Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892570
Begriff, 
Natur 
constitutive 
Elemente 
Renaissance. 
und darin, dass er die Quelle des Uebels nicht in der Schönheit, sondern in 
der (in uns durch die Erbsünde verderbten) Sinnlichkeit sieht1, befindet sich 
Castiglione durchaus in Uebereinstimmung sowol mit dem tonangebenden Philo- 
SOphen jener Tage, Marsilio Ficino2, als auch mit den besten Traditionen 
des christlichen Alterthums. Wir haben (I 219) gesehen, wie letzteres alle 
die Sinnenlust reizenden Darstellungen zurückwies und die Kunstwelt aus der 
ins Sinnliche und selbst ins Lascive versunkenen Antike zu erretten suchte. 
Wir sehen aber auch, dass die Kunst der christlichen Griechen und Römer 
der Darstellung des Nackten nicht aus dem Wege ging, wo sie durch das 
Sujet bedingt war, und dass sie weit entfernt War von einer der Enipiindnngs- 
weise der Südländer überhaupt fremden, erst mit dem Mittelalter auf- 
gekommenen Scheu und Prüderie. Höchst bemerkenswerth ist, wie das grösste 
Genie des christlichen Alterthums über diese Dinge dachte. Ihm erscheint 
die Schönheit des Universums wie ein grosses göttliches Gedicht 3; die Aussen- 
welt nimmt ihre ganze Schönheit von Gotti; die höchste Schönheit der sicht- 
baren Welt aber ist unser Körper; er wäre der Inbegriff alles Wohlgefallens, 
unterläge er nicht der Verderbniss; an sich ist die Freude an ihm kein Uebel, 
sie wird es bloss, wo die Sünde sich einmischt 5. Anderwärts nennt der grosse 
Kirchenlehrer die Schönheit ein Geschenk Gottesß; die Creaturen verkünden 
durch diese Gabe das Lob ihres Schöpfers 7. Freilich, nur zu oft verführt 
dieselbe die, welche ihr nachgehen 3, und sie wird so selbst vielen ihrer Be- 
sitzer schädlich 9. Selbst der Frage, welche Theile des Körpers die schönsten 
sind, gehen die Kirchenvater nicht ganz aus dem Wege 10; nicht erst die Hof- 
genune; ende piacevolnlenlse tira. a se gli 
occhi umani, e per quelli penetrando s' im- 
prome nel1' anima, e con una nuova soavitä 
tutta 1a commove e diletta, ed accendendola, 
da lei desiderar si fa. Essendo dunque 
1' anima presa de] desiderio di fruir (pxesta 
bellezza come cosa bona, se guidal- si lasse 
da] giudizio de1 sensn, incorre in gravissilni 
errori, e. giudica ehe '1 corpo, nel qual si 
vede 1a bellezza, sola causa principa] di 
quella, onde per fruirla estima essere ne- 
cessario d' unirsi intimamente piil che pö con 
quel corpo; il ehe e falso: e perb chi pensa, 
possedendo il corpo, fruir 1a bellezza, s' in- 
ganna, e non mosso non da vera cognizione per 
elezion di ragione, ma da falsa opinion per 
1' appetito del senso: onde il piacer che ne 
segne esso anunra necessariamentvew ü. fahr) 
e mendosof 
1 lbid. c. 53 (p. 411): ,La causa adunque 
di questa calamitä negli animi umani e prin- 
cipalmente il senso, il quale ne11a etä gio- 
vanile e potentissimo, perche '1 vigor della 
carne e del sangue in que1la. stazione gli dä 
tanto di forza, quanto ne scema alla ragione, 
e perö facilnlente induce 1' anima a seguitar 
1' appetito; perche ritrovandosi essa summersa 
nella prigion terrena, e per esser applißatß 
a1 ministerio di governar il corpo, priva della 
(eontenxplazion spirituale, nun pü du sif in- 
teuder chiaralnente 1a veritä." 
2 MARSIL. FIUIN. Uomm. in Conviv. Pla- 
tonis de amore, orat. II: ,pu1chritud0 est 
Splendor divinac bonitatis et Deus est can- 
trum quattuor circulorumf 
3 AUGUSTIN. Ad Marcellin. ep. CXXXVIII 
5 (Opp. ed. Ven. II 538):    universi sae- 
uuli mllchritudn, cuius particulae sunt quae 
suis quibusque femporilxus aptu sunt. veIut 
InagnuIn Irarmeu cuiusdaln ineffabilis Inn- 
dulatoris excurrat atque inde transeant in 
aeternam contemplationenl speciei qui Deum 
rite colunt. etIanI cum tempus est fideif 
4 AUGUSTIN. Conf. X 53 (I 223): ,quonian1 
pulchra traiecta per animas in manus arti- 
Iiciosas, ab illa pulchritudine veniuut, quae 
super animas est, cui suspirat anima mea 
(Iin au: noctef 
5 AUGUSTIN. De vom relig. c. 46 (I 985  
,I10c tntmn 0st voluptatis YPgUIIIII, et ima 
pulchritudcr, subiacet enim corrxxptioni; quod 
si non esset, suInma putaretur.    Cum in 
his omnibus non sit InaIum nisi peccatuxxm, 
et poena peccati, hoc est, defectus volun- 
tarius a summa essentia, et labor in ultima 
non voluntarius; quod alin modo sie dici 
potest, Iibertas a iustitia, et servitus sub 
peccatof 
6 AUGUSTIN. De civ. Dei XV e. 22 (I 533). 
7 AUGUSTIN. Enarr. in Ps. 148 (VI 1157). 
3 D0 vera relig. c. 21 (I 968) ; v. 34 (1, 999). 
9 lbid. c. 40 (I 985). 
W ORIGEN. Homil. in Caut. Cantic. (HIERoN. 
Opp. ed. Nrenet. 1767, III 914): yulchritudu
        

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