und ltenaissance" zu behandeln pflegte, 
1 Bnonm Romainstaur. Veron. 1482;Basi1. 
1531. Roma triumphans. Bresc.1482. Italia 
illustrata. 1531. 1539.  Vgl. ALFR. MASIUS 
F1. Biondo, sein Leben und seine Werke. 
Lpz. 1879. VOIGT a. a. O. II 34. 85. 504. 511. 
513 u. s. f.  Ueber den Werth der Roma 
instaurata JORDAN Topogr. d. Stadt Rom im 
Alterth. I (Berl. 1878) 1, 77. 
2 HEINE. WÖLFFLIN Die antiken Triumph- 
bogen in Italien (Repert. f. Kunstw. XVI 11). 
3 Der Erste, der dies bemerkte, nicht auf 
Grund monumentaler Studien, sondern auf 
dem Wege der Induction, war Snnmo (um 
1540: Architettura, ed. Venez. 1584, p. 69), 
der wenigstens die Superiorität der griechi- 
schen Bauten vor den römischen ahnte, wäh- 
rend noch MANETTI (Vita di Brunelleseo, ed. 
HOLTZINGER p. 22) meinte, Rom müsse wegen 
seines politischen Verzugs auch in der Arcl1i- 
tektur alle andern Nationen übertroffen haben. 
 Vgl. BURCKHARDT-HOLTZINGER Gesell. d. 
Ren. in Italien S. 35.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.