Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892930
Begriff, 
Natur 
constitutive 
Elemente 
Renaissance. 
fPrtigell ,Decaanerone', in dessen schlüpfrigen Erzählungen ein heiterer und 
llebenswürdiger Sinn neben ausgeprägter Sinnenlust und ebenso ausgeprägtem 
Vergnügen an der Verhöhnung der in der Welt- und Ordensgeistlichkeit herr- 
schenden Sittenverderbniss sich kundgibt. Unter den Zeitgenossen war Boc- 
caccio weit mehr als Litterat, Beförderer der humanistischen Studien, Bewun- 
derer und Erklärer Dantels berühmt; selbst Petrarca lernte das ,Decamer0ne' 
erst ein Jahr vor seinem Tode kennen. 
Die Rückkehr des Papstthums aus Avignon (1377) war nicht im Stande, 
der Bewegung der Geister eine andere Richtung zu geben. Der lange Streit 
11m politische Fragen, welcher von Bonifaz VIII an bis auf Gregor XI (gest. 1378) 
alle Pontificate angefüllt hatte, die Entfernung des Papstthums von seiner 
nat-ürlichen Basis in Rom (seit 1305) und das Exil in Avignon hatten die 
Einwirkung dieser grössten und mächtigsten Institution des Mittelalters in 
Italien geschwächt und zurückgedrängt 1. Mit Gregor XI nach Rom zurück- 
gekehrt, war gleichwol das Pontiiicat nicht im Stande, sofort die alte Be- 
deutung wieder zu gewinnen und die Herrschaft über die Geister zurück- 
Zuerobern. Es kam in ein von der Wuth der Parteien zerrissenes, von Leiden- 
schaften zerfleischtes Land zurück, wo sich eben (1375) eine Liga gegen die 
weltliche Macht des Papstes gebildet hatte, dessen geistliche Suprematie oben- 
iixrein, infolgel tdes Schisfmeil: und der Xlztgvglitätl des französischen Papstes in 
vignon, n1c1 unange oc en war. e er as Auftreten der 1  
Seherin, der hl. Brigida von Schweden, in Rom (gest. 1373) nochwldiizisscldilii 
hl. Caterina von Siena (gest. 1380) war im Stande, den kirchlichen Kreisen 
eine stärkere Actionsfahigkeit zu gewähren. Die wunderbare Friedenstaube 
von Siena hat freilich auch über ihre Vaterstadt hinaus auf die Grossen dieser 
Welt gewirkt; aber ihre rein ascetische, den Werken des innern Lebens zu- 
gewandte Sinnesart und Thätigkeit konnte auf die Factoren des geistigen 
Lebens selbstverständlich höchstens einen in der Macht ihrer Persönlichkeit 
wurzelnden, mit ihr dahinsterbenden Einfluss gewinnen. 
Dass alles menschliche Mühen nach Wahrheit und Erkenntniss durch den Der Humw 
Weg des Irrthums hindurch müsse, ist ein von der Geschichte erhärteter, "isms- 
gelegentlich auch durch Thomas von Aquino ausgesprochener Satz. Er hat 
sich, leider, auch in der Geschichte des Humanismus und der Renaissance 
bewahrheiten müssen. Diese gewaltige Bewegung, deren Aufsteigen man bis 
zum Tode Lionardo's und Raffaels (1520), wenn man lieber will, bis zum Sacco 
di Roma 1527 oder in runder Zahl bis 1530 setzen kann, beginnt nun, sich 
in zwei Richtungen zu spalten, denen bald eine dritte, die Existenzberech- 
tigung der ganzen Bewegung leugnende, entgegentritt. 
Der Humanismus hatte mit der Begeisterung für die der antiken Litteratur 
und Kunst innewohnende schöne Form, also mit einem ästhetischen Interesse, 
begonnen. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts aber sehen wir eine radical 
antikisirende Richtung ausgebildet, welche auch den Inhalt, den geistigen, 
philosophischen, sittlichen Gehalt des Alterthums zu repristiniren unternimmt. 
Die Rehabilitation der Natur in ihre ,Rechte', die Herrschaft des Schönen 
wird auf die Fahne geschrieben. In Wirklichkeit meinen Lorenzo Valla 
(mit seinen Dialogen ,De voluptate ac de vero bono", um 1430-1435), An- 
tonio Bcccadelli (Panormitanus, mit seinem ,Hermaphroditus', 1431 oder 
1 BARTOLI (I precursori 
perchö ricomincia Puomoi 
sagen 
geht so weit zu 
,il Papa 
finiscono, 
Ylmperatore 
4 41
        

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