Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892975
BegriH, 
Natur 
constitutive 
Elemente 
Renaissance. 
dici war durch die Vorträge des ,zweiten Platoß wie man Gemisthos Plethon 
nannte, sehr ergriffen und beschloss die Gründung einer ,Akademie', in welcher 
die platonischen Studien gepflegt werden sollten. Er selbst sammelte alle 
Werke des Plato und des Plotin, den man als den besten Erklarer und Ver- 
mittler des platonischen Gedankens ansah, und er bestimmte den sechsjährigen 
Sohn seines Arztes zum eigentlichen Träger dieses Unternehmens, das unter 
seinem grossen Enkel Lorenzo il Magnilico aufblühen sollte. 
Schon Fallmerayer (1836) und Finlay (1851) haben den specifisch anti- 
christlichen Charakter des von Plethon vorgetragenen Religionssystems be- 
tontl; heute wissen wir durch die 1858 erfolgte Veröffentlichung seines 
Hauptwerkes, der ,Gesetzesaufzcichnung' (Älriluruv auyypugrvj), dass es sich, wie 
sein Gegner Georgios Scholarios schon 1428 erkannte, geradezu bei ihm uin 
die Einführung eines neuen Heidenthums handelte. Er verdeckte zwar den 
wahren Sinn seiner Lehren durch Doppelzüngigkeit, aber er hat doch selbst 
in Florenz die Aeusserung gethan, in wenigen Jahren werde der gesamnite 
Erdkreis einmüthig eine und dieselbe Religion annehmen, zwar nicht diejenige 
Christi oder Mohammeds, sondern eine solche, die nur wenig von dem alt- 
griechischen Heidenthuni verschieden sei. Diese heidnische Gesinnung ist bei 
andern Humanisten, die dem Einflusse Plethons einigermassen unterstanden, 
wie Pomponio Leto, nicht zu verkennen. Sie hat auch auf die beiden Männer 
stark eingewirkt, welche die Führung in der mediceischen Akademie über- 
nahmen. Marsilio Ficino (1433-1499) war in der ersten Hälfte seines 
Lebens gewiss den Einllüssen Plethons stark unterlegen und sein Geist mehr 
als billig in die mystisch-theurgischen Träume der späteren Alexandriner 
eingetaucht. In seinem 40. Jahre (1473) in den geistlichen Stand getreten, 
hat er seine Philosophie, dem Beispiel des hl. Augustin folgend, einer Revi- 
sion unterworfen. Der Rest seines Lebens war der Absicht gewidmet, die 
Uebereinstimmung des Platonismus und des (Jhristenthums darzuthun. Er 
entsagte darum seiner frühern Begeisterung für den ersteren nicht, wie 
seine ,Theologia Platonica' (1482) und seine Uebersetzung des Plato (1491) 
beweisen. Aber er sah in Plato den Vorläufer Christi; die platonischen 
Ideen enthalten ihm in Ahnung den Kern des Ohristenthums, und wenn ihm 
die Divergenzen nicht verborgen bleiben konnten, die sich zwischen dem 
Platonismus und dem christlichen Dogma in seiner historischen Entwicklung 
und namentlich in der ihm durch die aristotelische Scholastik gegebenen be- 
griiflichen Fassung und dialektischen Entfaltung aufgethan hatten, so hat er 
in seinen Harmonisirungsversuchen doch mehr dem Platonismus als dem 
Christenthum Gewalt angethan 2. Auch der Graf Giovanni Pico della 
Marsilio 
Ficino. 
Pico della 
Mirandola. 
1 FALLMERAYER Gesch. von Morea II 300. 
FINLAY Hist. of Greece p. 282.  Für das Fol- 
gende ist bes. DRÄSEKE a. a. O. und dessen 
Aufsatz ,Zu Georgios Sch0lari0s' (Byz. Zeitschr. 
IV 364) zu vergleichen; für die Florentiner 
Akademie, Marsilio und Pico s. Roscom Vita 
di Lorenzo de' Medici. Vers. ital. H2 (Pisa. 
1816) 46 sg.  Rmnaom Lorenzo de' Medici il 
Magniüco 112 (Lpz. 1883) 23 sg.  SCHELHORN 
De vita etc. Marsilii Ficini (Amoen. litt. I 
18   GALEOTTI Della vita e degli scritti 
di Mars. Fic. (Arch. stor. itaL, N. S. IX, 25 
bis 91; ibid. Giorn. stor. degli archivi Tos- 
cani p. 713).  PUGCINOTTI Della filosofia 
di Mars. Fic. (Nuova Antol. 1867 V, fasc. 6). 
 Gnom; DREYDORFF Das System des Joh. 
Pico. Marburg 1858.  CALORI-CESI in Mem. 
stor. d. Mirandola. Mir. 1897.  DAN. BERT! 
in Rivista contemporanea, XVI (Torino 18-59). 
2 Eine Uebersicht der ihm bekannten 
heidnischen wie christlichen Litteratur gibt 
FICINO in seinem Buch ,De Christiana Reli- 
gione' (Opp. I 70  die Zusammenstellung 
zeigt ungefähr, was damals überhaupt der 
gelehrten Welt an Schriftstellern des Alter-_ 
thums zugänglich war. Man vergleiche dazu
        

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