Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1894312
Frührenaissance. 
italienische 
hinterlassen. Was er begonnen, setzten Michelozzo, Rossellino, Giuliano da San- 
gallo fort, während sich in Alberti der eigentliche Theoretiker der Renaissance- 
architektur erhob. Der Florentiner Rustica-Stil konnte sich an den grossen 
Palastbauten entwickeln: am Pitti, den Luca Fancelli (1430-1492) angeb- 
lich fortsetzte; am Palazzo Riccardi, den Mich elozzo (1396-1472) für Cosimo 
de' Medici schuf; am Palazzo Strozzi, den Benedetto da Majano 1489 be- 
gann. Cronaca (1454-1509), der den Palazzo Strozzi vollendete und den 
Palazzo Guadagni baute, ging noch strenger auf das römische Vorbild ein. Um 
1446 erhebt sich zunächst in Rimini (S. Francesco, nur projectirter colossaler 
Kuppelbau, 1446-1455) Leone Battista Alberti aus Florenz (1404-1472) 1, 
mit dem ein zweites Stadium der Frührenaissance sich einleitet. Der römische 
Einfluss ist bei ihm noch starker als bei seinem grossen Vorgänger betont, wol 
infolge seines langen Aufenthaltes in Rom. Mit ihm tritt daselbst in der Archi- 
tektur die Renaissance auf, wo ihr Papst Nikolaus V um 1450 grosse Aufgaben 
zuweist, vorab den projectirten Neubau des Vaticans und der Peterskirche, zu 
denen Alberti in Verbindung mit Rossellino die Einleitungen traf. Rossellinois 
Palazzo Piccolomini in Pienza kann fast wie eine Vorstudie für den Vatican oder 
als Echo dieser Studien betrachtet werden. Alberti hat selbst keine Bauten 
ausgeführt, doch hat er die Detailzeichnungen in einzelnen Fällen bestimmt 
geliefert. Nach seinen Entwürfen erstand zum Theil nach seinem Tode in 
Mantua (S. Sebastiano, 1459) das erste streng griechische Kreuz der Renais- 
sance, ebenda, in S. Andrea, wird einer Kirche zum erstenmal eine antike 
(scheinbare) Tempelfronte vorgelegt, während der mächtig emporstrebende 
Hauptkörpei" des Baues mit seiner Kuppel, seinem breiten Tonnengewölbe und 
den Seitcnkapellen für S. Peter und die ganze spätere Entwicklung des Barock- 
kirchenbaues massgebend wird. In seinem architektonischen Hauptwerk, dem 
Palazzo Rucellai in Florenz (1446-1451), mildert er die Rustica, die er mit 
den Wandpilastern combinirt: ,die Abstufung der Pilaster und Säulenordnungen, 
ein Hauptgesetz der spätern Renaissance, schwebt ihm schon als Ideal vor" 
(Burckhardt). Noch weit nachhaltiger denn als Praktiker hat L. B. Alberti 
als Theoretiker gewirkt. Seine Grundsätze gehen zwar auf Vitruv zurück, 
den er zuerst wieder zugänglich machte, den er aber selbst an geistiger Be- 
deutung übertraf. Die unbedingte Anerkennung des classischen Bausystems 
als ewig gültigen Kanons der Schönheit war die Grundlage seiner gesammten 
Lehre, die sich vor allem schon in der unbeschränkten Bewunderung der 
antiken Säulenordnung offenbarte. Ihm ist die ganze Architektur ein orga- 
nischer Körper; starker, als es je seit römischer Zeit geschehen, dringt er 
auf die Uebereinstimlnung des in sich abgerundeten Baues mit der ihn um- 
gebenden landschaftlichen Scenerie. Auf dieser Lehre beruht zum besten Theil 
der Reiz der italienischen Villen  aber auch vielfach des italienischen Kirchen- 
baues. Ein Blick über Florenz, oder auf Palladio's Rotonda bei Vicenza genügt, 
1 Vgl. über Alberti (aus VOTHGIJITIOIII Flo- Carteggio I 345.  GUHL Künstlerbriefe I 
rentiner Geschlecht abstammend, geb. 1404; 18 f. SPRINGER Bilder I 257.  J. MEYER 
1447-1455, dann wieder 1464-1471 inRom, Zeitschr. f. bild. Kunst IV 312, und Allg. 
wo er 1472 starb. Hauptschriften: De re Kiinstlerlex. I (Lpz. 1892) 188 f.  MAR- 
aedificatoria. Flor. 1485; Par. 1512; Strassb. CHESE Scritti II.  MANOINI Alberti. Fir. 
1541; Par. 1553. De Pictura. Basil. 1540; 1882.  JANITSCHEK Alberti-Studien (Re- 
mit Vitruv, Leyden 1649. Della Statua. Par. pert. f. Kunstw. VI 38).  WINTERBERG 
1651. De Principe ll. IV. Ronlae. 1520): Albertfs technische Schriften (ebd.VI 326). 
Vita Anonym. bei MURATORI SS. XXV 295.  JANITSCHEK Zeitschrift für bild. Kunst 
 VASARI Ed. SANS. I1 535 ff.  GAYE XIV 60. 
Kraus, Geschichte der christl. Kunst. II. 2. Abtheilung. 12
        

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