Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892940
Buch. 
Einundzwanzigstes 
1432) und Poggio Bracciolini (,De avaritiat, 1429; ,Contra hypocrisin", 
1447; ,Facetiae', 1438) darunter die Herrschaft des Fleisches, die Rebellion 
gegen die hergebrachte Sittlichkeit und die christliche Ehrbarkeit. Mit der 
Untergrabung der Grundlagen, auf welchen sich das Familienleben aufbaut, 
ging sehr bald auch die wenigstens theoretische, wenn auch nicht praktisch 
ernst gemeinte Empörung gegen die Gesellschaft, gegen die staatliche Ordnung 
Hand in Hand. Es wird schwer sein, die sogen. ,römische Akademie" 
mit ihren Häuptern Pomponio Leto und Platina (ca. 1451) von dem 
Vorwurfe solcher Tendenzen zu entlasten. Jedenfalls zeigten sich diese kindi- 
schen Nachäffer des Alterthums in ihrem ganzen Auftreten weit mehr als 
Heiden denn als Christenl. 
Dieser paganistischen Ausartung des Humanismus, welche sich theils in 
Libertinage, theils in lächerliche Alterthümelei verlor, stand indessen ohne 
Unterbrechung eine andere, christliche Richtung gegenüber, die ihr nicht nur 
die Wage hielt, sondern bei den ersten tonangebenden Männern doch noch 
lange Zeit das Uebergewicht hatte. In Florenz, wo dio Gegensätze am 
härtesten aufeinander stiessen, war die letztere Auffassung durch einen seiner 
grössten Staatsmänner, Coluccio Salutati (l330--1406), und dann durch 
Niccolö Niccoli, Lionardo Aretino und Leone Battista Alberti vertreten. Dass 
gerade Dieser, der grösste Theoretiker der Kunst, dieser Angelegenheit mit 
tiefer christlicher Ueberzeugung gegenüberstand, war für die Kunst und die 
Künstlerwelt doch von grösster Bedeutung. 
Einwande- Ein neues Element, hoehbedeutsam für die Entwicklung des Humanismus, 
Gigjfugjgd tritt zu Anfang des Quattrocento in diese Bewegung ein, um zu Ausgang des- 
glrliiiärlffähfrselben eine Zeitlang die Lage zu beherrschen. Manuel Chrysoloras, der 
" m" um 1400 nach Florenz kam, den Paolo Cortese um 1480 den drei grossen Initia- 
toren des Humanismus anreihte, und der 1415 auf dem Concil zu Constanz starb, 
wurde sowol durch seine Lehrthätigkeit in Florenz, Venedig, Rom und Pavia 
als durch seine Grammatik (,Erotemata graeca') der eigentliche Praeceptor 
Zingua-e graecae für Italien. Zwanzig Jahre später fanden die Unionsverhand- 
lungen zwischen der abend- und morgenländischen Kirche statt. Der Türke 
stand schon nahe vor den Thoren von Byzanz, und politische Nothwendigkeit 
machte den Sinn der Oströmer einer Wiedervereinigung geneigter. Die Sen- 
dung unseres gelehrten, um den Humanismus wolverdienten Landsmannes, 
des Cardinals Nikolaus Cusanus, nach Constantinopel (1438) eröffnete die 
Verhandlungen, welche dann durch den Patriarchen Joseph und vor allem 
durch den gelehrten und geistvollen Erzbischof von Nicäa, Bessarion, aufge- 
nommen und in Ferrara (1438) und Florenz (1439-41442) fortgesetzt wurden. 
Schon in Ferrara konnten sich 700 Griechen, auf den päpstlichen Schiffen 
herübergebracht, einfinden. In Florenz erschien der Kaiser Iohannes Palaeologus 
selbst mit einem grossen Gefolge, prächtig und reich, und doch ein Bettler 
vor den Thoren Europas Das Florentiner Concil war für die Entwicklung 
der humanistischen Studien, aber auch für die Kunst von grosser Bedeutung. 
Die Medaillen, mit denen die Florentiner Erzgiesser damals die byzantinischen 
1 Vgl. betr. des Paganismus in der 
humanistischen Bewegung jetzt hauptsächlich 
ausser BURCKHARDT a. a. O. lI 173. 293, 
JANITSCHEK a. a. O. S. 9 f. bes. REYMONI) 
De lintluence nefaste de 1a. Renaissance. 
Par. 1890.  PASTOR Geschichte der Päpste 
I? 1 f.; II 288 (römische Akademie); III 
1 f.  Die älteren Darstellungen von 
R10 De Part cllret. I. II, CARTIER L'art 
chret. I 111 im 140, DIDRON Ann. chret. X11 
300 ermangeln nicht einer gewissen Ein- 
seitigkeit.
        

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