Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1895294
italienische Frührenaissance. 
Es ist mehrfach die Ansicht aufgestellt werden, dass ein gutes, ja das Aegeälißher 
     Antheil Be- 
beste Stuck an diesen Fresken nicht Fra Angehco, sondern Benozzo angehore.  
Diese Meinung kann jetzt als endgültig beseitigt erachtet werden. Benozzds 
mittelmässige Begabung hat nie etwas Selbständiges geleistet, was mit den 
Fresken der Nikolauskapelle verglichen werden kann; waren letztere in der 
Hauptsache sein Werk, so müsste man sich zu der ganz unnatürlichen und 
unerklärbaren Annahme bekennen, dass Benozzo als junger Mann Werke ge- 
schaHen, zu deren Höhe sich keine seiner späteren Leistungen mehr erheben 
konnte. Für Fiesole liegen die Dinge im Gegentheil so, dass, so wie wir 
seine ganze Entwicklung jetzt zu übersehen im Stande sind, dieselbe einen 
stetigen und organischen, der allgemeinen Entwicklung der gleichzeitigen Kunst 
entsprechenden Fortschritt aufweist. So stellt sich Fiesole's Thätigkeit in 
Rom als würdiger Abschluss und Höhepunkt seines künstlerischen Daseins 
dar. Sie zeigt uns den Künstler bis in seine letzten Tage bedacht, immer 
voranzuschreiten, immer zu lernen, sich immer weiter zu vertiefen und ans- 
zubilden. Mit Raffael und Lionardo theilt Fra Angelico diesen tief ethischen 
Vorzug, das Streben nach immer grösserer, innerer und technischer Vollendung, 
die ununterbrochene, bis zum letzten Athemzug sich bewährende Arbeit an 
sich selbst. Man kann nicht ohne die tiefste Verehrung von einem solchen 
Künstler scheiden. 
XII. 
toscanisch-umbrische 
und 
umbrische 
Schule. 
Die Kunst der Primitiven mündet in die Hoehrenaissance durch das 
Medium der umbrischen und der zwischen diese und die liorentinische sich 
einsehaltenden toseanisch-umbrisehen Schule. 
In Arezzo lässt Vasari einen vielseitigen Künstler wirken, der, in Florenz 
geboren, als Abt von S. Clemeilte d'Arezzo Baukunst und Malerei geübt haben 
soll: Bartolommeo della Gatta (1408  dessen Existenz Milanesi Gattin. 
bestritten hat, den aber gleichwol Müntz zu retten unternimmt und dem 
er u. a. den hl. Rochus im Museum zu Arezzo und die Krönung der Jung- 
frau in S. Domenico daselbst zuschreibt 1. Für die nördlichen Städte mass- 
gebend wurde aber erst der Einfluss des in Borgo S. Sepolcro geborenen 
Piero della Franccsca (ca. 1420-1492), der, frühzeitig mit Domenico Piero della 
Veneziano bekannt, die von ihm wol erlernte Oelfarbentechnik vervollkommnete Fmmcescm. 
und sich zu dem ersten Kenner der Anatomie, der Luft- und Linienperslaeetive, 
über die er auch schrieb 2, heranbildete. Sein Hauptwerk ist der bedeutsame 
Cyklus mit der Legende des heiligen Kreuzes, den er in S. Francesco zu Arezzo 
schuf (seit 1451) und wo er u. a. seine Virtuosität in den Liehteffecten in der 
Erscheinung des Engels vor Constantin erwies. Um 1469 nach Urbino an den 
Hof des Herzogs Federigo berufen, widmete er sich vorwaltend der Oelmalerei 
(miniaturartige Tafelbilder in den Uffizien, Urbino u. s.  Einen ent- 
scheidenden Einliuss hat, weit mehr noch als Mantegna, Piero auf einen 
Künstler geübt, dessen grosse Stellung in der Kunstgeschichte auch erst in 
neuester Zeit zur Anerkennung gelangte 3. Melozzo degli Ambrosi war Meltlozzo da. 
OF l. 
1 VASARI III 213 f.  MILANESI ebd. 
p. 227.  MÜNTZ Renaiss. II 690 s. 
2 Vgl. über die drßi Bücher von der Per- 
spective Kunstchron. XIII 670. 
3 VASARI III 51.  (REGGIANI) Alc. Mem. 
etc. Forli 1834.  MELCHIORRI Notizie etc. 
Roma 1834.  Cnown und CAVALCASELLE 
III 326.  E. MÜNTZ Les Peintures de Melozzo 
17'"
        

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