Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893032
Begriff, 
Natur 
cnnstitutive 
Elemente 
Renaissance. 
Taufsteinen verwendet. Aber, wie gesagt, systematische Ansammlungen von 
Antiquitäten gab es nicht. Sie treten jetzt zunächst als Privatsammlungen im 
14. Jahrhundert auf, dem Anschein nach zuerst in Venedig, wo ein reicher 
Trevisaner, Oliviero Forza, sich seit 1835 eine Collection anlegt, deren Ver- 
zeichniss wir noch besitzen. Petrarca hinterliess einige wenige antiquarische 
Gegenstände, über die uns sein Testament Nachricht gibt. Das Wichtigste 
darunter ist ein seither verschwundenes Madonnenbild Giottols. Viel später 
hat der Fürst des deutschen Humanismus, Desiderius Erasmus, laut der beiden 
von ihm ausgestellten Testamente, eine viel reichere Hinterlassenschaft gehabt. 
In den Tagen nach Petrarca mehren sich die italienischen Privatsammlungen, 
unter denen die des Papstes Paul II uns bekannt ist 1. Keine aber war bedeutender 
als diejenige der Medici, Welche Cosimo der Pater Patriae, wol schon seit 
seiner Reise nach Rom 1426, begründete, welche dann die Privatsammlungen 
Niccolo Niccolfs und Poggids in sich aufnahm, von Piere de' Medici, Cosimds 
Sohne, ansehnlich erweitert wurde und unter Lorenzo i] Magniüco ihren glän- 
zendsten Stand erreichte, um dann bei der Austreibung seiner Söhne 1494-1495 
zum grössten Theile zerstreut zu werden. Fast alle die grossen Meister des 
Quattrocento, die Donatello, Ghiberti, Verrocchio; die Lippi, Grhirlandajo, Botti- 
celli, vornehmlich aber Lionardo, Michelangelo, ltaffael, haben in dieser wunder- 
vollen Sammlung ihre Studien gemacht. Man weiss, wie Lorenzo persönlich es 
nicht verschmähte, den jungen Buonarruoti in die Schätze seines Museums ein- 
zuführen. Die heutigen Sammlungen der Uffizien gehen im wesentlichen auf 
die Initiative der Grossherzöge Cosimo I und Franz I zurück, wie auch die 
grossen antiquarischen Sammlungen des Vatican und des Museo Borbonico 
in Neapel ihre Entstehung in der Hauptsache erst dem 18., selbst 19. Jahr- 
hundert verdanken. Einen Einfluss auf die Bewegung der Renaissance konnten 
dieselben demgemäss nicht haben. 
Die Verbindung des Studiums der monumentalen Reste mit den Inschriften Studium der 
und den Nachrichten der alten Autoren tritt uns zum erstenmal in jener De"kml"e" 
berühmten Schilderung der Ruinen Roms entgegen, welche Poggio um 1430 
verfasst hat und mit deren Ausdruck Gibbon sein viel gelesenes 71. Kapitel 
eröffnet hat? Diese wenigen Seiten waren für die Methodologie der classischen 
Alterthumswissenschaft epochemachend  in gewisser Beziehung auch ver- 
hängnissvoll. Denn das christliche Rom und die christlichen Antiquitäten 
waren dabei ausgeschlossen: wir werden sehen, wie es sich gerächt hat, dass 
die Renaissance, diesen Gedanken ihrer Begründer verfolgend, über die alt- 
christliche Basilika in ihrer Erneuerung der Baukunst hinwegsprang und den 
Faden der kirchlichen Tradition auf diesem Punkte zerriss. 
Zwei Jahre später als Poggio kam Flavio Biondo (1388-1463) mit Biondo. 
Engen IV nach Rom, aus dessen Trümmern er seit 1443 die Topographie der 
1 E. MÜNTZ hat in seinen höchst verdienst- 
vollen Arbeiten (Les arts ä 1a cour des Papes 
II 164-280) die uns erhaltenen Verzeichnisse 
solcher Sammlungen publieirt, dann auch in 
,Les Collections des Medicis au 15" siecle' 
(Par. 1888) zusammengestellt, was über die 
mediceische Sammlung bis zu ihrer Zer- 
streuung bekannt wurde. Kürzlich aber wurde 
aus dem Nachlasse JAK. BURCKHARDTS der 
höchst anziehende Aufsatz ,Die Smmnler' 
herausgegeben (Beiträge zur Kunstgeschichte 
von Italien, Basel 1898), welcher den voll- 
ständigsten und erfreulichsten Ueberblick 
über diesen ganzen Gegenstand bietet. 
2 POGGIO Ruinarum urbis Descriptio (Opp. 
ed. 1513 sq., 50-52).  Vgl. GIBBON 
Gesch. d. Verf. u. d. Unterg. d. Röm. Reichs, 
D. Uebers. (Lpz. 1806) XIX 192.  GRE- 
GOROVIUS lV 700.  BURCKHARDT a. a. O. 
l 203.
        

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