Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892773
Begriff, 
Natur 
Elemente 
constitutive 
Renaissance. 
das Product einer Rivalität, welche die Nachbarstadt an Pracht und Herr- 
lichkeit ihrer öffentlichen Bauten zu übertreffen strebte. Für die Künstler 
ergab sich daraus der Vortheil unausgesetzter wohlbezahlter Aufträge und 
die Möglichkeit, die eigenen Ansprüche nach Massgabe des Angebotes und 
der sich die besten Kräfte streitig machenden Auftraggeber zu steigern. So 
grosse Aufgaben, wie sie in diesen Republiken namentlich der öffentlichen 
Baulust gestellt wurden, verlangten bald eine geregelte amtliche Bauleitung. 
Venedig war den übrigen Freistaaten mit seinem S. Marco-Dome voraus- 
gegangen. An diesen unvergleichlichen Prachtbau reihte sich eine Menge 
anderer Staatsbauten, wie der Dogenpalast, an welchem mehr als drei Jahr- 
hunderte (im Wesentlichen 1801-1610) gearbeitet wurde, die alten Procu- 
ratien (1436-1517, noch aus kirchlichem Vermögen erbaut), die neuen Pro- 
curatien mit der alten Bibliothek (1584). Alle diese und andere Luxusbauten 
wurden aus den Erträgnissen der Salzpacht gezahlt und die Provveditori del 
sale erwuchsen so zu einer ständigen Kunst- und Baubehörde. In Florenz 
erfahren wir schon früh von ähnlichen Veranstaltungen. Seit 1285 wurde 
die Stadt erweitert, es wurden Kanäle, Mauern, Brücken, neue Plätze an- 
gelegt, und Arnoldo di Cambio begann an S. Croce und dem Baptiste- 
rium zu arbeiten, während zu gleicher Zeit der Grund zu dem neuen Dome 
S. Maria del Fiore gelegt, S. Maria Novella und S. Spirito, 1295 auch der 
Palazzo dei Signori begründet wurden. Die von Migliori publicirte, den Bau 
des Domes anordnende Pr0vvisi0ne ist vielleicht nur eine spätere Umarbeitung. 
Dass aber um jene Zeit schon eine städtische Bauverwaltung bestand, muss 
angesichts so umfassender Neubauten wol angenommen werden, und es wird 
uns bald darauf durch die Nachricht bestätigt, dass Dante im April 1301 mit 
einer Aufsicht in Bausachen beauftragt wird. Man darf unterstellen, dass 
seit dem 14. Jahrhundert in allen übrigen Republiken, wie Pisa, Sicna u. s. f., 
ähnliche Behörden bestanden. In Siena ist dies durch zahlreiche Beispiele 
bewiesen. Schon 1259 lesen wir von Berathungen des Grau Consiglio betreHs 
des Domchors, im selben Jahre tritt eine Neunercommission zur Begutachtung 
der am Domplatz nothwendigen Arbeiten auf, und von da ab wiederholen 
sich in den von Gaetano Milanesi herausgegebenen ,Docwnzenti' fast auf jeder 
Seite die Belege für die von den städtischen Behörden den Angelegenheiten 
der Kunst und der Künstler zugewandte amtliche Sorge. 
Neben, aber aus und mitten in diesen Republiken entwickelte sich die Die 
Tyrannis. Seit die kaiserliche Oberherrschaft nur mehr ein Name war,  
erhebt sich allenthalben die kühne, durch waghalsige Tapferkeit und politische 
Verschlagenhcit unterstützte Ruchlosigkeit, um die Freiheit der Communen 
zu confisciren: die Visconti in Mailand sind im Zeitalter Petrarcafs der eigent- 
liche Typus dieser Erscheinung. Das 15. Jahrhundert lässt von diesen kleinen 
Tyrannen viele verschwinden, die Condottieri als neue Anwärter von Gewalt- 
herrschaften emporkommen; die grossen Gewaltherrscher fangen an, mit dem 
Ausland Politik zu treiben und sich in die Welthandel einzumischen. Um 
eine solche Stellung zu gewinnen und festzuhalten, war eine vollendete Ge- 
wissenlosigkeit meist die erste und selbstverständliche Bedingung; aber sie 
reichte nicht hin ohne den Besitz grosser intellectueller und persönlicher 
Eigenschaften, welche den Tyrannen zum Gegenstand der Bewunderung, des 
Schreckens, nicht selten zum unentbehrlichen Berather und Herrn des Gemein- 
wesens machten. Das Beispiel der antiken Dictatoren und Herrscher, nament- 
lich das der Cäsaren, Ward seit dem Aufkommen des Humanismus ansteckend. 
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