Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892597
Begriff, 
Natur 
cnnstitutive 
Elemente 
Renaissance. 
Einiiusse Dante's und bald (lemjenigen der wiedercrweekten Antike, die ganze 
Schönheit des menschlichen Leibes offenbar wird. Die alte Strenge der Auf- 
fassung und die conventionelle Harte der bisherigen Kunst wären vielleicht 
auch ohne das Eingreifen der Antike, von selbst, gewichen. Aber es ist 
nicht zu verkennen, wie sehr die humanistische Bewegung der Entdeckung 
und Darstellung der menschlichen Körperschönheit entgegenkani, indem sie 
namentlich auf Plato zurückging. Wie stark die Ideen Platds auf die Hoch- Platosldeen 
renaissance einwirkten, lässt uns der Commentar des philosophischen  
meisters desselben über das ,Symp0sion' vermuthen. In dem ,Gast1nahlet lehrt Schönheit- 
Plato: ,wer auf rechte Weise der Liebeskunde nachgeht, der muss von Jugend 
auf schönen Leibern nachgehen. Und zuerst, wenn der Führer ihn recht 
leitet, muss der einen Leib recht lieben und da schöne Verhältnisse zeugen. 
Dann muss er Seelenschönheit höher schätzen als Schönheit der Leiber, so 
dass ihm Einer, dessen Seele rechtschaffen ist, auch bei dürftiger Leibesblüte 
genüge; dass er ihn liebe, sorgsam heg" und solche Reden gebäf und suche, 
welche die Jünglinge besser machen; damit er genöthigt werde, nun auch in 
Bestrebungen und Gesetzen Schönheit zu schauen, inne werdend, dass all 
diese Schönheit mit seinem eigenen Wesen verwandt sei, auf dass er Schön- 
heit des Leibes für etwas Geringes halte. Von den Bestrebungen wird er 
geleitet zu den Erkenntnissen, damit er auch deren Schönheit betrachte und, 
schon hinschauend auf das viele Schöne, gewandt zum weiten Meere des 
Schönen, viele schöne, herrliche Verhältnisse schauend, nun auch schöne Ge- 
danken gebäre, in überschwänglicher Philosophie, bis er dort erstarkt und 
genährt, zu einer einzigen Wissenschaft, der Wissenschaft des Schönen, an- 
schaulich gelangef 
,Diese Erkenntniss soll uns', nach den weiteren Ausführungen des ,Gast- 
mahlsß ,anleiten zur Beschauung des lautern, reinen Urschönen, entladen von 
Fleisch und Farbe und dem sterblichen Tandf 1 
Man wird nicht leugnen, dass diese platonischen Ideen in naher Ver- 
wandtschaft zu denjenigen stehen, welche später Augustinus vorgetragen hat. 
Unterbaut durch die christliche Lehre über Sünde und Gnade, behalten sie in 
einer gewissen Hinsicht ewig ihre Bedeutung. Die guten Geister der Re- 
naissance waren von diesen Ideen erfüllt, ihre Kunst lebte aus ihnen heraus. 
Nicht das war der Schaden, dass die Renaissance mit der Entdeckung der 
körperlichen Schönheit des Menschen den Fortschritt zu den höchsten Kunst- 
leistungen menschlicher Kunst unternahm; sondern das Uebel, an dem die 
Renaissance schliesslich zu Grunde ging, war, dass die durch die schlechten 
und egoistischen Itegierungen des 15. Jahrhunderts irre geleitete, durch eine 
in weltlichem Sinnen und Trachten versunkene kirchliche Repräsentanz ver- 
giftete Gesellschaft njcht mehr die innere Kraft hatte, um auf dem gefahr- 
vollen Wege durch das Gebiet der schönen Sinnlichkeit, welche diese Ent- 
wicklung nothwendigerweise nehmen musste, das sittliche Gleichgewicht zu 
bewahren. Die Opposition des Savonarola gegen die herrschende Zeitströmung 
setzte hier ein; aber sie wusste die Grenzen des gesunden Menschenverstandes 
nicht innezuhalten und zerschellte an dem Widerwillen einer Generation, die 
bereits auf dem Wege zur Skepsis war. 
1 PLM; Symp, übers.  STOLBERG, Ges. Comment. Dazu Theol. Plat. XVI c. 7. Auch 
Werke (Hamb. 1824) XVII 25g). 26].  Marsilio nennt in seinem Briefe CXXXVI ,dun 
MARSIL 11m In (Ionviviuln Platonls de amore schönen Leib der schönen Seele Spiegelä 
Kraus, Geschichte der christl. Kunst. II. 2. Abtheilung. 2 
        

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