Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1894567
Zweiundzwalnzigstes Buch. 
der Jenen beseelte. Er ist ein heiteres, oberiiächliches Gemüth, das (las 
Leben nimmt wie es ist, am liebsten von seiner sonnigen Seite. Zu Monte- 
falco hat er in S. Francesco (1452) das Leben des ihm offenbar sympathi- 
schen Stifters des Minoritenorelens und dazu in einigen Medaillons die Por- 
träts frommer Religioseil sammt denjenigen Danteis, Petrarca's und Giottds 
gemalt, den er als Jßirvtorvnn. fundamentmn et lux' hier feiert. Sein Hauptwerk 
der frühern Zeit sind aber die Fresken in der Kapelle des Palazzo Medici- 
lticcardi zu Florenz, wo er den Zug der drei Könige nach Bethlehem (Fig. 69) 
und die Anbetung des Kindes durch dieselben darzustellen hatte. Aber was 
er malt, das ist das Florenz seiner Tage, mit der ganzen Gesellschaft der 
Medici und der ihnen befreundeten Adeligen und Clienten, sammt einer Menge 
prächtigen Gethiers, Kamele, Esel, Falken u. s. f., und das Alles hineingestellt 
in eine köstliche toscanische Landschaft. Wie man auch immer über den innern 
Werth dieses Meisters urteilt, hier hat er uns sicher eine der anziehendsten 
Schöpfungen der Frührenaissance hinterlassen. Kaum geringeres Interesse be- 
ansprucht das Leben des hl. Augustin in S. Agostino zu S. Gemignano (1464 bis 
1467), wo uns der hl. Augustin in der Schule, die Scenen aus seiner Jugend- 
geschichte, der Heilige der Rede des Ambrosius lauschend, endlich seine Be- 
stattung als culturgeschichtliche Schilderungen ersten Ranges entzücken. 
 Andrea del Verrocchio (1435-1488) gehört als Broncegiesser vor- 
waltend der Plastik an; in der Malerei hat er hauptsächlich durch die von 
ihm ausgegangene Einwirkung auf seine Schüler, in der Richtung eines ge- 
wissenhaften Naturstudiums, Bedeutung. Hier springt seine Verwandtschaft 
mit den Pollajuoli in die Augen, und in der That gibt es eine Reihe von 
Bildern (Madonnen, besonders der junge Tobias mit dem Erzengel auf der Reise) 
in italienischen, deutschen und englischen Sammlungen, welche bald ihm bald 
den letztern zugeschrieben werden. Das einzige beglaubigte Bild, die Taufe 
Christi, für die Vallombroser Mönche gemalt, jetzt in der Florentiner Akademie, 
gab dem Meister Gelegenheit, seine technischen Eigenschaften im vollen Masse, 
ja bis zur Herbheit und Eckigkeit in der Wiedergabe des Nackten zu bewähren. 
In diesem Werke darf man Schönheit nicht, nur Wirklichkeit suchen; man 
begreift, was Vasari berichtet: Lionardo da Vinci, damals sehr jung und Ver- 
rocchiots Schüler, habe einen einzigen Engel hinzu gemalt, so schön, dass der 
Meister von da ab den Pinsel für immer niedergelegt habe. 
Die narrative, aber geistig nicht tief genug angelegte Art des Benozzo 
hatte wol ein Gegengewicht gegen den einseitigen und crassen Naturalismus 
der Pollajuoli und Verrocchio gebildet, aber sie war nicht im Stande, die 
Härte des Colorits zu überwinden und der Kunst edlere Typen zurückzugeben. 
Diese Aufgabe fiel einer Gruppe von Künstlern zu, welche gcwissermassen 
den Schluss der Frührenaissance bildet und jedenfalls diejenige Richtung dar- 
stellt, welche auch heute noch, und gerade heute Wieder, Vielen unter uns 
eine Quelle höchsten Genusses geworden ist. 
n. Sandro Botticelli (Alessandro Filipepi, geb. 1446, gest. 1510, 27. Mai, 
begraben in Ognissanti)1 genoss den Unterricht Fra Filippols (gest. 1469), wie 
' VASARI III 309 sg.  Rosml 1. c. III 
126.  v. Rvmoun Ital. Forsch. II 272.  
Cnowß u. CAVALCASELLE III 1-56 f.  Cnown 
in Gaz. des Beaux-Arts II (1886) 177. 466. 
 IUL. MEYER Jahrb. d. kgl. preuss. Kunst- 
samml. XI 1-16.  R10 II 394.  E. MÜNTZ 
Pröcurseurs p. 139; Renaiss. ll 629.  
EPHRUSI Gaz. des Beaux-Arts I (1885) 404; 
11 (1886) 43.  H. ULMANN S. Botticelli. 
München 1893.  B. STEINMANN Botticelli. 
Bielef. u. Lpz. 1897.  Ders. Repert. f. Kunstw. 
XVII] 1.  PHILIPPI Zeitschr. f. bild. Kunst,
        

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