Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1895148
Zweiundzwanzigstes 
Die in der Accademia aufgestellte Galleria antica e moderna umsehliesst 
ausserdem eine Reihe von Schöpfungen unseres Künstlers, welche ihr hoch- 
verdienter jetziger Conservatcr, Supino, in einem eigenen Capitel seines Werkes 
(p. 129 sg.) zusammengefasst hat. Da ist vor allem zu nennen die Kreuz- 
abnahme (Fig. 113), ehemals in S. Trinita, in Welcher die in den gothisehen 
Giebeln angebrachten kleinen Scenen von Lorenzo il Monaco gemalt sind. 
Schon dieser Umstand, dann das starke Anklingen an die Arbeiten Masolinds 
und Masacciois, auch die Wahl der gothischen Umrahmung zwingen scheinbar, 
die Entstehung des Bildes möglichst früh, noch vor 142.5, zu setzen 1. Der 
landsehaftlich-architektonische Hintergrund ist reicher, als es sonst bei Fiesole 
zu sein pflegt, aber die Perspective noch durchweg sehr mangelhaft. In der 
Behandlung des Fleisches ist ein gewisses naturalistisches Streben erkennbar; 
der Frohnleichnam, der den Mittelpunkt der Composition einnimmt, ist von 
grossartigster, edelster Hoheit. Die Grablegung, welche Fiesole für die Con- 
fraternita del Tempio malte, hat meines Erachtens keineswegs, wie Rio will, das 
nämliche ausgesprochene Pathos; es sind Anklänge vorhanden, aber ich finde 
das Bild sehr viel schwacher. Wieviel köstlicher sind die kleinen Holz- 
täfelchen von dem Silberschrein der Nunziata, deren Entstehung mit Rück- 
sicht auf das Patronat Cosimes über den Altar der Verkündigung 1448 von 
Supino um 1450 gesetzt wird! Die baldige Abreise des Künstlers nach Rom 
wird erklären, dass die Tafeln von einer andern Hand vollendet wurden. Sie 
scheinen Supino hier und da schwächer als andere gleichzeitige Productionen 
in S. Marco. Ich möchte dieser Beurteilung nicht beitreten. Die kleine 
Krönung der Jungfrau, Judas seinen Lohn empfangend, die Auferstehung 
des Lazarus und namentlich die Grablegung Christi sind wenigstens wahre 
Juwelen, wogegen man freilich die dem Genius des Meisters nicht zusagende 
Scene des Kindermordes preisgeben kann. lkonographisch höchst seltsam und 
eines nähern Studiums werth ist die Rota, welche sich an die Vision Ezeehiels 
anschliesst. 
Zwei andere Werke, die Madonna mit Kind zwischen sechs Heiligen und 
die Madonna mit Kind zwischen zwei Engeln und sechs Heiligen (darunter 
Franeiscus und Antonius), stammen aus dem Dominicanerkloster S. Vincenzo 
d'Annalena (wol Geschenk der Anna Elena Malatesta) und dem der Fratelli 
dell' osservanza bei Mugello (Supino p. 147. 189). Rio wollte sie nach den 
vaticanischen Fresken setzen, doch ist Supino mit entscheidenden Gründen 
für eine frühere Entstehung eingetreten. Darauf führt der unreifere Charakter 
beider Bilder, von denen immerhin das der Observanten durch Schärfe und 
Bedeutung der Charakteristik einen hervorragenden Platz beanspruchen kann, 
wenn ihm auch das fehlt, was gerade der Vorzug der für Nikolaus V aus- 
geführten Fresken ist. 
Wir kehren zu S. Marco zurück, das immer die wahre Heimat dieses 
begnadeten Meisters bleiben Wird. Hatte Fra Angelico bisher mehr der 
Weltger. bis auf Michelangelo (BerI. 1 883) 
S. 50 f.  Cnowß u. CAVALCASELLE II 162. 
' Wobei das Todesjahr des Lorenz01425 
vorausgesetzt (MILANESI zu VASARI I.[ 21) 
wird. Aber diese von Bmssm. S. 16 ohne 
weiteres befolgte Annahme ist nicht über 
allen Zweifel erhaben. Man darf auch die 
lüagc aufwerfen, ob Milanesfs Beweisführung 
für die Autorschaft des Lorenzo an den drei 
Giebelstücken durchschlagend sei (vgl. MILA- 
NESI a. a. O. S. 28. 513; De1's., Saggio 
intorno aLeonardo da Vinci del Sign. Deläclago, 
Siena 1844). SUPINO p. 141 setzt den Deposto 
di croce nach 1439.
        

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