Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892827
Buch. 
Einundzwanzigstes 
aus der Heiligen Schrift, aus der Legende der Localheiligen und Patrone 
füllen die Wandmalerei aus noch während des ganzen Quattrocento. Die 
Klosterkunst der Dominicanei- in S. Maria Novella, in Pisa, in S. Marco di 
Fircnze ist dem kirchlichen Gedanken ganz hingegeben: nur mit dem Unter- 
schied, dass nun nicht mehr bloss die Geschichte des Lebens und Leidens des 
Herrn, wie noch bei Fra Angelico, sondern auch der Triumph der lehrenden 
Kirche über die Mächte des Irrthums in den Vordergrund tritt. Die Spanische 
Kapelle ist gemalte Scholastik. 
Eindringen In diese religiösen Bilderreihcn wagt sich das profane Element erst spät 
 hinein. Zuerst nehmen die Donatoren in dem Rahmen des Gemäldes Platz. 
Das Motiv, die Stifter des Bildes um, die Madonna oder unter dem Kreuze 
zu versammeln, war vorzugsweise der nordischen Kunst geläufig. Es ist in 
Florenz mit den Bildern des Hugo van der Goes eingewandert. Bald darauf 
gibt Benozzo Gozzoli seinen biblischen Gestalten die Köpfe zeitgenössischer 
Celebritäten. Lorenzo il Magniiico und Giuliano de' Medici sehen sich mit 
Polizian den babylonischen Tlhurmbau an, Platina und Marsilio Ficino lauschen 
der Unterhaltung der Königin von Saba mit Salomon (Camposanto von Pisa, 
1468-1484). Schon vorher hatte Benozzo in der Kapelle des Palazzo Riccardi 
den alten Cosimo mit Bruder und Sohn den heiligen drei Königen zugesellt 
(1459). Domenico Ghirlandajo lässt eine ganze Gesellschaft von Florentinern 
in seine Chorfresken in S. Maria N ovella einrücken (1490); auch hier begegnen 
wir Gelehrten der Stadt, wie Polizian, Marsilio, Landino, Künstlern, wie dem 
Maler selbst und seinem Bruder, nicht weniger als einundzwanzig Bildern der 
Tornabuoni, deren Haupt Giovanni die Kosten der Ausmalung trug, der schönen 
Ginevra de' Benci und Giovanna degli Albizzi, welche vier Jahre vorher 
Lorenzo Tornabuoni geheiratet hatte. 
Viel weiter geht Raffael. Er begnügt sich nicht damit, in der Camera 
della Segnatura (bei der Ertheilung des kanonischen Rechtes) zwei zeit- 
genössischen Cardinälen einen Platz zu geben; eine Reihe der übrigen Stanzen 
schildert unter den Bildern der kirchlichen Vergangenheit (in den Geschichten 
Leo's III, Leo's IV, Heliodors) nichts anderes als die Schicksale des Papstes 
Leo X. Man sieht, die Gegenwart forderte ihr Recht, und die Kunst ist nicht 
gewillt, es ihr vorzuenthalten, wäre es auch nur unter dem Schleier der 
Vergangenheit. 
Inzwischen hatte auch schon das Trecento angefangen, seine Sujets selbst 
für grosse und monumentale Compositionen einer andern Welt als der religiösen 
zu entnehmen. Noch 1315 hatte Simone Martini im Palazzo pubblico zu Siena 
die Sala delle Balestre mit seiner ,Kircl1encantate', der Madonna und langen 
Reihen von Engeln und Heiligen ausgemalt. Aber schon wenige Jahre später 
(1838-1340) sehen wir ebenda Ambrogio Lorenzetti seine politischen Fresken 
in der Sala dei Nove ausführen: grosse allegorische Compositionen, in denen 
die Segnungen des Friedens und eines guten Regimentes, der Schrecken der 
Tyrannei uns vorgeführt werden. Es war die Zeit, wo die Republik am 
glücklichsten war: das Aufblühen ihrer Macht fand in diesen Schöpfungen 
seinen angemessenen Ausdruck. Die aufsteigenden Machte des Lebens ver- 
langen auch hier ihren Antheil an der Kunst; sie octroyiren sich der Phantasie 
der Künstler ohne weitern Umschweif. WVie hier in Siena die reiche und 
potente Bürgerschaft der Republik sich ihr Denkmal setzt, verewigt sich in 
Perugia die Handelswelt in den Fresken, mit denen (1499_1500) Pietro Peru- 
gino den Gerichtssaal der Wechslerstube (il Cambio) ausschmückt. Natürlich
        

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