Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892816
Begriff, 
Natur 
constitutive 
Elemente 
Renaissance. 
Was die Lehrweise sowol der altern Zeit, welche uns Cellini noch 
schildert, als auch die des ganzen 15. Jahrhunderts vor der Gegenwart aus- 
zeichnete, das war die Universalität der künstlerischen Praxis, die durch- 
schnittlich in einer und derselben Werkstatt gelernt wurde. Dass der Maler 
nicht unbekannt war mit den Forderungen der plastischen Kunst und der 
Architektur, das gab ihm jenes vielbewunderte Raumgefühl, die Pracision 
der Formen, die Fähigkeit, in jedem Sattel zurecht zu sitzen. Nur durch 
eine lange Continuität der künstlerischen Erziehung nach dieser Richtung 
konnte es geschehen, dass die drei Hauptvcrtreter der Hochrenaissance faSt 
gleichmässig auf allen drei Gebieten der bildenden Kunst bedeutend waren. 
Es konnte nicht fehlen, dass in den YVerkstätten sich bestimmte Tra- Traditionen. 
ditionen ausbildeten. Der Druck dieser Traditionen war im Trecento noch 
stärker als in dem darauffolgenden Jahrhundert. Wie lange hat der Einfluss 
Giotto's die Florentiner Schule beherrscht! Mit dem Einbruch des Realismus 
im Zeitalter der Masaccio und Brunellesco ändert sich dies. Man wird freier 
und geht directer auf das Studium der Natur los. Das Experiment, wie es 
Brunellesco und Paolo Uccello einführen, wird in den Ateliers leidenschaftlich 
geübt, Perspective und Anatomie studirt; die Gesetze der Bewegung und der 
Schönheit des menschlichen Körpers treten allmählich in das allgemeine Be- 
wusstsein der Kunstwelt, dessen höchsten und vollendetsten Ausdruck wir in 
Lionardo zu bewundern haben. In höherm Grade als irgend Jemand vor 
ihm war es dieser umfassendsten aller Künstlernaturen gegeben, den grossen 
Schritt von der charakteristischen zur idealen Schönheit zu thun und damit 
die italienische Kunst zu einer Höhe zu erheben, welche zu erreichen keiner 
andern Nation zugestanden sein sollte. An dieser Entwicklung hat der Ein- 
tritt der Antike als eines zweiten, massgebenden Factors ganz gewiss seinen 
grossen Antheil gehabt. Aber hatte dieser Factor statt des Naturstudiums 
zeitlich und causal die erste Stelle eingenommen; wäre er das eigentlich aus- 
schlaggebende Moment gewesen: so würde er der Bewegung etwas Unfreies, 
Unfrisches aufgedrückt haben; er würde die Frühlingsstimmung des Rinasci- 
mento rasch gebrochen und den Frost eines inhaltleeren, unbefriedigten und 
unbefriedigenden Classicismus herbeigeführt haben, wie wir ihn zu Ende des 
vorigen Jahrhunderts erlebt haben. Diese Betrachtung ist für die Erkenntniss 
des eigentlichen Wesens der Renaissance von der grössten Bedeutung1. 
Die künstlerische Erziehung konnte sich nicht vollziehen, ohne dass der Verhältniss 
Künstler in ein lebendiges Verhaltniss zu dem Stoffe trat, dessen Dar- Küssen 
stellung seinem Pinsel oder seinem Meissel als Aufgabe zutiel. Erst dadurch, zum Stoffe. 
dass er in ein fruchtbringendes Verhältniss zu diesem Stoffe trat, ward seine 
Phantasie zur schöpferischen Thätigkeit befähigt.  
Ueberblickt man die zwischen Niccolo Pisands Auftreten und Raffaels 
Tod von der italienischen Kunst zur Darstellung gebrachten Stoffe, so kann 
kein Zweifel sein, dass bis zu dem Jahre 1520 der kirchliche legendarische 
Stoff weitaus vorherrscht. Die Pisaner, Sienesen, Umbrier cultiviren ihn fast 
ausschliesslich. Von ihm lebt in Florenz noch das ganze Trecento. Scenen 
vollendet), zum erstenmal herausgegeben und 
bearbeitet von WOLFGANG v. OETTINGEN 
(Quellenschriften, Neue Folge III). Wien 
1890.  POMPONIUS GAURICUS (e. 1503) 
De Sculptura. Florenz 1504 u. 6., neu 
herausgegeben von H. BROCKHAUS. Leipzig 
1886. 
' Auch JANITSCHEK (a. a. O. S. 46) steht 
ganz auf seiten der Anschauung, welche hier 
vertheidigt wird.
        

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