Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1895012
italienische 
Frührenaissance. 
Kapitelsaal. Auch der Schmerzensmann zeigt Analogien. Verwandte Werke 
sind die Missalien V und VI. Von dieser Buchmalerei liegen die 35 kleinen 
Tafelbilder der Akademie nicht weit ab 1. 
Man hat sich natürlich gefragt, welche Vorgänger Fra Angelieo gehabt 
hat, die seine nnystisehe Richtung bestimmt haben könnten, und man führt 
als einen solchen vor Allen Lorenzo il Monaco an. Dieser florentinische Lorenw il 
Camaldulensermönch ist, obgleich älter als Jener, doch zuweilen sein Gehülfe  
gewesen, wie aller Wahrscheinlichkeit nach auch Andrea da Firenze, sein 
Schüler, dessen Hauptwerk, die Assunta in S. Margareta zu Cortona, seinen 
Namen mit dem Datum 1437 trägt und dem sicher manche schwächere, unter 
dem Namen Fiesoleis gehende Bilder zuzuschreiben sind. Lorenzo nennt sich 
nur auf dem Altarwerk mit der Krönung der Jungfrau in der Abteikirche zu 
Ceretto bei Certaldo (1413); sein frühestes Bild (in Empoli) ist 1404 datirt, 
so dass seine Geburt WOl um 1370 anzusetzen sein wird. Seiner Gesammt- 
richtung nach zählte dieser Möneh zu den letzten Ausläufern der Giottesken- 
Schule; er muss ein Schüler Agnolo Gaddiis gewesen sein, auch zeigt sein Stil 
Verwandtschaft mit demjenigen Aretino Spinellfs. Alle Diese übertrifft er an 
religiöser Empfindung. Eine gute Vorstellung seiner Art geben die Verkündigung 
in der Akademie zu Florenz und die Anbetung in den Ufüzien (I. Corr. Nr. 39), 
auf deren ersterer die erschrockene Haltung Marias von Vasari gelobt wird; 
mehr noch das Altarwerk aus Certaldo, welches sich jetzt (seit 1876) in der 
Sala des Lorenzo Monaco in den Uffizien befindet. Die Charaktere sind ernst 
und würdevoll, in giotteskem Stile geschildert; die Figuren lang, mit eigen- 
thümlich gebeugter Haltung, das Colorit heiter und harmonisch, die Tinten 
ineinander verschmolzen. Die Predellen erinnern an Traini und clireeter an 
Fiesolo. Der Faltenwurf und die Behandlung der Augen verrathen sienesische 
Einflüsse, die ganze Kunst dieses Meisters erinnert an die Miniaturen, aus 
denen sie hervorgegangen ist. 
Das Dominicanerkloster in Fiesole, 1406 durch Beato Giovanni Dominici2 
gegründet, wurde infolge der auf dem Concil zu Pisa vorgenommenen Wahl 
des Papstes Alexander V in die Streitigkeiten der damaligen Zeit hinein- 
gezogen, indem die Mönche entgegen dem Bischof und selbst ihrem eigenen 
General an der Obedienz Gregors XII festhielten. Sie mussten ihren Convent 
verlassen und wanderten nach Bologna aus und gingen, von der Pest ver- 
trieben, fünf Jahre später nach Cortona; erst 1418 konnten sie von da 
nach Fiesole zurückkehren, wo unser Künstler über 18 Jahre verblieb. Im 
Jahre 1436 überwies Cosimo de, Medici das im 13. Jahrhundert gegründete, 
bis Anfang des 15. Jahrhunderts den Silvestriner Mönehen3 gehörige Kloster 
S. Marco den Dominicanern von Fiesole, welche sofort davon Besitz ergriffen. 
1 Schon RUMOHR (II 253) hat eines der der Dominicaner von S.D01nenic0 und S.Marco 
Choralbücher von S. Marco nach einem aus im 15. Jahrhundert wichtige Persönlichkeit 
demselben entnommenen Blatt auf Fra An- siehe RICHA 1. c. VII 118 und MARCHESE Me- 
gelico zurückgeführt. Mnnonnsn that dus- morie I4 209. 270.  Lettere bei BISCIONI 
selbe für das Missale Segn. II, Katal. 19. Lettere di Sunti e Beati Fiorentini, Fir. 1736. 
Neuestens hat WINGENROTH (Rop. f. Kunstw. Auch ,Scelta di curiositä, lett. inedite e raref, 
XXI 343) f. die Psalterien Nr. 16 und 17, das Bol. 1864, Disp. 48.  A. RÖSLER Cardinal 
oben genannte Missale Nr. 19 und das Mis- Joh. Dominici. Freib. 1893. 
snle Nr. 44 des Katalogs, vielleicht auch 3 Die Silvestriner wurden nach S. Giorgio 
Nr. 73, dem Frate zugeschrieben. oltr" Arno verlegt. Vgl. llIIARCIIESE 1. c. 
2 Ueber diese für die ganze Geschichte p. 305. 
Kraus, Geschichte der christl. Kunst. II. 2. Abtheilung. 1G
        

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