Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892736
Begriff, 
Natur 
constitutive 
Elemente 
Renaissance. 
ist berühmter geworden als die Dichterin Vittoria Colonna (geb. 1490, 
gest. 1547), die Gemahlin des Siegers von Pavia, des Marchese di Pescara 
(gest. 1525), und die Freundin Michelangelds, vielmehr die Freundin alles 
dessen, was Italien an Genie und Tugend in den Tagen Pauls III noch besass 1. 
Fällt die Blütezeit dieser merkwürdigen Frauen vorwaltend in die erste 
Hälfte des 16. Jahrhunderts, so war doch auch schon das 15. Jahrhundert nicht 
arm an solchen Frauen, die in ihren zum Theil bürgerlichen und republicanischen 
Kreisen, wie Lucrezia Tornabuoni, Lorenzo's Gemahlin, geistige und künstlerische 
Anregung spendeten und vor allem in einer Epoche massloser Gährung, wo die 
Phantasie zu jeder Ausschweifung reizte, den Sinn für ein schönes Ebenmass 
aufrecht erhielten und der Männerwelt den Respect vor jenen unsichtbaren 
Mächten bewahrten, welche die Anlage der weiblichen Natur uns nahe bringt. 
So übten sie wirklich ein opus divimam aus, wie dies Jacopo Filippo de 
Bergamo über sein eigenes diesen Frauen gewidmetes Werk im Titel aus- 
sprachg: indem die Frauen mit den in der Bildung der Zeit gegebenen Hülfs- 
mitteln ihre eigene Bildung mehrten und vollendeten, brachten sie ein Element 
in die Entwicklung der Renaissancekunst hinein, welches sich in der Bewahrung 
von Tact, Anmuth und Masshaltung bis in die reifsten Schöpfungen des 
Cinquecento fühlbar macht. Es fehlte natürlich auch nicht an directen Be- 
ziehungen zwischen dieser Welt idealer Frauen und derjenigen der Künstler. 
Elisabetta Gonzaga, die Herrin von Urbino, bezeugt in ihren Briefen 
ihre Verehrung für Mantegna. Ihre Schwägerin, Francesco Maria della 
Rovere's Gemahlin, hat Raffael nach Florenz empfohlen und dabei ihre herz- 
liche Liebe zu den beiden Santi, Vater und Sohn, so wenig verhehlt wie 
Veronica Gambara den Antheil, welchen sie an der Person und dem Werk 
des Correggio nahm 3. Den idealsten Typus einer mit den Meistern der Lit- 
teratur und Kunst zusammenlebenden Fürstin stellt aber Isabella d'Este 
dar, welche, 1475 als Tochter der schon erwähnten Eleonora von Aragon 
und des Herzogs Ercole I von Ferrara geboren und 1490 mit dem Mark- 
grafen Giovan Francesco II von Mantua vermählt, selbst eine eifrige Samm- 
lerin von antiken Gemmen und Münzen, Broncen, Statuen und von werth- 
vollen Bildern der gleichzeitigen Maler und Bildhauer war. Sie verdiente 
es, von Cesare Borgia mit Michelangelds schlafendem Cupido beschenkt zu 
werden, den sie über jedes andere moderne Werk der Sculptur stellte. 
Unter den Schriftstellern der Zeit waren Bembo, Castiglione, Giovio, Tasso, 
Ariost ihre Freunde und Correspondenten, wie unter den Künstlern Giovan 
Bellini und Perugino; Veronica Gambara war ihre Freundin. Ihr Tod (1539) 
fällt zwei Jahre nach der Anwesenheit Vittoria Colonnafs am Hofe zu Fer- 
rara, wo sie am 19. Juni die Prinzessin Eleonora, die spätere Freundin Tor- 
quato Tassds, aus der Taufe hob, und in dieselbe Zeit, wo die Marchesa 
di Pescara jene berühmten, von Francesco d'Ollanda uns geschilderten 
Unterhaltungen mit Michelangelo, Lattanzio Tolomei und andern Gelehrten 
und Künstlern in dem Garten des Palazzo Colonna, hinter S. Silvestro di 
Monte Cavallo, piiog. 
1 A. v. Rmnuonm ViÜIOYiü Colonna. Freib. 
i. B. 1881.  KRAUS Essays I 281. Weitere 
Litim, auch betr. der Veronica Gambara, ebd. 
S. 298.  GASPARY Gesch. d. ital. Litt. {1498 f. 
2 Lw. PHIL. BERGAMENSIS De plurimis 
claris seloctisque mulieribus Opus prope divi- 
num novissime congestum. Ferrara. 1497. 
3 Man vergl. die Belege bei JANITSCHEK 
a. a. O. S. 65. 109, und GUHLS ,Kiinstlerbriefe' 
I 118, u. A.
        

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