Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1895263
undzwanzigstes 
Buch. 
liehes. Indem der Frate jedem seiner Brüder eine duftende Blüte dieser 
heiligen Poesie in die stille Zelle hinein dichtete, sprach er die verborgene 
Herrlichkeit und Süssigkeit des Klosterlebens aus. Sein Pinsel lässt die aus 
allen Ländern und Gegenden hier zusammenströmenden Weltkinder ahnen, 
welch unsagbarer Zauber über der Stelle des von Gott begnadeten, von seinem 
Geiste erfüllten Klosterlebens liegt und in Welchem Paradies seliger Gefühle 
das ihm hingegebene Gemüth schon hier auf Erden zu leben berufen ist. 
WVir haben gesehen, wie Papst Engen IV (nicht, wie Vasari angibt, Ni- 
kolaus V) schon 1445 Fra Angelico nach Rom berief und ihn in der Sacra- 
 mentskapelle jene Fresken aus dem Leben Jesu 
b,  A_   mit der Kreuzigung herstellen liess, deren Ver- 
        lust mit dem Abbruch der Kapelle unter Paul III 
       Wir zu beklagen haben. Schon in dieser Folge 
j  v"    1   hatte der Künstler dem Geist der Zeiten ein 
   r    starkes Zugestandniss gemacht, indem er, gewiss 
Ä;       auf speciellen Wunsch des Papstes, unter den 
   45,; F; am Fusse des Kreuzes Versammelten die Por- 
yf,      träits Nikolaus' V (der inzwischen, am 6. März 
 "   Q"  .i  1447, die Tiara erhalten hatte), Kaiser Fried- 
      richs III, des Erzbischofs Antonin von Florenz, 
 P     {i Ferdinands von Aragon und des Geschichtschrei- 
      5h bers Biondo da Forli anbrachte. Von dem, was 
     Fra Angelico inzwischen zu Orvieto zu malen 
       unternahm (im Sommer 1447), hat er nur ein 
        Stück des Weltgerichts, Christus und die Pro- 
 i,     pheten, hinterlassen. Den Christus fand Rosini 
 f Ü     für Fiesole zu schwach, so dass er ihn Benozzo 
  .1.    3 1' zuweisen wollte. Indessen wird Supino Recht 
iÄi  l,    behalten, wenn er es für unwahrscheinlich hält, 
       dass der Meister die Ausführung der Hauptperson 
     i, i, iI  seinem Schüler überliess, und wenn er anderseits 
     auf die gänzliche Unbedeutsamkeit des Benozzo'- 
   f,   ijif? sehen Christustyps in S. Francesco zu Montefaleo 
    hinweist. Wir bemerkten schon, dass Fiesole's 
     Weltenrichter nicht genügend ist. Um so er- 
 m  Y   freulicher ist der Chor höchst würdevoller und 
   heiliger Greise, den wir hier als Patriarchen 
i i Fm Angelico S Bnntm geschildert sehen; man kann sich keine eht- 
"Kaplan Nikolaus, xi in, vaticm  würdigere Versammlung vorstellen. Am 28. Sep- 
tember 1447 kehrte Fiesole nach Rom zurück, 
um die Aufträge Nikolaus V auszuführen, über deren Bezahlung uns die 
von Müntz benutzten Rechnungen des päpstlichen Schatzes bis 1449 Bericht 
geben. Wie hoch man Fiesole schätzte, geht daraus hervor, dass man 
ihm das für damalige Zeiten sehr hohe Honorar von 200 Ducaten in Gold 
zahlte, während z. B. der Baumeister von S. Pietro, Bernardo Rossellino, nur 
180 Ducaten jährlichen Gehaltes empüng. Nikolaus V liess sich sein Studio 
jetzt künstlerisch ausstatten. Fra Antonio da Viterbo übernahm die plastischen 
Arbeiten, Fra Giovanni von Rom die Glasgemälde, Fra Angelico hatte die 
Legende des hl. Stephan und des hl. Nikolaus nebst den vier Evangelisten 
und den vier grossen Kirchenlehrern zu malen. In diese Arbeiten hinein fallt
        

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