Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1894918
ihrenaissancc. 
decorativ-malerischen Stils die Sculptur hart bis an die Grenzen der Malerei 
geführt: die Rcbbia sind schon halb Bildhauer halb Maler. Inzwischen haben 
aber auch andere Städte und hat auch das westliche Toscana zwei bedeutende 
Vertreter der Plastik auf den Plan gestellt. 
Den Florentinern durchaus verwandt ist Matteo Civitali aus Lucca 
(1435-1501), den Vasari ganz übergeht und dem erst die neuere Zeit ge- 
recht geworden istl. Der Vergleich mit Phidias, Praxiteles, Myron und 
Skopas, den seine Grabschrift führt, sei kindlicher Verehrung zu gut gehalten. 
Aber sicherlich gebührt Civitali unter den Vertretern der christlichen Kunst 
ein hoher Ehrenplatz. Kaum ein anderer Bildhauer jener Zeit übertrifft ihn 
in der glücklichen Vereinigung der religiös-innerlichen Auffassung und In- 
spiration mit einem ehrlichen Studium der Natur und hervorragendem Schön- 
heitssinn. Berühmt ist vor allem die im Bargello aufgestellte Allegorie des 
Fig. 101. 
Jacopo della. Quercia, 
Grabmal der Ilaria. dol Caretto. 
Kathedrale zu Lucon. 
Alinari 
Glaubens (Relief, s. oben II 1, 391); ebenda die Christusbüste in Hoch- 
relief. Jener Zug fast ekstatischer gläubiger Hingebung, welcher die Fides 
charakterisirt, ist Womöglich noch ausgesprochener in den beiden knieenden 
Engeln neben dem Tabernakel im Dom zu Lucca (Fig. 99 u. 100). Auch im 
Grabmal hat Civitali sowol in seiner Heimat als auswärts Namhaftes ge- 
leistet; zu nennen ist namentlich in Genua die Decoration der Johanniskapelle 
im Dom (1496). 
Eine viel bedeutendere Erscheinung war diejenige des J acopo dGllaJacopo della. 
Quercia aus der Nähe SienaJs (137111-1438), der, was die zeitliche Stellung Qllmm 
angeht, die Priorität vor Ghiberti und Donatello beanspruchen müsste, wenn 
ihm gegönnt gewesen wäre, einen weiter greifenden Einfluss auf die Entwick- 
Jahrb. d. kgl. preuss. Kunstszunml. XIX 
(1898) 117 ff. 
1 Vgl. MILANESI zu VASARI II 125.  Smvro 
V ARNI Delle opere di Matt-eo Civitali (s.   
 NERI ACHILLE Del Pal. C0111. di Sarzana ecc. 
Genova. 1876.  SCHÖNFELD Zeitschr. f. bild. 
Kunst XVIII 210. 245.  YRIARTE ebd. XXI 
151.  Ders. ,L'art' IXe annöe, III 210. 223; 
IV 85. 101. 121.  Ders., M. Civitali. Paris 
1886.  Auch MARCIIESE Scritti II 529.
        

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