Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1894476
Frührenaissance. 
italienische 
zu den wichtigsten Documenten dieser neuen Kunsttechnik und zeigen den 
Meister in der ganzen Energie und Frische seines Stiles. Die aussergewölm- 
liehen Kenntnisse des Costüms, der Bewaffnung u. s. f., Welche Mantegna 
gerade in dem Trionfo entwickelt, lassen ihn als Träger einer neuen Richtung, 
der specifisch-arehäologischen, erscheinen: nur Raffael hat in einer gleichen 
Weise (in der ,Schule von Athen") sich ganz in den Gedankenkreis und die 
äussere Ausgestaltung der Antike hinein zu versetzen gewusst. Kein Wunder, 
dass gerade dieses Sujet in dem Zeitalter des siegenden Humanismus auch 
diesseits der Alpen (in Holbeins Triumph der Armut; in Le Bruns Triomphe 
de la Riehesse) begeisterte Nachahmung gefunden hat. 
Zunächst aber mussten die Padua benachbarten Landschaften von dem 
Einflüsse dieser so mächtigen Persönlichkeit ergriffen werden. Mehr als 
Bologna (Marco Zoppo) hat Ferrara aufzuweisen, WO der kunstsinxiige Ferraresen. 
Hof der Este Künstler und Dichter anzog. Baldassare d'Este, Fran- 
cesco Cossa (gest. 1480, ihm eignet zum Theil das Hauptwerk der Schule, 
die Fresken im Palazzo Schifanoja, zur Verherrlichung des Herzogs Borso von 
Este um 1470 ausgeführt), Cosma Tura (gen. Cosme, gest. 1495), Ercole 
de, Roberti (gest. 1496), Lorenzo Costa (1460-1536: Temperabilder 
der Cappella Bentivoglio in S. Giacomo Maggiore zu Bologna, 1490; Bildnisse 
der Bentivoglio; Altarbild der Cappella Bacciocchi in S. Petronio zu Bologna 
mit den köstlichen musicirenden Engeln, 1492; Musenhof im Louvre), Ercole 
Grandi (gest. ca. 1535), endlich Francesco Raibolini, gen. Francia Francia. 
(1450-1517), sind die namhaftesten Meister der Ferrareser Schule, welche 
toscanische und venezianische Einflüsse den paduanischen beimischte. Francesco 
Francia verdient hier als Vertreter einer tiefen religiösen Empfindung einen 
besondern Ehrenplatz. Zu der sorgfältigen Ausarbeitung der emailartigen 
Färbung seiner Werke musste ihn sein ursprünglicher Beruf als Goldschmied 
und Medailleur einladen. Erst seit 1490 scheint er sich der Malerei zuge- 
wandt zu haben. Das dramatische Element fehlt ihm ganz, aber die schwär- 
merische Sentimentalität seiner Madonnen, welche offenbar den umbrischen 
nahe Verwandte sind, übt einen eigenthümlichen Zauber und hat bis heute 
dem Meister zahlreiche Bewunderer bewahrt. Namentlich die Pinakothek in 
Bologna besitzt von Francia herrliche Schöpfungen (Nr. 78: Madonna mit 
sechs Heiligen und dem die Laute schlagenden Engel, 1490; Nr. 79; Nr. 80: 
Verkündigung, Fig. 61, den Einfluss Raffaels verrathend), die vielleicht noch 
von der thronenden Madonna in der Cappella Bentivoglio zu S. Giaconao 
Maggiore übertrofen werden. In seinem Alter sah er sich durch seine Söhne 
Giacomo und Giulio unterstützt, mit denen zusammen er die Fresken von 
S. Cecilia in Bologna (1509) malte, eine anmuthige, wenn auch nicht drama- 
tisch bedeutende Folge, welche immerhin den Einfluss Raffaels verräth. Der- 
König der Malerei hat, wie man annimmt, zwischen 1504-1506 in Bologna 
mit dem Meister verkehrt: in einem Briefe von 1508 übersendet er ihm als 
Gegengabe von Francia's Bildniss eine seiner Handzeichnungen und macht 
ihm das Compliment, von keinem andern Meister habe er Bilder 11271) belle e 
peiü divote e ben fattd kennen gelernt. Ein hohes Lob, an dem Raffaels 
Liebenswürdigkeit vielleicht mehr Antheil hatte als die stricte Wahrheit. 
Denn so köstlich Francias Art ist, es konnte Jenem die Schwäche seines 
Compositionstalentes so wenig entgehen als der verdriessliche Zug der 
Francia'schen Madonnen den Meister der Madonna del Granduca zu be- 
friedigen vermochte. 
Kraus, Geschichte der chi-ist]. Kunst. II. 2. Abtheihlug. 13
        

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