Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1894034
italienische 
ihrenaissance 
function des Ordens, die Inquisition. Sie spielt schon im Leben des l1l. Dominicus 
ihre Rolle. Seine Biographen, Constantin von Orvieto und der selige Humbert, 
berichten die Ueberweisung von Ketzern an die Weltliche Gerechtigkeit. Die 
Ueberwveisung bestand in der Belehrung, und falls diese erfolglos blieb, in der 
Auslieferung an den weltlichen Arm. Gerade in den Tagen, in denen dies 
unser Bild entstand, übten die Dominicaner in Florenz ihr Amt als Inquisitoren 
mit besonderm Eifer aus 1. Wie sie sich das im Organismus des kirchlichen 
Lebens vorstellen, zeigt die Scene zur linken Hand des Beschauers, deren 
Hintergrund ein machtiger Dom als Symbol der christlichen Kirche einnimmt. 
Man erkennt ohne Mühe darin eine freie Abbildung von S. Maria del Fiore, 
mit den drei Conchen und der Kuppel, die damals noch nicht ausgeführt war, 
mit spitzbogigen Oberlichtern statt der vorhandenen runden, und dem Cam- 
panile an der Ost-, statt an der Westseite: alles das, wie man annimmt, nach dem 
Entwürfe des Arnolfo, was mehr als fraglich ist. Vor der Langseite des Domes 
hat die grosse Versammlung Platz genommen, welche das Tribunal für die 
Reinerhaltung des Glaubens darstellt. In der Mitte thront der Papst in 
Pontilicalkleidung, auf dem Haupte die Tiara tragend, in der Linken den ge- 
krünnnten Bischofsstab, den der Papst sonst nicht tragt, der hier aber auf- 
fallenderweise als Symbol der Iurisdiction beigegeben ist Neben ihm sitzen 
rechts ein Cardinal und ein Bischof, auch letzterer als Vorsitzender der 
Diöcesan-Inquisition ebenfalls mit dem Stab der Iurisdiction ausgerüstet. Zur 
Linken des Papstes haben der Kaiser, sein Kanzler und sein Feldherr Platz 
genommen. Der Kaiser ist durch Krone, Schwert und Reichsapfel charakteri- 
sirt. Sehr bemerkenswerth ist, dass die Vertreter der weltlichen Ordnung, 
der Kaiser obenan, nicht den Ehrenplatz zur Rechten des Papstes einnehmen, 
sondern in die zweite lteihe gerückt sind, ganz entsprechend den curialistischen 
Anschauungen, wie sie zwanzig Jahre vorher Johannes XXII im Gegensatz 
zu Dante's ,Monarchia' durch Agostino Trionfo der "Welt hatte vorlegen lassen. 
Viel Volk ist rechts und links als Zuschauer um dies {Fribunal geschart, 
Geistliche und Weltliche, Mönche und Nonnen, Alte und Junge, Gesunde und 
Kranke mit ihren Krücken, Alle haben sich aufgemacht, um dem seltsamen 
Schauspiel beizuwolmen. Dies Schauspiel ist allegorisirt durch das, was sich 
zu den Füssen des Papstes zutragt. Auf einer Stufe vor seinem Sitze liegt 
in behaglicher Ruhe als kleine Schafe gebildet die Herde der frommen 
Gläubigen, vor denen zwei Hündlein WVache halten  die ,Agni della sawzta 
1 Zu erinnern ist hier zunächst an die 
Uebertragung der Inquisition ,ad exterminium 
pravitatis haeretice' an die in Florenz in- 
stituirten Inquisitoren durch Erlass Papst 
Martins IV (1283, Apr. 3. [Fm Toeco ,Quel 
che non de 11e1la Div. C0111. 0 Dante e 
l'E1-esia', B01. 1899, in PASSERINI e PAPA 
Bibliot. stoiz-crit. della lett. dantesca, Nr. VI, 
S.  dann an die bei RICHA 1. c. III 1, 19 f. 
abgedruckte notarielle Urkunde betr. der ,Bat- 
taglia tra Cattolici ed Eretici in Firenzei 
Die Scene spielte sich auf dem Platz vor 
S. Maria Novella ab (1245) in einer Weise, 
welche stark an die Darstellung unseres 
Wandgemäldes erinnert: ,acta sunt hec in 
die b. Bartolomei in platea S. Marie Novelle 
ca die, quae per Paeeln et Baronem et Pote- 
statcm excomnlunicatum in favoreln Hereti- 
eeruin contra Fideles est publice diinicatuin 
corani multiturline Fidelium arnmtorum, qui 
venerant contra Ilereticos pugnaturr etc. ]n 
der Zeit, uni die es sich hier handelt, spielt 
der Inquisitionsprocess in Florenz, welchen 
Für. T0000 kürzlich besprochen hat (bes. 
1.  
2 Hr. Prof. Dr. BROCKHAUS hat auf meinen 
Wunsch hin das Fresco wieder einer ein- 
gehenden Besichtigung unterworfen und Ueber- 
malungen festgestellt, welche ein Urteil über 
den ursprünglichen Zustand des Gemäldes, 
bezw. gewisse Details, wie den Bischofsstab 
und die Inful, kaum gestatten dürften.
        

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