Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892795
Begriff, 
Natur 
con stitutive 
Elemente 
Renaissance. 
der Miniaturmalerei anzufüllen, Kirche und Sacristei mit Bildern und Sculpturen 
zu schmücken, begabten "Künstlern eine dauernde Beschäftigung zuzuweisen, 
durch Aufstellung ihrer Werke in dem Heiligthum (denn in Jenen Jahr- 
hunderten waren die Kirchen die eigentlichen Museen der schönen Künste) 
den Künstlern auch den Weg in die PFlVäItlläUS0l' zu bahnen und ihnen Be- 
stellungen und Nachfragen zuzuführen? Wer diesen Dingen in der Local- 
geschichte nachginge, könnte einen interessanten Beitrag zur Geschichte des 
Verhältnisses der Kirche und des Klerus zur Renaissance liefern und ein Buch 
schreiben, welches ein glänzendes Zeugniss für die treue, liebevolle Hingebung 
des italienischen Welt- und Ordensklerus an die Sache der bildenden Künste 
ablegte. 
Aber es Waren nicht bloss die gebildeten Kreise, welche diesem Gegen- 1111322308485 
stand ihre Theilnahme schenkten; gross und bewundernswerth ist auch das  
Interesse, welches den Schöpfungen der Kunst seitens des Volkes bis hinab 
in die niedrigsten Schichten desselben entgegengebracht wurde. Schon gleich 
zu Beginn des Trecento bricht dieser Enthusiasmus durch. Als Duccio sein 
berühmtes Dombild vollendet hatte, trug man es, am 9. Juni 1309, unter dem 
Jubel des ganzen Volkes, unter Glockengeläute und Fanfarengeschmetter in 
den Dom. Ein unübersehbarer Zug von Menschen, voran der Klerus, der 
Magistrat, die Klostergeistlichen, die Bürgerschaft mit Frau und Kind bewegte 
sich hinter dem Bilde her: es war ein religiöses und zugleich ein patriotisches 
Jubelfest, das schöner und alter Sitte gemass mit reicher Spende von Almosen 
an die Armen der Stadt beschlossen wurde. Auch der arme Mann sollte des 
Kunstwerkes froh sein  und er ist es (in Italien) heute noch. 
Solche Scenen bot die Geschichte von Siena, namentlich unter dem An- 
hauch der religiösen Begeisterung, welche S. Caterina und S. Bernardino 
später hervorriefen, gar manche. Seit die Antike in den Vordergrund tritt, 
sieht man die Massen von Zeit zu Zeit durch die Aufdeckung römischer 
Alterthümer, namentlich in Rom, leidenschaftlich bewegt. Ein merkwürdiges 
Beispiel solcher Erregung bildet die Geschichte von der Ausgrabung jener 
schönen Römerin, Iulia, der Tochter des Claudius, deren angeblich unversehrter 
Leichnam am 15. April 1485 bei S. Cecilia Metella aufgefunden wurde. 
Die ganze Stadt war tief bewegt: war doch, wie man glaubte, die antike 
Idealschönheit an diesem todten Mädchen auf einmal der Gegenwart wieder 
nahe gebracht. Das Volk war gewöhnt an die ,Trionii', wie sie seit Paul II 
in Rom aufgeführt wurden und in denen die Herrlichkeit der alten Cäsaren 
an ihm vorüberzog. Die Herrlichkeit des antiken Körpers zu sehen, ward ihm 
der Gegenstand plötzlicher Aufwallung. Papst Innocenz VIII, erschreckt von 
dieser Bewegung, liess die Leiche nächtlicherweile verscharren1. 
1 NANTIPORTO bei MURATORI III 2, 1094. 
INFESSURA bei Ecomun SS. II 1050.  BAR- 
THOL. FONTIUS bei JANITSCHEK a. a. O. S. 98 f. 
121. Vgl. zu der Sache BURCKIIARDT a. a. O. 
I 208.  MATARAZZO Arch. stor. ital. XVI 
2, 180.  SPRINGER Raph. und Michelangelo 
112 368 (über das Verhältniss des Liller Mäd- 
chenkopfs zu dem Fund von 1485).  Münwz 
Hist. de Part de 1a Ren. I 504; II 461.  
J. RENOUVIER Gaz. des Beaux-Arts 1859 III 
340. BLONDEL ibid. 1881 11290. Der Liller 
Kopf (Büste aus farbigem Wachs), über dessen 
Herkunft man nichts weiss, wurde häufig, 
ohne Grund, Rafael zugeschrieben. RENOU- 
VIER nannte Verrocchio, GONSE (Graz. des 
Beaux-Arts 1859 III 340; 1878 I 197-205) 
Orsino Benintendi, H. TIIODE (Mitth. d. Inst. 
f. österr. Geschichtsforsch. IV 75) brachte 
ihn zuerst mit der 1485 gefundenen Mumie 
in Beziehung, wogegen sich JANITSCHEK 
(L'Art IV [1883] 3), SPRINGER a. a. O. und 
MÜNTZ 1. c. aussprechen. Ueber die Um- 
stände der Auffindung 148-5 s. HÜLSEN Mitth. 
d. Inst. f. österr. Geschichtsforsch. IV 3.
        

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