Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1894169
Buch. 
Zweiundzwanzigstes 
manchfach uns begegnende Erzählung ,Li trois Mors e li trois Vis' sich ohne 
weiteres nahelogtl. 
Macarius ist von der Höhe des Berges herabgestiegen, wo, wie Vasari 
sich ausdrückt, die ,srmti romiti ehe servono al Signorä hausen. Vor der 
Einsiedelei sitzen die von Alter gebückten Eremiten, in traulichem Umgang 
mit den Thieren des Waldes, die hier Niemand jagt; einer von ihnen melkt 
eine Ziege. Auf dieser ganzen die linke obere Ecke des Fresco füllenden 
Scene ist ein Strom von Licht, ist die seligste Heiterkeit als Ausdruck der 
Ruhe des Gemüthes ausgebreitet, Welche die Abgeschiedenheit von den Ge- 
schäften, Leidenschaften und Nichtigkeiten dieses Weltlebens in der frommen 
Seele schafft. An diesem Zustand des Gemüthes geht der Tod machtlos vor- 
über: ohne Schrecken sieht man sein Kommen, sein Gehen. Um so schreck- 
licher herrscht er in und über der übrigen Mensehenwelt. Und die Schilderung 
dieser seiner Gewalt füllt den Rest des Gemäldes aus. Dem Lustgarten mit 
den Gaudenti ist das Weh am nächsten; nicht als Gerippe wird der Tod hier 
gemalt: eine furchtbare Megare, halb Fledermaus, halb Gerippe, mit Wild 
wallendem Haar, saust der Tod auf diese Gemeinde der Fröhlichen herab, um 
mit seiner Sense die grassliche Ernte zu halten, deren Ertrag unten am Boden 
liegt  Arme und Reiche, Krüppel und Wohlgebildete, Jünglinge und Greise, 
Männer und WVeiber, kurz, zahlloses Volk von jeglichem Geschlecht und Alter 
(Vasari), ,piena eh mo-rte tutta la campagna", Wie Petrarca singt. Aber der 
Tod ist grausam nicht bloss in dem, Was er nimmt: er ist es nicht minder Denen 
gegenüber, welche fruchtlos Erlösung durch ihn fordern. Die Schar dieser 
Wehevollen, an denen er ohn, Erbarmen vorübersaust, sieht man links von 
der ßampayna" der Todten: Krüppel und Bettler, die vergebens die Arme 
nach der pnedicina (Vogni pena" ausstrecken und an deren hungrigem Munde 
diese mltima cenaf vorübergeht. 
Der Künstler begnügt sich nicht, das Werk des Todes zu malen; auch 
was auf ihn folgt, wird hier schon angedeutet und damit der Uebergang zu 
dem Weltgericht gebildet. In den Lüften sieht man den Kampf der Engel 
und der Teufel um die abgeschiedenen Seelen, und leider scheinen die Letzteren 
den stärksten Antheil an der Beute zu haben. Man sieht Diese in frazzen- 
hafter Bildung, halb Mensch halb Bestie, grottesk phantastisch und selbst 
humorvoll, so dass sich der Gedanke an die Malebranche und all das Teufels- 
gesindel nahe legt, das uns Dante Inf. XXI verführt. 
Der geistige Gehalt des Fresco ist so klar und einleuchtend, dass man 
nur staunen kann, dass ein Mann wie Hettner sich in ihm so gründlich irren 
konnte. Auch hier sieht er wie in der Spanischen Kapelle in der Garten- 
scene den geschlossenen Garten des Hohenliedes als Sinnbild der Kirche, 
und er lässt sich von dem missverstandenen Commentar des hl. Thomas ver- 
leiten, in den da Sitzenden Diejenigen zu sehen, welche Augenlust, Fleisches- 
lust und Hoffart des Lebens überwunden haben. S0 sind ihm die Frau mit 
der Zither und der Mann mit der Geige Allegorien der mortificatio camis, 
die Bäume Granatbaume, welche die Reinheit von den Flecken des Fleisches 
anzeigen, die Frauengestalt mit der eigenthümlichen Neigung des Kopfes An- 
deutung des contemplativen Lebens und die Liebespaare sollen das Zusam1nen- 
sein gottseliger Menschen bedeuten. Wenn er dann (S. 185) in dem ,gemalten 
DIDRON Ann. arch. XVI 165; 
 Außßn Symb. relig. III 
XXIV 
92.  
in Elsass-Lothringen 
KRAUS Kunst und Alterth. 
III 437.
        

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