Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1895049
Zweiundzwanzigstes 
Buch. 
Seine 
frühesten 
Werk e. 
In diesen Worten, die Vasari sicher nicht aus den Fingern gesogen hat, 
sondern älterer Ueberlieferung verdankte, ist das Wesen und die sittlich- 
religiöse Grundlage von Fiesole's Malweise nicht ungeschickt wiedergegeben]. 
Sie können als ein Document dafür in Anspruch genommen werden, dass das 
Urteil über die Quelle der künstlerischen Inspiration sich selbst in der Mitte 
des 16. Jahrhunderts noch nicht völlig verloren hatte. 
Die Versuche, Fiesole's frühere Werke chronologisch zu ordnen, haben 
bis jetzt keinen durchschlagenden Erfolg gehabt. Während die Einen (so der 
Cicerone 7. Aufl.) die thronende Jungfrau in S. Domenico in Cortona mit der 
Klage unter dem Kreuz und der Verkündigung als früheste nachweisbare 
Arbeit des Künstlers betrachten, stellen Andere (M. Wingenroth) in Abrede, 
dass der Cortoneser Periode irgend ein Werk mit Sicherheit zuzuschreiben sei. 
Dem Fiesolaner Aufenthalt werden schliesslich trotz seiner langen Dauer 
nur die Reliquiarien von S. Marco (vor 1430) zugewiesen, allenfalls auch die 
drei für S. Domenico gemalten Bilder (die Tafel des Hochaltars, die Ver- 
kündigung in Madrid und die Krönung des Louvre). Das grosse Tabernakel 
der Linaiuoli von 1433 in den Uffizien, die Madonnen der Annalena Malatesta 
(Akademie), von Cortona und Perugia (Pinakothek) würden gleichfalls in die 
Fiesolaner Zeit fallen; nach der Uebersiedlung nach Florenz wären das Altar- 
bild von S. Marco, 1438, das Fresco der Madonna mit Heiligen im Corridor 
von S. Marco und die Madonna der Frati al Bosco di Mugello (vielleicht erst 
um 1450  entstanden. Es sind wesentlich stilkritische Erwägungen, welche 
zu dieser Aufstellung, wie sie Wingenroth jüngst gegeben, führen. Wie 
unsicher diese Kriterien indessen sind, geht schon aus dem Umstand hervor, 
dass, ebenfalls aus stilkritischen Gesichtspunkten, Supino zu ganz entgegen- 
gesetzten Ergebnissen gelangte. 
Lassen wir diese Erörterungen beiseite, so wird zunächst das Wichtigste 
aus den vor die Uebersiedlung nach Florenz fallenden Werken zu nennen 
sein. Das Triptychon von S. Domenico in Cortona steht im ersten Vorder- 
grund: die heilige Jungfrau zwischen Heiligen thronend, darunter die Nunziata, 
die sich vor allen andern Darstellungen des Sujets durch Fra Angelico aus- 
zeichnet durch die ausserordentliche Frische und Erregtheit der beiden Figuren, 
namentlich des Erzengels, der in herrlichem Gewande mit seinen prächtig 
vergoldeten Flügeln eilig und höchst aufgeregt in die von rundbogigen Arkaden 
getragene Halle hereindringt, mit der Rechten auf die am Fenster sitzende, 
die Hände über der Brust faltende Madonna weist, mit der Linken nach 
oben zeigt, wo das Bild des himmlischen Vaters in einem Medaillen erscheint. 
Im Hintergründe links sieht man den Engel, der unsere wehklagenden Stamm- 
eltern aus dem Paradiese hinaustreibt. Es liegt ein Zug dantesker Grösse 
über dieser Zusammenstellung. 
Die Frage, ob und inwieweit Fra Angelico durch Dante beeinflusst wurde, 
ist verschieden beantwortet worden. P. Marchese führt namentlich die Ver- 
kündigungsbilder auf danteske Einflüsse zurück (Parad. XXXII 94), die er auch 
1 Der P. Tnuowno BOTTONIO (Ann. mss. 
II 301, zum Jahr 1555, abgedr. bei Mzmonnsn 
1 232) erzählt, dass der 1496 durch Fm 
Girolmno Savonarola. in den Orden auf- 
genommene Miniatol- Fra Eustachio, welcher 
83 Jahre alt am 25. Sept. 1555 starb, der 
eigentliche Gowiihrsmann Vasarfs für die 
Kunstgeschichte von S. Marco war: ,qua.ndo 
il Vasari scrisso 1a prima, volta le Vite de' 
Pittori, veniva spesso a ragionare con questo 
vecchio, dal quale cavö molti e bGHiSSilhi 
particolari di quegli antichi et illustri artefici." 
Auch Marchese nimmt an, dass Vasari dem 
Fra. Eustnchio verpfiichtet War (l. 
        

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