Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892676
Begriff, Natur und constitutive 
Elemente 
Renaissance. 
Geschlecht seit den Tagen Dante's bis 
verklagt, hat es das Recht, diejenigen 
Wonne zu kosten unfähig sind. 
Zll 
Zll 
denen Raifaels durchlebt hat. Hart 
beklagen, die diese geistige Lenzes- 
Die künstlerische Erziehung der Phantasie, erregt und in Künst- 
allen ihren Aeusserungen gehoben durch das, was wir die Entdeckung des   
Menschen und der Natur genannt haben, gelangte zu ihrer völligen Ausbildung Phantasie- 
durch das gesellschaftliche Leben namentlich des 15. Jahrhunderts. durch die 
veränderte Stellung der Frau, durch den Einfluss des Mäcenatenthums. 
Aus diesen Verhältnissen ergab sich der Reichthum des dargebotenen Stoffes, 
der Antheil der Auftraggeber an der Entstehung des Kunstwerkes. Das alles 
bildete die Grundlage jener künstlerischen Erziehung, welche zu Ausgang des 
13. Jahrhunderts anhebt und bis tief in die Spätrenaissance sich fühlbar macht. 
Die Gesells chaft der Renaissance 1 kennzeichnet sich schon dadurch Die Gesell- 
und vor allem, dass sich in Italien weit früher als in den nordischen Staatenlffglfgiaflifh 
eine Annäherung der Stände vollzog. Das Ritterthum hatte hier nie jene Aus- 
bildung erlangt wie in Frankreich und Deutschland. Die Concentrirung der 
ganzen nationalen Kraft und ihre Repräsentanz durch eine allein über Boden- 
eigenthum und legislative Gewalt verfügende Aristokratie wie in England 
ward durch die frühe Entwicklung der communalen Freiheiten und das rasche 
Aufblühen der freien Städte verhindert. Hatte noch Kaiser Friedrich II 
nach Dante (Conv. IV zu Canzone 16) die gentilezza gleich (Intim ricchezza e 
be' costnmi gesetzt, so kam Dante's eigene, eine Zeitlang offenbar schwankende 
Ansicht zuletzt doch darauf hinaus, dass er Aristoteles, Cicero und Seneca 
folgend die nobilitas wesentlich auf die virtus gründete 2, worin ihm übrigens 
schon Brunetto Latini vorausgegangen war. Noch gründlicher räumen 
P og gio's und seiner Interlocutoren Gespräche3 mit dem Geburtsadel auf, 
indem sie keinen andern Adel mehr als den der persönlichen Leistung gelten 
lassen. Nicht zu unterschätzen ist hier der Einfluss der Kirche. Die demo- 
kratischen Principien, nach welchen der Klerus sich recrutirte, gestatteten 
auch dem niedrigst Geborenen das Aufsteigen in die höchsten Würden der 
Kirche. Gerade einige der bedeutendsten unter den Renaissance-Päpsten waren 
Söhne des Volkes. Tommaso Parentucelli (Nikolaus V) hatte einen kleinen 
Chirurgen aus Sarzana zum Vater und die Armut eines hungernden Schul- 
meisters zur Genossin seiner Jugend. Sein berühmter Zeitgenosse, der Car- 
dinal Nikolaus Cusanus, war das Kind eines armen Fischers an der Mosel, 
wie Francesco Rovere (Sixtus IV) der eines unbemittelten Schiffers aus der 
Nähe von Savona, und Felice Peretti (Sixtus V) hütete als Knabe die Schweine. 
Die grosse Zahl der Geistlichen und das starke Vorwiegen der sich haupt- 
sächlich aus den niedern Schichten der Bevölkerung ergänzenden Bettelorden 
bedingten, bei dem hohen Ansehen und dem unermesslichen Einfluss des Klerus, 
auf diese Weise an sich eine Ausgleichung der Standesunterschiede, welche 
dem Vordringen der Bildung und persönlicher Leistungsfähigkeit zu gute kam. 
Nur Neapel macht hier eine Ausnahme, indem die ziemlich unvermischte 
l BURCKHARDT a. a. O. II 87.  
a. a. O.  MÜNTZ l. c. I 1 s.  
in Allg. Ztg. 1892, Nr. 295 f. 
1. c. p. 84 s. 
 J ANITSCI-IEK 
SCHULTHEISS 
 GEBHART 
88 
ed. 
2 Vgl. darüber BURCKHARDT a. a. O. II 
f. und Kmws Dante S. 693 Anm. 
5 Poemo Dial. de Nobilitate, in Opp. 
Argent. 1513, p. 25.
        

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