Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1895467
Buch. 
Zweiundzwaznzigstes 
Sohn Cosimo führte seit 1429 die Partei, welche die Macht der Albizzi nieder- 
zuwerfen unternahm: sein Sieg war hart bestritten, denn 1488 warfen ihn 
seine Gegner ins Gefangniss, er ging a.ls Verbannter nach Venedig und Padua, 
um bald von dem Volk zurückgerufen zu werden (1434, September). Das Concil 
von Florenz 1439 trug seinen Ruhm durch ganz Europa. Das war die Zeit, 
wo er als Protector aller auf Kunst und Wissenschaft ausgehenden Be- 
strebungen auftreten konnte. Wir haben von der Gründung der platonischen 
Akademie, dem Emporkommen der platonischen Philosophie, von Marsiglio 
Ficino, Pico della Mirandola, Poliziano gesprochen, welche in der nun folgenden 
Generation der Nachkommenschaft Cosimo's als Hausfreunde zur Seite standen. 
Cosimo selbst beschäftigte aus der Kunstwelt Brunelleschi, Michelozzo, der 
ihm den Palazzo Riccardi, von da ab Sitz des Hauses, schuf, Donatello, Masaccio, 
Lippi. Was er gesündigt, suchte er durch Gründung von S. Marco zu sühnen, 
das er durch Fra Angelico ausmalen liess und dessen kostbare Bibliothek er 
Lorenzoil stiftete. Sein Enkel Lorenzo il Magnifico (geb. 1449, 1. Januar) setzte 
Magmüco" Herrschaft und Mäcenatenthum des Grossvaters in noch grösserm Stile fort. Die 
von ihm in seinem Garten bei S. Marco und dem benachbarten Casino an- 
gelegte Sammlung von Antiken entwickelte sich zur Schule für die kommende 
Generation von Künstlern, Michelangelo und Ghirlandajo vorab. Leider war 
in dem kurzen Leben dieses wunderbar begabten Mannes (gest. 1492, 8. April, 
in Villa Careggi) nicht bloss, wie sein deutscher Biograph, A. v. Reumont, 
sagt, eine Fülle von Sorge und Freude, von Mühen und Genuss, von Sinnen 
und Schaffen, von Poesie und Realismus, sondern auch eine gefährliche Mischung 
von Schlimmem und Gutem zusammengedrängt. Schon in den Tagen Cosimds 
hatte sich die paganistisch-naturalistische Richtung unter den Humanisten 
Natumlisti- breit gemacht. Poggio hatte seinen ,Liber facetiarum' geschrieben und sein 
 Freund Antonio Beccadelli (il Panormitano) die Welt mit seinem ,Herma- 
sehe Aus- phroditus' seandalisirt, der Cosimo gewidmet war und den doch selbst Lorenzo 
 Valla für allzu indecent fand. Unter Lorenzo drängten sich die ,heiteren Sünden' 
immer zügelloser an die Oberfläche, und der Magnilico selbst hat durch seine 
Theilnahme an ausgelassenen Gesellschaften und seine eigenen leichtfertigen 
Lieder des Anstosses genug gegeben. Das Treiben der Courtisanen nahm hier 
wie in Venedig, Rom, Neapel nie gesehenen Umfang an, und noch schlimmere 
Dinge grassirten in ganz Italien. Inceste befleckten eine Reihe von Fürstenhöfen 
und das griechische Laster griff schon zu Anfang des 15. Jahrhunderts so un- 
gescheut um sich, dass Prediger wie Bernardino von Siena, Gabriel Barletta 
offen dagegen auftraten. Ariosto behauptet, fast alle Humanisten seien von ihm 
befleckt gewesen. An der Ueppigkeit wie an dem Sinnentaumel hatte der Klerus 
sein reichlich Antheil; was Mönche und Nonnen versündigten, hatte schon Boc- 
caccio gegeisselt; jetzt lieferten die höchsten Stände der Christenheit selbst 
die betrübendsten Commentare zur Geschichte mensehlischer Schwachheit 1. 
Dass der Betrieb der bildenden Kunst von diesen Auswüchsen einer mit 
den Grundprincipien des Christenthums in so grossem Widerspruch stehenden 
Weltauffassung und Lebensführung ergriffen werden musste, liegt auf der Hand. 
Die Einführung weltlicher Porträts in die heiligen Darstellungen, wie sie uns 
bei Filippo Lippi (Lucrezia Buti als Madonna  Benozzo Gozzoli, Ghirlandzrjo 
(Chor von S. Maria Novella) begegnet, war im Grunde nicht so schlimm ge- 
1 Vgl. jetzt für alle diese Dinge ausser 
BURCKHARDT, GREGOROVIUS, REUMONT bes. 
PASTOB. 
147 f. 
Geschichte 
der 
Päpste 
128
        

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