Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1895195
italienische 
Früh] 
renaissance. 
Tafelinalerei gelebt, so sieht er sich hier sozusagen aussehliesslich auf die 
Wandmalerei angewiesen. Schon dadurch war bedingt, das sein Stil monumen- 
taler, sein Vortrag breiter und dramatischer wird. Auch jetzt überwindet er 
in dem Landschaftlichen und Architektenischen nicht den Mangel eines aus- 
reichenden Gefühles und liebevoller Beobachtung der uns umgebenden Natur 1. 
Aber seine Gestalten sind jetzt weniger conventienell, ihre Bewegungen flotter, 
der Ausdruck lebendiger. In die unmittelbare Nithe der Masaccie, Gliiberti, 
Donatelle gesetzt, kann selbst dieser stille Klesterbruder nicht umhin, sich 
von dem gressen Strom des künstlerischen Fortschrittes fertreisseii zu lassen. 
Man tritt durch den Chiestre di S. Antonine in das Kloster ein; über 
dem Eingang der ehemaligen Pilgerherberge begrüsst uns der Meister mit 
jenem wunderbaren Bilde, wo der Heiland als Pilger von zwei Prediger- 
niönehen empfangen wird (Fig. 114). Der Gedanke der Gastfreundschaft, die in dem 
Kloster gewährt wird, ist niemals schöner ausgeprägt werden. Man darf 
nicht bei dem Erweise 
  der körperlichen Wohl- 
J   that stehen bleiben. Un- 
    ser lieben, dies axilizzm 
   f  ä cordzs, ist, wie es Dante 
 .91.  Yirjzggi)  von dem seinen gesagt 
ß W .ß   (Conv. I 3), das eines 
1   i:    peregrino, der (jirasi men- 
ggf"   '  dicando dahin zieht, um 
    j  für den müden Geist 
 k,  R   i {w  (Vavninlzo stanco) ltuhe zu 
         linden. Tausenden von 
   i'-    i   uns ist die stille Kloster- 
 E ;   zelle der Hafen gewer- 
 3,! mzgggg". , den, wo ihr Sehifflein 
    "Kill; i_ nach stürmischer Fahrt 
    Anker geworfen: die 
Fig. 114. Fra. Aiigelico, Christus als Pilger. S. Marco zu Florenz.    
(Plm AÜUML) zwei Mönche laden, wie 
einst die Jünger von 
Emniaus, den erinatteten Wanderer, der ihnen Christus darstellt, ein, bei ihnen 
einzukehren: ,mane izobiscizm, quoniezm, adveslwwzscit et inclinata est iam (lies! 
(Lue. 24, 29). So haben wir das Anerbieten der höhern, geistigen Hospitalität, 
welches die Genossenschaft an den Fremden richtet: es ist wie eine Illustration 
der Worte, die der Verfasser der Nachfolge Christi wenige Jahre vorher nieder- 
geschrieben hatte: ,N0n habrs hie manentciri civitaieziz, et zebiciznzqzze fueris, 
extranezes es et peregrinus, mc requienz aliquando habebis, nisi Christo intime 
fueris zwzitzls" (II 1, 3). Es ist wie eine Antwort auf die Einladung, wenn 
wir an der linken Ecke des folgenden Corridors S. Dominicus vor dem Ge- 
kreuzigteu zusammengesunken und mit tiefster Innigkeit den Fuss des Kreuzes 
umfassen sehen (Fig. 115), von welchem herab ein unsagbar erbarmungs- 
voller Blick des Erlösers dem Auge des gressen Ordensstifters begegnet. 
Dieser Austausch der Empfindung sagt, was Doniinicus mit seiner Stiftung 
für die Seele der Menschheit gethan hat. Die Lunetten  S. Deminicus mit 
der neunschwanzigen Disciplin, S. Petrus Martyr den Finger an den Mund 
Zeitschr 
Loums 
Kunst
        

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