Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1894197
italienische 
Frührenaissance. 
unter denjenigen gefunden worden, welche im Camposanto oder überhaupt in 
der Stadt Pisa beschäftigt waren 1. Dies ist nur ein negatives Argument, 
aber es hat immer eine starke Beweiskraft gegen die Autorschaft eines dieser 
Künstler an den Fresken des Camposanto. 5. Es bleibt daher vorläufig nur 
die stilkritische Betrachtung übrig, welche, wie wir gesehen haben, insofern 
zu keinem abschliessenden Resultat gelangt ist, als die Einen vorwaltend 
sienesische, die Andern florentinische Schule in den Bildern finden wollen, 
während eine dritte Meinung eine pisanische Richtung annimmt, deren Ur- 
sprung und Charakter vorläufig noch höchst problematisch erscheint. Orcagna's 
Ansprüche scheinen immerhin noch am besten begründet zu sein. 
Wir gehen zu den folgenden Bildern über, unter denen das Weltgericht Das Welt- 
inhaltlich und stilistisch im nächsten Zusammenhang mit dem Trionfo steht. gcüd"; 
Das Giudizio (2) verrath in seiner obern Zone noch die Abhängigkeit von 
der traditionellen Darstellungsweise, wie sie der byzantinischen und abend- 
landischen Kunst des frühern Mittelalters eigen ist (vgl. II 1, 373 ff). Christus 
und rechts von ihm die hl. Jungfrau sitzen noch auf der Iris, umgeben, jede Person 
für sich, von der ovalen Mandorla. Der Herr deutet mit der Linken auf die 
Wunde der Brust, die Rechte ist erhoben, wol um die Wunde zu zeigen. Sechs 
Engel mit den Marterwerkzeugen schweben in der Höhe, rechts und links sitzen 
die zwölf Apostel. Eine viel freiere und gänzlich dem Rinascimento angehörige 
Entfaltung zeigt die untere Partie des Bildes, in deren Mitte vier Posaunen- 
engel, in der Gestalt des Kreuzes gruppirt, auf den Spruchbändern das 
Schicksal der Geriehteten verkünden (Vcmte benedicti  Be maledicti u. s.  
Auf der Platea unter dieser Gruppe vollzieht sich die Scheidung der Geister. 
Das Coemeterium hat mit seinen quadratischen Oeffnungen die Einrichtung, 
die man vielfach auf italienischen Kirchhöfen, heute noch in S. Lorenzo 
fuori le mura zu Rom, beobachtet. Den Loculi entsteigen die Seelen, deren 
Schicksal der Erzengel Michael entscheidet und durch andere Engel ausführen 
lässt. Einer derselben schleift einen Auferstandenen mit Gewalt auf die Seite 
der Verdammten, ein Anderer führt einen Begnadigten von der Seite der Un- 
seligen zu den Seligen hinüber. Die Anordnung der Verdammten und der 
1 Ich habe im Jahre 1877 die Pisaner 
Archive in dieser Richtung, soweit es mög- 
lich war, durchforscht: nirgends hat sich 
eine Erwähnung Orcagnzüs oder der Loren- 
zetti vorgefunden. Auch in den mir von 
Tanfaili, dem damaligen Director des Staats- 
archivs, mitgetheilten, von ihm im Lauf langer 
Jahre zusammengestellten Auszügen aus 
seinem Archiv sind beider Namen nie ge- 
nannt. Die einzigen mir aufgestossenen No- 
tizen über den Besitz Piszüs an Fresken 
dieser Künstler betreffen weder ihren Auf- 
enthalt in der Stadt noch ihre Beschäftigung 
am Camposanto. Es sind diese: Arch. del 
Comune di Pisa, Istanze, relazioni ecc., iilza 
2091, wird als aus der Sammlung des Canoni- 
cus Sebastiano Zucchetti 1796 in die der Opera 
del Duomo übergegangen ein 2'fs Braccie 
hohes Bild (quadro) des Ambruogio Lorenzetti, 
darstellend S. Romuald und S. Bonifaz, er- 
wähnt. Ebenda sieben quadretti des Andrea 
Orcagna, die aus der nämlichen Collection 
1796 in die Opera del Duomo gelangten und 
im Inventar unter Nr. 35-41 beschrieben 
waren. Als die hier dargestellten Gegen- 
stände werden angegeben: 1. eine Kreuzi- 
gung, mit Maria, Johannes, den drei Marien, 
Magdalena und Longinus; 2. der Tod des 
hl. Bernhard, welches Bild laut Grassi nach 
Paris kam; 3. der hl. Bernhard mit einem 
Löwen und drei Mönchen unter einem Por- 
ticus; 4. ein Heiliger, der einem im Bett 
liegenden Alten Brod zuwirft; 5. eine hl. Agnes 
mit Genossen, dazu die Darstellung der drei 
Fürsten zu Pferde, welche als Oastruccio 
Oastracane, Herr von Lueea, Ludwig der 
Bayer und Uguccione della Faggiola bezeich- 
net werden; 6. S. Ranieri, S. Bona und 
S. Johannes; 7. Michael der Erzengel, die 
selige Gherardesca und S. Ranieri. Die 
fünfte Scene mit der Cavalcade vom Trionfo 
wäre jedenfalls die interessanteste. Was ist 
aus diesen Bildern geworden? Es lohnte 
sich der Mühe, ihren Schicksalen nachzugehen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.