Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1894460
Zweiundzwanzigstes Buch. 
alter vor ihm: das Eintreten dieses Elementes in die italienische Malerei ist 
also fortan um mehr als ein halbes Jahrhundert hinaufzurücken. 
 Das Hauptwerk der Schule Squarciones sind die Fresken aus der Legende 
der hll. Jacobus und Christophorus bei den Eremitani in Padua, die zum 
Theil schon Mantegna angehören. Mit ihm erhebt sich das eigentliche Haupt 
der Schule, dessen Einfluss weithin, sowol nach Venedig als nach Toscana, 
reicht 1. In Mantna schuf Mantegna (seit 1460) für Lodovico Gonzaga die 
Malereien im Castello di Gerte und den berühmten Triumphzug Caesars (Fig. 59), 
neun auf Leinwand aufgezogene Leimfarbenbilder, die sich jetzt in Hamptoncourt 
bei London befinden. Hier verbindet sich das durch gelehrte Beihülfe er- 
möglichte Studium der Antike (Ja plus profonde et la plus zäblouissantc rcstitu- 
tion de Vamfigzziträ", sagt Müntz) mit scharfer Beobachtung der Natur. Mantegna 
treibt den Naturalismus und die Geschicklichkeit in der Verkürzung bis zum 
Virtuosenhaften, aber auch bis zum l-lasslichen, wie der verkürzte Leichnam 
des Herrn im Brera zu Mai- 
   land zeigt (Fig. 60). Dass 
  "i?   er indessen auch Anmuth 
     und Lieblichkeit des Aus- 
   im  drucks zu pflegen ver- 
     mochte, beweisen die Por- 
    ifig  träts der markgraflichen 
      Familie in der Camera degli 
      Sposi im Castello di 00m 
    Q   und die anziehende Ma- 
 hat"  Q2: Äfisifiliiiihiiii- donna des Brera, mit der 
      die spätere des Palazzo 
        Trivulzi in Mailand (1497) 
    7-  mit ihren bedeutenden 
  i" "s.      Charakter-köpfen und die 
 j    ;    Madone de la Victoire im 
  Louvre zusammenzuhalten 
ist. Man sieht, dass der 
Fig. 60. Mantegna, Pietät. Brera zu Mailand. (Phot. Alinari.) Meister Zyvischen den G0- 
genständen der traditio- 
nellen christlichen Kunst und den mythologisch-antiken Sujets schwankte: ein 
genaues Abbild der verschiedenen Richtungen, welche jetzt, im Zeitalter Savo- 
narolafs, Italiens Kunst und Litteratur erfüllten. 
Anfjnggdes Mantegnas Bedeutung erschöpft sich nicht mit seiner Production auf 
 dem Gebiete der Wand- und Tafelmalerei. Wir haben auf die Anfänge 
des Kupferstiches in Italien noch zurückzukommen. Sie liegen vielleicht 
eher in Oberitalien (ob Mantegna sich schon vor 1460 im Stich versucht hat  
als in Florenz, wo Vasarfs fabelhafter Bericht über Maso Finiguerra diese 
Kunst entstehen lässt. Gewiss hat Mantegna an ihrer Ausbildung grössten 
Antheil genommen. Der Christus in der Vor-hölle, die Anbetung der drei 
Könige, namentlich die Wiedergabe des Triumphs des Caesar im Stich, zählen 
'Zu Mantegna vgl. BRUN Zcitschr. f. 
bild. Kunst XI 23. 54; XVI 110; XVII 97. 
197.  WAAGEN K1. Schriften S. 80.  
WASTLER. Zeitschr. f. bild. Kunst XV 61 
(Triumph des Petrarca).  PORTHEIM Repert. 
f. Kunstw. IX 266 (Triumph Cäsars).  
VASARI III 383 f.  RIDOLFI Meraviglie 
delP arte I 67.  BASCHET Graz. des Beaux- 
Arts XX, 1866.  Cnown u. CAVALCASELLE 
Bd. V.  E. MÜNTZ Ren. II 581.
        

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