Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892879
Begriff, 
Natur 
und 
constitntivc 
Elelnente 
Renaissance. 
kräftige Anschluss an das lateinische Alterthum im ll. Jahrhundert ent- 
sprechen sowol der verbesserten historischen Einsicht, wie sie uns in den 
classischen Chroniken entgegentritt, als der höhern allgemeinen Bildung, 
wie die Schriften des Pier Damiani und Gregors VII sie abspiegelnl, als 
endlich den kunstgescliichtliclien 'I'hatsachen. Wir sahen (II l, 62 f), wie die 
Wandgemälde in S. Clemente, in S. Urbane alle Caifarelle, in S. Angele in 
Forinis theils einen engern Anschluss an die vnagistra latinitas darstellen, 
tlieils Einwirkungen zeigen, die auf einen erhöhten Austausch mit Byzanz 
hinweisen. Um dieselbe Zeit erhebt sich die Elfenbein- und Metallplastik 
(Paliotto von Salerno  Broncetliüren  Candelaber), und gleich zu Anfang 
des 12. Jahrhunderts meldet sich der namhafte Aufschwung an, welchen die 
Mosaikmalerei in der Schule nahm, die wir mit de Rossi byzantinisch-italie- 
nisch nennen (II 246 f). 
Die Frage ist, was diese Jahrhunderte sich innerlich von der Cultur des 
Alterthums bewahrt haben, was nicht. Der Besitz und die Forterhaltung der 
lateinischen Sprache beweist an sich dafür gar nichts. Mehr Gewicht ist 
schon zu legen auf die Bücherbestande der Klöster, aus denen sich wenigstens 
ersehen lässt, wohin die litterarischen Neigungen der Mönche gingen. Und 
da ist denn freilich zu sagen, dass man in jener ganzen Epoche zwischen 500 
und 1200 fortfuhr, die lateinischen Dichter zu eopiren, Virgil vorab, und sie 
als libri scolares neben den Kirchenschriftstellern auf die Bücherreihen zu 
stellen. Darüber, 0b es nützlich sei, diese heidnischen Bücher zu lesen, gingen 
freilich die Meinungen auseinander. Wo die Bischöfe Galliens in Reims über 
die Unwissenheit des römischen Klerus sich beklagen, vertheidigt der päpst- 
liche Legat Leo diesen mit der Erklärung: ,die Stellvertreter Petri und dessen 
Schüler wollen zu ihren Lehrmeistern weder Plato, noch Virgil, noch Terenz, 
noch das übrige Philosophenvieli (pecudes philosophorzim) haben.    Von 
Anfang an hat Gott nicht die Philosophen und Redner, sondern die Illiteraten 
und Ungebildeten erwahltfg Alkuin, der in seiner Jugend die ,Bücher der 
alten Philosophen und die Lügen' Virgils so gern gelesen, dass er mit elf 
Jahren besser in der Aeneide als in den Psalmen zu Hause war, Wollte im 
Alter nichts mehr davon wissen und hielt seine Schüler, freilich mit wenig 
Erfolg, von solcher Lectüre ab. Auch Tlieodulf iindet für nothwendig, sich 
deshalb zu entschuldigen, dass er Virgil, Ovid u. s. w. gelesen. Dies hindert 
nicht, dass die Alten bei beiden fränkischen Dichtern aus allen Versen heraus- 
gucken. Wie einst Hieronymus werden auch jetzt fromme Kirchenfürsten und 
Lehrer, wie Herbert, Bischof von Norwieh, Wilgard, Scholasticus in Ravenna, 
von Scrupeln über ihre Freude an der Lectüre der Alten gequält. Es fehlt 
nicht an Hitzköpfen, welche ein solches Studium als häretisch verschreien; 
aber die meisten dieser Declamatoren verrathen, dass es ihnen mit ihren 
Invectiven nicht ernst ist und sie selber oft genug an der verbotenen Frucht 
genascht haben. Andere rathen geradezu dazu. Lupus von Ferrieres geht 
den Handschriften der Classiker eifrig nach, und gleich ihm räth auch Anselm 
zur Lectüre des Virgil3. 
' Vgl. über diese Zeit GREGOROVIUS Gesell. 
d. Stadt Rom im Mittelalter IV4 284 f. 
2 Mon. Germ. V 673. Dazu GREGOROVIUS 
a. a. O. lIl4 480 f. und bes. OOMPARETTI 
Virgilio nel medio evo I2 (Fir. 1896) 99 sg. 
(c. 6). Aus d. ltal. übers. v. DÜTSCHKE (Lpz. 
1875) S. 70 f. 
3 ANSELM. 011.351. Ein anderer Autor singt: 
,Pervigil oro legas cecinit, quod musa Maronis 
quaque Sophia docet, optime, care puerf
        

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