Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1894756
Frührenaissance. 
italienische 
und seiner vollkommenen Gleichgültigkeit gegen das Geld und die Güter 
dieser Welt gerühmt. Frühzeitig hatte er sich Brunelleschi angeschlossen und 
begleitete Diesen nach Rom, als er, nach dem verunglückten Wettbewerb um 
die Thüre des Baptisteriums, der Heimat schmollend den Rücken kehrte (1503). 
Dass Donatello selbst, wie Vasari angibt, an dem Concurs von 1401 sich be- 
theiligt habe, ist angesichts seiner Jugend unwahrscheinlich und steht im 
Widersprüche mit der von Tschudi beobachteten Thatsache, dass er sich erst 
viel später der Technik der Bronce zuwandte, während alle seine früheren 
Arbeiten nur die Natur des Marmors im Auge haben. In Rom widmete sich 
Donatello ganz dem Studium der antiken Bildwerke, und die erste Frucht 
dieser Studien wäre die Annunziata in S. Croce (so Schmarsow und Müntz; 
v. Tschudi setzt sie nach 1433; Fig. 82). Es folgt die Verbindung mit 
Michelozzo und die Betheiligung an den Arbeiten im Dom und an Orsanmichele 
(S. Petrus, 1406-1410; S. Marcus, ca. 1411; das Hauptwerk S. Georg, 1415). 
In dieselbe Zeit fallen wol der David in Marmor (Museo Nazionale, 1408); der 
sitzende Johannes (1408-1415, der Prototyp des Moses von Michelangelo); 
der Josue (1412); der Zuccone (König David mit dem Kopf des Cerichino, 
der als Feind der Medici die Verbannung des Cosimo 1433 durchsetzte); der 
Jeremias. Diese Prophetengestalten, die von dem biblisch-überlieferten Geiste 
so Weit abstehen, bilden den Höhepunkt dieser ersten, extrem realistischen 
Periode, die indessen, zwischen 1425 und 1430 durch den Einfluss Michelozzois 
gedämpft und genöthigt wird, sich den Gesetzen der monumentalen Decoration 
unterzuordnen: jetzt entstehen, unter Michelozzds Mitwirkung, die Denkmäler 
des ehemaligen Papstes Johannes XXIII im Battistero, des Cardinals Brancacci 
in Neapel, des Bartolommeo Aragazzi im Dom zu Montepulciano, die Reliefs 
der Aussenkanzel am Dom zu Prato mit ihren tanzenden Kindern. Die an- 
gebliche Büste des 1432 mehr als achtzigjahrig verstorbenen Niccolo da Uzzano 
(Museo Nazionale)1 schildert einen Sechzigjahrigen und müsste also, wenn Uzzano 
wirklich das Original war, wol in die früheste realistische Periode des Meisters 
gesetzt werden. Eine neue Reise nach Rom 1432 oder 1433 drängt den Künstler 
noch weit bestimmter unter den überwältigenden Einfluss der Antike (1433 bis 
1466). In Rom entsteht ausser einigen Grabdenkmälern ein 1886 von Schmarsow 
wiedergefundenes Tabernakel für S. Pietro; in Prato werden die Arbeiten an der 
Aussenkanzel fortgeführt und 1438 abgeschlossen; im Florentiner Dom die 
gegenwärtig in der Opera del Duomo dem entsprechenden Werke des Luca 
della Robbia gegenüber aufgestellten Reliefs vom Orgelgeländer (1433-1440) 
geschaffen (Fig. 83), ebenso die Decoration in der Sacristei von S. Lorenzo. 
Hier wie in Prato ist ein Reigen tanzender und singender Knaben dargestellt. 
Wenn della Robbia's Schöpfung feiner und anmuthiger ist, so wird man in 
derjenigen Donatellds doch stets die grosse Lebenswahrheit bewundern und 
Jakob Burckhardt beipflichten, wenn er meint, sie lehren uns die Seele des 
15. Jahrhunderts von der schönsten Seite kennen. Der David des Museo 
Nazionale, in Bronce, ist die erste ganz frei behandelte nackte Statue der Renais- 
sance: sie musste einen tiefen Eindruck auf die Zeitgenossen machen, wie sie 
cäläbres). Par. 1885.  Ders, Renaiss I 489. 
 CAVALUCGI Vita ed opere del Dolmatello. 
Mil. 1886.  Scmvmnsow Donatello. Lpz. 
1886.  v. Tscnnnx Donat. e 1a critica mod. 
Tor. 1887.  MILANESI Catalogo dellc opero 
di Don. 0 Bibliograüa. degli autori ehe no 
hanno scritt-o. Fir. 1887.  VILLARI Dona- 
tello und sein Werk, d. Uebers. Jena 1887.  
SEMRAU DonatelldsKanzelnin S. Lorenzo. Bres- 
lau 1891.  W. PASTOR Donatello. Giess. 1892. 
 BRUN im Christl. Kunstbl. 1893, Nr. 12. 
' Abbildung bei MÜNTz 1. c. p. 520.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.