Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1894331
Frührenaissance. 
Die italienische 
Am Schlusse des Jahrhunderts kämpft die verscheidende Gothik noch in 
Mailand einen Todeskampf aus. Wir haben darauf in der Darstellung der 
mit Bramante anhebenden Phase der Renaissancearchitektur zurückzukommen. 
Die Eintheilungen dieser Entwicklung sind verschieden. Blickt man auf das 
bisher Geschilderte zurück, so wird man wol, im Anschlusse an v. Geymüllers 
Ideen, eine erste, toscanisch-gothische Periode, von Arnolfo bis auf Brunelleschi, 
eine zweite, toscanisch-classische, von Brunelleschi bis einschliesslich Bramante, 
zugeben müssen. Auf diese folgt dann die Spätrenaissance und der Barocco, 
der im Grunde nur die Verschlechterung Dessen darstellt, was bereits bei 
Bramante gegeben ist.  
Man kann an der Frage nicht vorbeikommen: war das, Was Brunelleschi Stellung der 
und Alberti gethan, für die speeiiisch-kirchliche Baukunst ein Segen oder ein 12:33:31? 
Unsegen? Die Bewunderer der Renaissance können mit der Bejahung des Iiqh tradi- 
Erstern keinen Augenblick zaudern. Aber so einfach liegt doch die Sache  
nicht für Denjenigen, welcher auch in diesem Punkt das Recht der kirchlichen 
Ueberlieferung im Auge hält. Man kann und wird, mit Burckhardt, voll- 
kommen der Ansicht sein dürfen, dass die Renaissance auch in der Architek- 
tur dem positiven Gestaltungstalent der italienischen Nation. entsprach, und 
doch wird man sich der Betrachtung nicht entziehen können, dass die u11- 
bedingte Wiederaufnahme der antiken vor- und ausserchristlichen Bauformen 
nicht auf dieselbe Linie zu stellen ist mit Dem, was die Renaissance auf dem 
Gebiete der Plastik und Malerei zu schaffen berufen War. In der kirchlichen 
Architektur war der reine Regress auf das römische Alterthum ein Rück- 
schritt, insofern hier die selbständige Schöpfung der christlichen Vergangen- 
heit verneint und ohne Grund beiseite geworfen ward. Diese theilweise Auf- 
hebung der Tradition war in Italien zu verstehen und zu entschuldigen; denn 
hier waren die Faden, welche mit der Antike verknüpften, ja nie ganz ab- 
gerissen, die Empfindung der Nation trat sofort für die Neuerung ein und 
begrüsste sie, der Gothik gegenüber, als etwas Nationales und Congeniales. 
Anders stand es in den nordischen Ländern, in den Kreisen der germanischen 
Bildung. Die Architektur der Italiener beruhte stets auf der Empfindung: 
das ästhetische Gefühl für die Harmonie der Linien und das Vorherrschen 
der Horizontale gab hier stets den Ausschlag. Die Germanen bauten nicht 
aus der Empfindung, sondern aus dem Gedanken heraus, darum war die Gothik 
immer der adäquateste Ausdruck ihres architektonischen Sinnes. So sehr sich 
diese Gothik auch zu Anfang des 16. Jahrhunderts innerlich ausgelebt haben 
mochte, die aus Italien importirten antiken Formen waren und blieben dies- 
seits der Alpen eine exotische, wenn auch noch so ansprechende und dem 
Zeitgeist angemessene Pflanze, und ihr Auftreten unter uns musste, in archi- 
tektonischen Dingen, jene Geschmacksunsicherheit und jenen Verfall technischer 
Fertigkeit erzeugen, an denen wir noch heute leiden. Damit ist gewiss nicht 
gesagt, dass die Renaissancearchitektur, "in dem Sinn, welchen man damit 
zu verbinden pflegt, ,unkirchlich' war, noch kann und darf behauptet werden, 
dass sie nicht, vorzüglich jenseits der Alpen, eine Reihe der reizendsten und 
entzückendsten Werke geschaüen hat; noch viel weniger kann geleugnet 
werden, dass sie mit den profanen Tendenzen der Neuzeit in vollkommener 
Uebereinstimmung stand. Eine ganz andere, nicht sowol der Kunstgeschichte 
als der theologischen Betrachtung zufallende Frage ist freilich die, ob es 
heilsam und nothwendig war, diese profanen, auf die Entfaltung äusserer 
Macht und sinnlichen Prunkes ausgehenden 'I'endenzen in das Heiligthum der 
12'"
        

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