Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1894710
lßäührenamissance. 
italienische 
toren der Arno-Stadt freilich vor, aber der Sienese hat keine Schule begründet 
und seine Thatigkeit hat keinen massgebcnden Einfluss auf den Gang der 
Entwicklung geübt. 
In Florenz hatte Orcagnzüs Tabernakel in Orsanmichele (1359) den Die 
Abschluss des gothischen Stiles gebildet. Dieses köstliche Heiligthum von 
Orsanmichele blieb, neben dem Dom, die Hauptstätte, an der sich die Kunst Gruß-eva- 
Derjenigen bethätigte, die man, in einem bescheidenen Masse, als Ueberleiter 
zu den grossen Meistern des 15. Jahrhunderts bezeichen kann (Niccolo 
Piero d'Arezzo, gest. 1421; Piero Giovanni Tedesco, zwischen 1386 
und 1402 am Dom thätig; Nanni dlAntonio di Banco, 137319-1420). 
Die drei bahnbrechenden Meister sind Ghiberti, Donatello, Luca della Robbia: 
den Ausgangspunkt der Umwälzung bezeichnet die Wettbewerbung um die 
plastische Decoration der zweiten Thüre am Baptisterium (1401). Von den 
Probestücken, welche als Thema das Opfer Isaaks zu behandeln hatten, sind 
uns einige im Museo Naziona-le erhalten: die idealere Auffassung Ghibertfs siegte 
hier über die urwüchsige Kraft Brunelleschfs, die, etwas ruhiger und 
edler, auch in des grossen Architekten Cruciiix in S. Maria Novella sich wieder- 
findet (Fig. 77). Ghiberti Lorenzo di Gione (1378-1455) schuf seine erste Ghibcrti. 
Broncethüre am Baptisterium (Nordthüre, mit der Geschichte Christi, den vier 
Evangelisten und den vier grossen Kirchenlehrern) 1403-14241; die zweite 
(mit den Geschichten des Alten Testamentes, jetzt die östliche Haupteingangs- 
thüre) 1425-1452  es ist die, welche Michelangelo würdig erklärt hat, die 
Pforten des Paradieses zu schmücken; zwischendurch den Reliquienschrein des 
hl. Zanobius unter dem Altar der Domtribuna (1432-1440), einige Grab- 
platten, für Orsanmichele die Statuen des hl. Johannes des Täufers (1414), 
des hl. Matthaeus (1420-1422), des hl. Stephanus (1428). Die unmittelbare, 
rasche und reiche Erfassung des Lebens, die poetisch-phantasievolle Erfin- 
dung verschafften Ghiberti rasch eine grosse Popularität seiner Werke. Die 
Antike wird nicht bloss bei ihm nachgeahmt, sie wirkt in der Wahl der Typen, 
in der Anordnung des Costüms durch. Was Ghiberti aber von der antiken 
Plastik trennt und ihn in festem Zusammenhang mit der christlichen Kunst 
erhält, ist seine malerische Auffassung und sein Streben, selbst mit Durch- 
lorechung der Gesetze des plastischen Stiles im Effect mit der Malerei zu con- 
curriren. An Kenntniss der Anatomie steht er weit unter Donatello, vor 
gewaltthätigen dramatischen Scenen schreckt er zurück, um die Wunderbare 
Harmonie seiner Gestalten und Draperien nicht zu stören. In dieser Hinsicht 
ist er Grieche; in Hinsicht seiner Sujets bewahrt er ganz den Zusammenhang 
mit der kirchlichen Tradition, im Gegensatz zu Donatello, der sich seine Typen 
nach seinem Belieben neu schafft und auf dem Gebiete der christlichen Ikono- 
graphie geradezu Revolutionär ist. Dem extremen Realismus opfert Ghiberti 
in keiner Weise: er steht mitten in jener Linie des Idealismus, die von Giotto 
zu Itaifael führt. Wenn an seiner ersten Thüre (Fig. 78 u. 79) noch als 
starke Reminiseenz der gothischen Schule eine Befangenheit herrscht, so gibt 
MARCEL REYMOND La Sculpture Florentine: 
1m pm-tie du 158 siöclo. Flor. 1898.  AD. 
VENTURI Conferenza (Riv. d' Italia 1899, 
p. 355. 659). 
' VASARI II 221.  PERKINS Ghiborti et 
son äcole. Paris 1886.  Lmumxz SGOTT 
Ghibcrti and Donatello, With other e-arly 
Italiarl Sculptors. Lond. 1882.  SCHMARSQW 
Ghibcrtfs Kompositionsgesetze an der Nord- 
thür des Flor. Baptisteriunls (Abh. d. phil.- 
hist. O1. d. sächs. Ges. d. YVissensch. XVIII, 
Nr. 4. Lpz. 1899).
        

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