Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1895450
italienische BH-ührenaissance. 
nicht gelebt. Es wäre wunderbar gewesen, wenn das Gewissen eines christ- 
lichen Volkes gegen diese Excesse sich nicht irgendwie erhoben hätte. 
Florenz ist der Punkt, wo die Gegensätze zusammenstiessen und ihr Zu- 
sammenstoss auch für die Geschichte der Kunst von Bedeutung werden sollte. 
Schon weit lagen die Zeiten zurück, wo Dante die Blumenstadt am Arno 
,noch rein geschaut im letzten Handwerksmanneß auch wo ,im alten Mauer- 
kreise Florenz friedfertig, massig war und schamhafti Die Einwanderung 
zahlreicher Fremden, besonders Neapolitaner und Franzosen, kam der guten 
Sitte nicht zu statten; der Hof des Herzogs von Calabrien und seiner Ge- 
mahlin Maria von Valois (1326) und derjenige des Herzogs von Athen führten 
eine Ueppigkeit ein, gegen welche wiederholte Luxusgesetze sich fruchtlos 
erwiesen. Der schwarze Tod 1347-1348 hat in den grossen Massen eher 
Verwilderung gestiftet, als zur Besinnung geführt; Boccaccids ,Deca1nerone', 
welches an dieses grauenhafte Ereigniss anknüpft, gibt keine günstige Vor- 
stellung von der Stimmung, welche es in der Florentiner Gesellschaft hervor- 
rief. Immerhin darf man auch hier nicht zu schwarz sehen. Bis zu den 
Zeiten Cosimois des Pater Patriae bewahrte sich Florenz doch noch den besten 
Theil seiner alten Ueberlieferungen. Im Vergleich zu den Neapolitanern und 
Römern waren seine Bürger arbeitsam und haushälterisch; sie waren gewohnt, 
auch über das Kleinste Rechnung zu führen, und es fehlte ihnen darum das 
Nöthige nicht. Kein Fremder machte bei ihnen Geschäfte, aber Florentiner 
trieben Handel und Gewerbe in allen Hauptstädten Italiens, und weit darüber 
hinaus hielten sie ihre Banken in den Niederlanden. Die Kaufleute waren 
Staatsmänner und die Staatsmänner kehrten von ihren Aemtern und Gesandt- 
schaften an ihren Tisch zurück, um zu kaufen und zu verkaufen. Der kleine 
Bürger schmückte sein Heim, so gut es ging, mit einem Bilde oder einer 
Terracotta; der aufstrebende Grosse war ungeduldig, sich als Kunstmäcen zu 
erweisen. Herman Grimm hat eine prächtige Parallele zwischen Florenz und 
Athen gezogen: mit Recht; denn von beiden Gemeinwesen lässt sich wie von 
keinem andern der Welt sagen, dass sich ihre Bewohner, dieser Bienenkorb 
von Menschen, so als eine Familie überall da empfanden, wo es galt, ein neu 
entstandenes Kunstwerk zu begrüssen, an einer frischen Dichtung sich zu 
entzücken, die verkörperte Schönheit in einem liebenswürdigen Wesen zu 
feiern. Wo die schöne Simonetta starb, bricht ganz Florenz in Thränen aus, 
Alle folgen ihrem Trauerzug, und der Principe selbst, Lorenzo il Magniiico, 
beklagt ihren Tod in einem berühmt gewordenen Sonett. 
Die Herrschaft der Medici gab dem Florenz des 15. Jahrhunderts seine 
Signatur. Die ersten Spuren des Geschlechtes verlieren sich ins 12. Jahr- 
hundert, wo es schon dem alten historischen Adel angehört; seine ursprüng- 
liche Wohnung lag in der Mitte der Stadt, am Mercato Vecchio, wo es seit 
Jahrhunderten das Patronat über die kleine, nun leider verschwundene Kirche 
S. Tommaso ausübte. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wählten 
die Medici ihren Hauptwohnsitz in der Nähe von S. Lorenzo. Averardo Bicci 
hatte den Grund zu dem spätern Wohlstand gelegt (1314); der Glanz des 
Hauses beginnt mit seinem gleichnamigen Enkel (1357) und dem Urenkel Giovanni 
Bicci (ca. 1360). Glückliche Speculationen, wie diejenigen, welche mit dem 
Constanzer Concil zusammenhingen, hoben den Reichthum der mediceischen 
Bank rasch empor. Giovanni Bicci konnte in seinem Testament den Seinigen 
eine Hausregel hinterlassen, welche das Geheimniss ihrer Hausmacht und ihres 
langsamen, aber sichern Emporsteigens zur höchsten Gewalt beschloss. Sein 
18'" 
Die 
Medici.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.