Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1894280
Zweiundzwanzigstes 
Buch. 
einer lautlosen Previncialstadt herabgesunken ist. Der Wunderbare Platz mit 
dem Dom und dem Campanile, dem Battistero und dem Campesanto ist Alles, 
was ihr geblieben, freilich eine Welt für sich, Werth, um aus Weiter Ferne 
Tausende herbeizuführen. Wer kann sagen, wie dies Monument seit einem 
halben Jahrtausend in der Seele der Nation gewirkt hat? In seiner melan- 
cholischen Einsamkeit steht es da, das Mausoleum der italienischen Früh- 
renaissance: in seinen drei Jahrtausenden angehörenden Schätzen ein Zeugniss 
für den Bund der Religion und der Kunst und ein maehtveller Protest gegen 
jeden Versuch, diesen Bund aus der Seele der Meilschheit zu tilgen: ßnrilrruan 
opus et toti solum mirabile mundd (Vandenbreckirls). 
VII. 
Die 
Architektur 
der 
Quattrocentisten. 
Brunelleschi. 
Albeüi. 
Von allen bildenden Künsten ist es die Architektur, in Welcher das neue 
Princip am spätesten auftritt, dann aber am klarsten erfasst Worden und zu 
definitivem, siegreichem Durchbruch gelangt ist. Wir sahen den Einschlag 
antiker Bildung der Einzelglieder schon in der romanischen Baukunst Italiens; 
die italienische Gothik zeigt uns in den grossen Domen Toscanais die eigen- 
thümliche Verbindung eines Theiles der gothischen Construction mit dem spe- 
ciiisch lateinischen Raumgefühl: Filippo Brunelleschi (1377-1446) ist 
das grosse Genie, Welches den Umschlag des Stiles bezeichnet 1. 
Charakteristisch für die Baukunst der Italiener War stets, dass sie sich 
das decorative Element unabhängig von dem Körper und Kern des Gebäudes 
dachten. Im Norden folgt die Decoration unbedingt der gothischen Construc- 
tion und Wächst aus letzterer heraus; in Italien hat sich von römischer Zeit 
die Emplindung erhalten, dass Construetion und Decoration zwei verschiedene 
Dinge seien 2. Schon daraus ergab sich, dass hier die Incrustation eine ganz 
andere Rolle als bei uns im Norden spielen musste. Ein decoratives System, 
Welches durch die Structur des Gebäudes Wenig oder gar nicht bedingt War, 
entsprach der beweglichen Phantasie des Südländers; es konnte jedem Wandel 
1 Vgl. für den ganzen Gegenstand BURCK- 
muuvr Cie. H7 304 f.  Ders., GOSOh. d. Re- 
naissance in Italien 3, herausgeg. von H. HOL- 
TZINGER, Stuttg. 1891.  AUG. CnoisY I-Iist. 
de FArchiteetnre II (Par. 1899) 600 s.  
C. v. FABRICZY Filippo Brunellesebi. Sein 
Leben und seine Werke. Stuttg. 1892.  Dazu 
WÜLFFLIN in Allg. Zeitg. 1882, Beil. Nr. 206. 
 Mümz Les Preeurseurs de 1a Renaissance 
(Par. 1882) p. 44 s.  Ders., Lä Renaiss. 
I 369 s.  v. GEYMÜLLER u. WIDMANN Die 
Architektur der Renaiss. in Toscana (Münch. 
1885) Bd. I.- SCHNAASE VII 156.- LASPEYRES 
und BUBEOK Die Kirchen der Ren. in Mittel- 
italien (Zeitschr. f. bild. Kunst XVII 123). 
 LASPEYRES Die Kirchen der Ren. in Mittel- 
ital. Mit 74 Tafeln. Berl. 1882.  Für das 
Leben Brunelleschfs: Anonimo del Moreni 
(Manetti, 1423-1497), Fir. 1812 und bei 
H. HOLTZINGER Fil. Brnnellesco di 'I'ueci0 
Manetti. Stuttg. 1887. Ed. MiLnivnst Fir. 
1887. Ed. C. FBEY Berl. 1887 in: Vite di Fil. 
Brun. scritte da G. VASARI e da anonimo 
Autore etc.  Vnsnm Ed. SANS. II 327i 387. 
 Andere Quellen s. bei FABRICZY a. a. O. 
S. 1x ff.  H. SEMPER und Donmn in Domvuals 
Kunst und Künstler d. Mittelalters u. d. Neuz. 
II (Lpz. 1878) 1, Nr. 44.  Repert. f. Kunstw. 
XX 42.  Kunstchronik XXI 515. 
2 Zur Gothik in Italien s. noch SPRINGER 
Bilder I 225.  Ueber Wesen der Renais- 
sancearchitektur und Umformung der Tradi- 
tionen ebd. I 243.  Ueber Handzeichnnugexi 
d. Archit. in den Uffizien A. ZAHN in ZAmrs 
Jahrb. II 143.  Grundrisse von Kirchen: 
H. SEMPER Zeitschrift für bildende Kunst 
XIII 178. 210.  Stillehre: HAUSER Stillehre 
der archit. Formen der Renaissance. 2Wien 
1880. Dazu Repert. f. Kunstw. IV 206.  
EVERBECK Fenstcr- und Portalrahmenbildung 
der Renaissance (Zeitschrift für bildende 
Kunst XVIII 73).
        

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