Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1894548
Buch. 
Zweiundzwanzigstes 
von einer glücklichen Sonne beschienenen Existenz ruhte, spricht zu uns noch 
aus den lieblichen Madonnenbildern eines Cima da Conegliano aus Treviso 
(zwischen 1489 und 1516: Galerie zu Vicenza; thronende heilige Jungfrau in 
Conegliano; Anbetung des Kindes in herrlicher Landschaft im Carmine zu Venedig, 
1504). In den religiösen Compositionen Marco Basaitißs (ca. 1470-1527) 
gewinnt die Landschaft bereits das Uebergewicht über die Erzählung; vollends 
sind die der Verherrlichung der venezianischen Republik gewidmeten grossen 
Bilder Vittore Carpaccio's (ca. 1480-1520 thätig), auch da wo sie reli- 
giöse Geschichten vorführen (die neun Scenen aus der Legende der hl. Ursula 
in der Akademie zu Venedig), weit mehr architektur- und cnlturgeschichtliche 
Malereien, als dass das religiöse Interesse noch stark durchschlüge. Schon 
kündigt sich laut hier der Uebergang zu der Verweltlichung der Malerei an. 
Die Lombardei zeigt in der Geschichte ihrer Malerei eine durchgängige 
Abhängigkeit von aussen. Zunächst walten paduanische Einflüsse vor, die 
    wir, im Anschlusse an 
   1   Squarcione und schliess- 
      4-    lich auch an Mantegna, 
    L 1,4?  bei Vincenzo Foppa 
   (Ü, gä i  s    (gest. 1492) finden, dem 
  pp  f  .   man auch das Haupt- 
   E]    t    C A?"  werk der altern lombar- 
 " "s?  Ü f f! a?  dischen Schule, die Fres- 
 y   p       ken der Cappellzz Porti- 
 " i" i,  p  nari in S. Eustorgio zu 
"  qßßj",  Mailand (Verkündigung, 
 p, E.   p-ß     Himmelfahrt Mariae, 
 i p. H;   Legende des hl. Petrus 
 ' g   i"?  " Martyr), zuschreibt, ob- 
ll       " gleich die reichere Land- 
    schaft und die Behand- 
 lung der Perspective 
Fig. 67. Giovanni Bellini, Pietä. Brera zu Mailand. (Phot. Alinari.) auch auf unlbrische Ein-l 
ilüsse hinweisen. Bra- 
niantino (Bartolommoo Suardi, erwähnt 1491-1529) und Borgo- 
gnone (Ambrogio da Fossano, erwähnt 1486-1523) gehen schon einiger- 
massen auf die Malweise Lionardds ein, der, mit Bramante, die oberitalienisch- 
lombardische Malerei einer ganz neuen Richtung zuführte. 
Cremona wendet sich mit seinen Boccaccio Boccaccino (gest. 1518), 
Bartolommeo V eneziano (um 1505) vorzüglich ferraresischen und vene- 
zianischen Einwirkungen zu. Noch ausgesprochener ist die Abhängigkeit von 
Bellini bei den Bergamasken Andrea Previtali (gest. nach 1525), Rizo 
und Andern. 
Neapel und Sicilien haben keine für die allgemeine Entwicklung in 
Betracht kommenden selbständigen Leistungen aufzuweisen. Die Zeit der 
Anjoifs und Aragonier lebt hier von fremdem Gut: flandrische Maler geben 
vorübergehend in Neapel den Ton an. Nur Antonello von Messina 
kann als einheimischer Meister von Bedeutung genannt werden. Das nam- 
hafteste Frescowerk der Zeit, die umfangreiche Bilderfolge aus der Legende 
des hl. Benedictus in S. Severino zu Neapel mit seiner bewussten Betonung 
des landschaftlichen Elementes, ist angeblich ein Werk des Venezianers
        

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