Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892767
Einundzwanzigstes 
Buch. 
[äcennter 
thum. 
nelli, Botticelli, Ghirlandajo, Rosselli, berufen wurden. Unter Innocenz VIII 
entstanden das Belvedere und die Villa Magliana; Alexander VI, obgleich 
von der Politik verzehrt, fand immerhin Zeit, um das Mausoleum Hadrians 
zur Festung umzubauen und das Appartamento Borgia, welches in unsern 
Tagen Leo XIII seine Restauration verdankt, durch Pinturicchids unsterbliche 
Fresken zu zieren. Die Pontiiicate Iulius' II und Leo's X stellen den 
Höhepunkt des Renaissance-Papstthums dar; man darf kühnlich sagen: zugleich 
den Höhepunkt dessen, was königliche Einsicht und fürstliche Freigebigkeit 
jemals für die Kunst geleistet haben. Wir haben uns seiner Zeit mit der 
Schilderung dessen, was die drei grössten Genies der damaligen Künstlerwelt, 
Bramante, Michelangelo und Raffael, unter diesen Päpsten geschaffen haben, 
eingehend zu beschäftigen.  
Aber neben der Kirche treten jetzt neue Mächte als Mäcenaten der bil- 
denden Kunst auf den Plan. 
Zunächst beginnt seit dem 13. Jahrhundert sich die Idee des modernen 
Staates auszubilden. Die Regierung Friedrichs II, der diese Idee zuerst 
lebendig ergriffen, ist nicht mit Unrecht als der Prolog der Renaissance be- 
zeichnet worden. Der grosse Hohenstaufe ist, obgleich der Sohn eines 
deutschen Vaters, ganz Italiener, und obgleich das Kind des Jahrhunderts 
der Kreuzzüge, ein ganz moderner Mensch: der erste moderne Fürst, selbst 
Poet und Künstler. Von da ab beginnt der Staat als solcher dem Betrieb 
der bildenden Künste näher zu treten, wie das freilich schon Karl dem Grossen 
als eine Function und Verpflichtung desselben vorgeschwebt hatte (II, 1, S. 4). 
Man dachte sich aber das Verhältniss des Staates zur Kunst noch lange nicht 
so, dass es jenem obliege, Kunst zu lehren und zu diesem Zwecke Unterrichts- 
anstalten zu gründen oder Akademien zu unterhalten. So etwas hatten, 
wie wir gesehen, schon im Alterthum Constantin und Valentinian (334-337, 
375) versucht, ohne dass es gelungen wäre, der erlöschenden nationalen Kraft 
neues Leben einzuhauchen. Auch die moderne Akademie ist erst aufgetreten, 
seit die Schaffungskraft der Nationen verbraucht war und nichts mehr übrig 
blieb, als der talentirten Mittelmässigkeit Zuschnitt und Zucht zu geben. Die 
Schulen, welche einzelne Meister des Cinquecento, wie Lionardo in Mailand, 
um sich einrichteten, sind nicht mit diesen staatlichen Akademien auf gleiche 
Stufe zu stellen. Dass bei der Gründung der Accademia di S. Luca, welche 
Federigo Zuccari 1593 einweihte, wesentlich erziehliche Momente den Aus- 
schlag gaben, ist in der Stiftungsbulle Sixtus' V ausdrücklich betont 1. 
Nächst der Kirche kommt das Mäcenatenthum der Republiken 
und der Fürsten in Betracht. 
Das rasche Aufblühen der freien Städte führte zu Rivalitäten, welche, 
wie der Kampf zwischen Genua und Pisa, Venedig und Genua, ganze Jahr- 
hunderte ausfüllte. Schon Petrarca hatte eingesehen und geklagt, dass (ler 
Antagonismus zwischen den beiden grossen Seemächten Genua und Venedig 
nur dem Türken zu gute kommen werde, und in der That hat der innere Zwist 
der italienischen Freistaaten schliesslich zum Untergang der nationalen Frei- 
heit und zur Herrschaft des Fremden den Weg gebahnt. Aber für das Kunst- 
leben war diese Eifersucht der Städte ein unbedingter Vortheil. Die grossen 
Dome und die prachtvollen übrigen Kirchenbauten, die Staatspaläste und 
Rathhäuser der toscanischen und lombardischen Städte sind zum guten Theil 
JANITSCHEK 
dessen 
trefflichen Ausführungen 
wir hier 
gefolgt 
sind.
        

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