Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892563
Bu ch. 
Einundzwanzigstes 
stellungskreis des Christenthulns fest, und diese Richtung haben im grossen 
und ganzen die Frührenaissaxice und wenigstens die Hauptvertreter der Hoch- 
renaissance festgehalten. 
Die körper- Es ist schon oben bemerkt worden, wie bereits bei Dante die körper- 
"cäjiäfiiimliche Schönheit erkannt und namentlich das Antlitz als Spiegel der Seele 
Menschen. gesehen wird. Mit der weitern Entdeckung der Welt und des Menschen 
musste das Verständniss für körperliche Schönheit sich immer mehr aufthun. 
Der Spiritualismus des Mittelalters hatte die Augen vor der unverhüllten 
Herrlichkeit des menschlichen Leibes geschlossen gehalten. Seit die Menschen 
der ltenaissance angefangen, die Schönheit der Natur nicht bloss wie die 
älteren Generationen zu ahnen und von weiten) zu fühlen, sondern sie zu 
analysiren und darzustellen, konnten sie an der Schönheit des eigenen Leibes 
nicht mehr vorübergehen. Petrarca's Sonette auf Laura sind ein ununter- 
brochener Hymnus auf dieses Paradies; dass ihm der Verfasser des ,Decamerone' 
in seinen Romanen einen breiten Raum gestattet, wird Niemand bei dem ver- 
liebtesten aller Dichter wundern. Er ist der Erste, welcher ein seinen 
Schilderungen die Einzelheiten namentlich der weiblichen Schönheit aufgreift 
und uns so in die Lage versetzt, uns eine Vorstellung von dem Schönheits- 
ideal des Trecento zu bilden. Im 15. Jahrhundert werden diese Analysen in 
der schönen Litteratur anscheinend nicht fortgeführt. Aber im 16. Jahr- 
hundert treffen wir auf zwei Werke, welche die ausgiebigsten in der altern 
Litteratur vorhandenen Untersuchungen über den schönen Menschen bezw. 
das schöne Weib darbieten. 
Der Graf Baldesar Castiglione (geb. 1478 im Mantuanischen, gest. 
1529 in Toledo) hat uns in seinem ,Oortegiano'1 ein Bild des höfischen 
und des gesellschaftlichen Lebens seiner Zeit hinterlassen,.welches die kost- 
barste Urkunde für die Kenntniss desselben darstellt. Ein Mann von stupender 
Mannigfaltigkeit der Kenntnisse und tiefstem Verständniss für die Beurteilung 
des eigenen Nationalcharakters, konnte er an keinem der Probleme vorbei- 
gehen, welche die hochgebildete Gesellschaft des leoninischen Zeitalters be- 
schaftigten. Er kommt daher auch eingehend auf die menschliche Schönheit 
zu sprechen (Libr. IV c. 51  die er über jede andere creatürliche 
Schönheit stellt und als Sonnenstrahl der Gottheit verherrlicht. Die Liebe 
ist nichts anderes als das Verlangen, sich dieser Schönheit zu erfreuen; 
aber die Seele täuscht sich, indem sie in sinnliche Verirrungen fällt, ver- 
gessend, dass die Schönheit des Körpers nicht die eigentliche Ursache unseres 
Vergnügens ist, sondern nur der Abglanz einer höheren, geistigen, welcher wir 
nachstreben sollten 2. In (lieser Beurteilung des Werthes körperlicher Schönheit 
l ll libro del Cortegiano del conte BALDESAR 
CASTIGLIONE, in Spanien geschrieben, 1528 
in Venedig, dann wieder ebd. 1547 u. ü. ge- 
druckt. Neuere Ausgaben Fir. 1884, 1889 und 
von VITT. CIAN ebd. 1894. Vgl. über Ca- 
stiglione SERAssfs Biographie bei MARTINATI 
Notizie stoiz-bibl. Fir. 1890.  B. BOTTARI 
Castiglione e il suo libro del Cortegiano. 
Pisa 1874.  A. LUzIo e R. RENIER Man- 
tova e Urbinn, Isabella 41' Este 0d Elisabcttn 
Gonzaga. Tor. 1893. 
2 (Jorteg. lib. IV, c. 52 (ed. (Jux p. 409): 
,Ma, parlaudo della bellezza che noi intendemo, 
che ä quella solamente che appar nei corpi 
e nlassimanuente nei colti umani, e move questo 
ardente desiderio che 110i chiamiamo amore: 
diremo, che E: un flusso della bontä divina, 
il quale benchä si spanda sopra tutte le cose 
create, come il lume del sole, per quando 
trova un volto ben misurato e composto con 
una certa gioconda concordia di colori distinti, 
0d aiutati dai lumi e dalPmnbre e da uuu 
nulinata distanzia e termini di linee. vi 
s' infonde e si dinmra luellissilno, e quel su- 
bietto ove riluce adorna 0d illumina d'una 
grazia e splendul- mirabile, a gLliSzI di preziose
        

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