Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892750
Begriff, 
Natur 
constitutive 
Elemente 
der R1 
anaissance. 
sance hauptsächlich beseelt und angetrieben, wird sich kaum leugnen lassen; 
die Aeusserungen eines Iovius Pontanus (1518), schon früher die eines Niccolo 
Acciaiuoli (1356), eines Cosimo de Medici beweisen das. Die Florentiner 
wollten schon 1294 beim Neubau ihres Domes ein Werk hinstellen von 
solcher Pracht und Grösse, dass keine andere menschliche Schöpfung ihm 
zu vergleichen seil, und gewiss war es ein überschaumendes Gefühl von 
Grössenwahn, was die Sieneson bewog, einen Dom von so colossalen Ver- 
hältnissen zu planen, dass der jetzige nur als Querschiff desselben gedacht 
war: ein Unternehmen, zu dessen Durchführung ihnen freilich dann Musse 
und Mittel gebrachen. Gleichwol wird man zugeben müssen, dass der reine 
religiöse Gedanke für die Hervorbringung der Kunstwerke des 14. und 
15. Jahrhunderts fortwährend eine sehr grosse Rolle gespielt hat. Die Mehr- 
zahl der Meisterwerke der sienesischen und umbrischen Kunst darf kühn auf 
seine Herrschaft zurückgeführt werden; für die Schöpfungen der franciscanischen 
und dominicanischen Klosterkunst, wenn ihnen das Motiv der gegenseitigen 
Rivalität (wie bei S. Croce und S. Maria Novella in Florenz) nicht fehlt, 
wird man doch sicher in der Andacht und Frömmigkeit dieser Orden die 
Hauptquelle zu suchen haben; und wer vollends wollte der mystischen Malerei 
eines Lorenzo il Monaco und eines Fra Angelico ein anderes Motiv als das 
der tiefsten und aufrichtigsten Gottesfurcht und Gottesliebe unterstellen? 
Und neben dieses Devotionsinteresse tritt dann namentlich in den grossen, 
von dem Papstthum geführten und inspirirten Compositionen der vaticanischen 
Stanzen und der Sixtinischen Kapelle das nicht minder ideale Verlangen, der 
christlichen Welt in einem Cyklus von Darstellungen den Weg aufzuweisen, 
welchen die Menschheit vom Paradies und von dem Sündenfall bis zu Christus 
und von diesem bis zur Gegenwart genommen habe. Gerade diese Absicht 
hat die tiefsinnigsten Compositionen der christlichen Kunst erzeugt und Raffael 
und Michelangelo den Pinsel zu ihrer Ausführung in die Hand gedrückt. 
Wenn also, bis auf das Pontificat Iulius' Il, der religiös-kirchliche Ge- Einfluss des 
danke immerhin noch die mächtigsten Schöpfungen der Kunst bedingt hat,  
so soll das Eintreten anderer Gesichtspunkte damit nicht geleugnet werden. 
Aber auch da ist und bleibt die Kirche doch noch immer die vornehmste 
Auftraggeberin. Die aufsteigende Frührenaissance sah freilich das Papstthum 
nicht mehr in Rom; aber auch die avignonesischen Päpste beschäftigten in 
ihrem finstern Palast an der Rhone zahlreiche italienische Künstler. Zurück- 
gekehrt, hat das Papstthum mit Nikolaus V (144741455) sozusagen gleich 
die Führung der neuen Bewegung übernommen. Dieser Papst, dem wir die 
Anfange des jetzigen Vaticanischen Palastes und die eigentliche Begründung 
seiner Bibliotheken danken, trug sich mit den grossartigsten Bauplänen, welche 
auch den Neubau der Peterskirche umfassten. Im ganzen Kirchenstaat machte 
sich sein Einfluss nach der Richtung der Bauthätigkeit geltend, Wobei ihm 
ohne Zweifel der grösste Theoretiker der Zeit, Leone Battista Alberti, zur Seite ' 
stand. Enea Silvio schuf als Pius II seine Geburtsstätte Corsignano zu 
einer an Monumenten reichen Stadt (Pienza) um. Paul II häufte kostbare 
Sammlungen in dem von ihm gebauten, wenn auch nicht vollendeten Palazzo 
Venezia an. Unter Sixtus IV erhielt Rom eine durchgreifende Umgestal- 
tung. Er baute den Vatican weiter aus, schuf die nach ihm benannte Cappella 
Sistina, zu deren Ausschniückung die besten Maler der Zeit, Perugino, Signo- 
' VILLANI Cron. VIII 7. 
Kraus, Geschichte der christl.
        

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