Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1894787
Buch. 
Zweiundzwanzigstes 
Hauptdenkmälern der dramatischen Richtung des Meisters macht. Daneben 
zeigt sich auch hier, wie der Realismus desselben selbst vor dem Hässlichen 
nicht zurückschrak (wie seine hl. Maria Aegyptiaca im Battistero zu Florenz 
beweist; Fig. 87) 1. Das Leben, in seiner Wirklichkeit beobachtet, geht ihm 
Donatollo, 
über die Schönheit; mit dem bewussten Ergreifen desselben, der ebenso be- 
wussten Wiederbelebung des Alterthums, und zwar jetzt auch des griechischen, 
ist Donatello der richtige Exponent der Renaissance; immer aber noch mit 
seinen Ueberzeugungen im (Jhristenthum haftend 
und die Kluft noch nicht ahnend, welche die ein- 
  seitige Betonung des realistischen wie des anti- 
A, t kisirenden Momentes zwischen der neuen ltich- 
  tung und der alten christlichen Weltanschauung 
r  schaffen musste. 
Es bleibt ein merkwürdiges Zeugniss für die 
unvergleichliche Lebenskraft des damaligen Flo- 
f renz, dass neben einem Ghiberti und vollends 
 neben einem Donatello, der wie kein Zweiter seit 
 Giotte auf die ganze italienische Kunst seinen 
  Einfluss ausübte, noch Platz für einen dritten 
 grcssen Bildhauer war. 
17.? Die Sculptur der Renaissance hat sich in 
 Italien des verschiedensten Materials (am seltensten 
des Elfenbeins!) bedient, um bald in lloch- bald 
Fig. a4. Donatello. H]. Cäcillil. in Mittel- oder Flachrelief (alte riliervr), mezzo und 
Besitz volälzid gliflläiii)" L0"d0"' basso rilievo) zu arbeiten, in welch letzterm Dona- 
 tello das fast zum Sgralfit herabsinkende, kaum 
mehr erhabene Sehiacciato geschaffen hat. Sehr beliebt war die Arbeit in Wachs 
und Terracotta (di cem e (Zi (rreta): sie erfuhr eine "Polycliroinirung, von welcher 
die Jungfrau mit dem Kinde im Louvre? das gläinzendste Beispiel gibt. Der 
1 Abbildung bei REYMOND a. a. O. ll 1, 153. 
Karl VlII bewunderte das Werk noch sehr, 
aber schon der Präsident was Bnosszs meinte: 
,i1 y a une Madeleine en bois par Donatello, 
grandcmcnt puisee, qui est tellement söche, 
noire, echevelee et effroyable, qu'elle m'a pour 
jamais dägoutö de 1a pänitenceä (Lettres I 250). 
 R10 (I 324) ündet in dem Werk dagegen 
,une intelligence exquise des exigences de Part 
chrötien et un respect profond pour 1a donneie 
touto exceptionnelle qui lui ätait offertei 
2 Abbildung bei MÜNTZ p. 508.
        

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